Konsolidierung im Sporthandel
Hervis angeblich vor Verkauf an Snipes-Gründer Sven Voth

| Redaktion 
| 21.01.2026

Wie die Tageszeitung Der Standard berichtet, steht der österreichische Sporthändler Hervis womöglich vor einem Eigentümerwechsel. Spar will sich dem Vernehmen nach von seiner Sporthandelstochter trennen. Als potenzieller Käufer wird der deutsche Unternehmer Sven Voth genannt.

Die Spar-Tochter Hervis steht seit Jahren unter Druck. Der Sportartikelhändler kämpft mit sinkenden Umsätzen, hohen Fixkosten und anhaltenden Verlusten. Der Absatz von Fahrrädern hat deutlich nachgelassen, im Wintersport gewinnt der Verleih gegenüber dem Verkauf an Bedeutung. Gleichzeitig verschärft die Onlinekonkurrenz den Preisdruck auf stationäre Filialen. Spar hält sich offiziell bedeckt. "Wir prüfen aktuell mehrere Strategien und Optionen", so Konzernsprecherin Nicole Berkmann auf KEYaccount/LEADERSNET-Anfrage. Die Marke sei gut eingeführt, man glaube weiterhin an sie, so Berkmann weiter.

Erst im vergangenen November wurde bekannt, dass Hervis seine Auslandstöchter in Ungarn und Rumänien verkauft (KEYaccount/LEADERSNET berichtete hier). Die Übernahme durch die britische Frasers Group steht noch unter kartellrechtlichem Vorbehalt. Die Frasers Group, früher unter dem Namen Sports Direct bekannt, ist seit der Übernahme von Sport Eybl auch in Österreich präsent. Aus Tschechien zog sich Hervis bereits 2022 zurück.

Hervis als Schwergewicht im heimischen Markt

Ein möglicher Verkauf hat erhebliche Bedeutung für den österreichischen Sporthandel. Hervis betreibt hierzulande knapp hundert Filialen und ist flächendeckend vertreten. 2024 beschäftigte das Unternehmen rund 1.360 Mitarbeiter:innen und erzielte einen Umsatz von 253 Millionen Euro. Gleichzeitig fiel ein Verlust von rund 43 Millionen Euro an, nach 64 Millionen Euro im Jahr zuvor. Die Branche befindet sich insgesamt in einer Phase der Bereinigung. Auch andere Generalisten wie Gigasport oder Sports Direct verzeichneten zuletzt deutliche Verluste und Standortschließungen.

Sven Voth als Investor mit Ambitionen

Als potenzieller Hervis-Käufer wird Sven Voth genannt, der 1998 in Deutschland Snipes gründete und die Marke zu einer international agierenden Handelskette ausbaute. 2011 beteiligte sich Deichmann, heute hält der Schuhhändler sämtliche Anteile. Voth zog sich 2024 aus der operativen Geschäftsführung zurück. In Österreich gründete er im Vorjahr die Beteiligungsgesellschaft Black Mass und gilt als gut vernetzter Investor mit Affinität zum stationären Handel. Zuletzt scheiterte Voth allerdings mit dem Diskontkonzept Higgins, das kurz nach dem Start Insolvenz anmelden musste. Hervis wäre für ihn kein Pilotprojekt, sondern ein etablierter Marktteilnehmer mit hoher Flächenpräsenz. Ob und wie er das Geschäftsmodell neu ausrichten würde, bleibt offen. Klar ist jedoch: Ein Eigentümerwechsel könnte den strukturellen Umbruch im österreichischen Sporthandel weiter beschleunigen. Laut der Tageszeitung Der Standard könnte der Deal schon nächste Woche über die Bühne gehen.

www.hervis.at

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