Crif-Analyse
Branchen, die Frauen besonders selten den Weg in die Führung bieten

| Larissa Bilovits 
| 05.03.2026

Laut einer aktuellen Analyse sind Frauen in Österreichs Führungsetagen weiterhin deutlich unterrepräsentiert. Zwar liegt ihr Anteil über alle Branchen hinweg mittlerweile bei 31 Prozent, doch der Blick auf einzelne Wirtschaftszweige zeigt enorme Unterschiede: In manchen Bereichen stellen Frauen bis zu 77 Prozent der Führungskräfte, in anderen hingegen nicht einmal fünf Prozent.

Trotz zunehmender Diskussionen über Gleichstellung sind Frauen in Führungspositionen nach wie vor unterrepräsentiert – auch wenn sich zuletzt ein leichter Aufwärtstrend abzeichnet. So liegt der Anteil von Frauen in Führungsfunktionen in Österreich aktuell bei 31,4 Prozent und ist damit gegenüber den beiden Vorjahren weiter gestiegen (2025: 30,8%| 2024: 30,3%). Im internationalen Vergleich steht Österreich damit um einiges besser da als Deutschland, wo lediglich 23,5 Prozent der Führungspositionen weiblich besetzt sind. Diese Zahlen gehen aus einer aktuellen Auswertung des Informationsdienstleisters Crif Österreich hervor, die anlässlich des Weltfrauentags am 8. März veröffentlicht wurde und rund 920.000 Funktionen unterschiedlicher Branchen und Rechtsformen (siehe Infobox) umfasst.

Führungsebenen und Bundesländer im Detail

Ein differenzierter Blick auf die einzelnen Funktionen zeigt jedoch deutliche Unterschiede. So ist der Frauenanteil unter Inhaber:innen von Einzelunternehmen mit einem Anteil von 44,7 Prozent sowie unter Prokurist:innen mit 35,9 Prozent zwar vergleichsweise hoch – an der Spitze großer Unternehmen bleibt ihre Präsenz aber weiterhin gering. So sind lediglich 12,3 Prozent der Vorstandsmitglieder weiblich, bei den Geschäftsführer:innen liegt der Anteil bei 15,9 Prozent. Auch in Aufsichtsräten ist das Geschlechterverhältnis noch unausgewogen: Dort beträgt der Frauenanteil derzeit 24,2 Prozent.

"Auch wenn österreichweit bereits fast ein Drittel aller Führungspositionen von Frauen besetzt ist, zeigt der Blick auf die obersten Entscheidungsebenen ein deutlich anderes Bild. In den Vorstandsetagen ist nach wie vor nur etwa jede zehnte Führungskraft eine Frau, und auch in der Geschäftsführung ist weibliche Besetzung eher die Ausnahme als die Regel. Die Gesamtentwicklung ist positiv, doch gerade an der Spitze bleibt der Zugang für Frauen stark begrenzt", kommentiert Crif-Geschäftsführerin Anca Eisner-Schwarz die Ergebnisse der Analyse. 

Und auch der Bundesländervergleich zeichnet ein differenziertes Bild. So weist Oberösterreich mit 32,7 Prozent den höchsten Anteil weiblicher Führungskräfte auf, gefolgt vom Burgenland (31,2%), Wien (30,7%) und Kärnten (30%). Dahinter liegen die Steiermark (29,3%), Niederösterreich (28,9%) und Salzburg (27,7%), während Vorarlberg (26,2%) und Tirol (25,7%) die letzten Plätze im Bundesländer-Ranking einnehmen.

Bestimmte Branchen immer noch klare Männer- oder Frauendomänen

Auch unter Betrachtung der einzelnen Branchen fällt die Präsenz von Frauen in Führungspositionen sehr unterschiedlich aus. Besonders hoch ist die Frauenquote laut Analyse auf der Führungsebene im Gesundheits- und Sozialwesen, wo Frauen rund drei Viertel der Leitungsfunktionen innehaben (76,9%). Ebenfalls stark vertreten sind sie im Bereich der sonstigen Dienstleistungen (71,7%). Im Bildungssektor – also in Erziehung und Unterricht – liegt der Anteil noch bei 49,1 Prozent, während Beherbergung und Gastronomie auf 42,4 Prozent kommen.

Am anderen Ende der Skala finden sich hingegen mehrere Branchen, in denen Frauen in Führungsrollen weiterhin deutlich unterrepräsentiert sind. Das Baugewerbe bildet mit einem Anteil von lediglich 4,6 Prozent das Schlusslicht. Auch in der Telekommunikation, Softwareentwicklung und IT-Beratung (10,2%) sowie in der Logistik (10,4%) sind Frauen nur selten in leitenden Funktionen vertreten. Ähnlich niedrige Werte zeigt die Land- und Forstwirtschaft samt Fischerei (11,9%). Selbst im Verlags- und Medienbereich bleibt der Anteil mit 18,2 Prozent deutlich unter dem österreichischen Gesamtdurchschnitt.

"Vielfalt passiert nicht zufällig. Unternehmen brauchen klare Karrierepfade, flexible Führungsmodelle und eine Personalpolitik, die Frauen systematisch in Entscheidungspositionen bringt. Wer Vielfalt konsequent fördert, schafft einen echten Wettbewerbsvorteil", so Eisner-Schwarz abschließend.

www.crif.at

Weltfrauentag bei LEADERSNET

Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März widmet LEADERSNET die gesamte Woche dem Schwerpunkt "Frauen in Führung". Unter anderem stellen wir Entscheidungsträgerinnen verschiedenster Branchen vor und bitten sie zum Interview.

Über die Studie

Die Analyse basiert auf rund 920.000 ausgewerteten Unternehmensfunktionen unterschiedlicher Branchen und Rechtsformen. Berücksichtigt wurden unter anderem Geschäftsführer:innen, Vorstände, Aufsichtsräte, Inhaber:innen und Prokurist:innen. Ergänzend wurden regionale und branchenspezifische Verteilungen ausgewertet.

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