LEADERSNET: Sehr geehrte Frau Schneider, zeb.Austria positioniert sich als Transformationspartner entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Was unterscheidet Ihren Beratungsansatz konkret vom Wettbewerb?
Michaela Schneider: Ein konkreter Unterschied ist, dass andere Beratungsunternehmen oft verschiedene Branchen betreuen. zeb konzentriert sich hingegen voll und ganz auf Banken und Finanzdienstleister. So können wir ein tiefes Fachwissen vorweisen und sind in der Lage, mit unseren Kund:innen auf Augenhöhe zu diskutieren. Zudem braucht es kein Anlernen oder Aufgleisen im klassischen Sinn. Ein weiterer Punkt, in dem wir uns unterscheiden, ist, dass unsere Leistungen weit über die klassische Beratung hinausgehen. Besonders wichtig ist uns die Umsetzungsstärke, wir wollen Konzepte Realität werden lassen. Das beginnt bei der Strategiearbeit, geht über die Optimierung von Vertriebsthemen, bis hin zu Regulatorik, Finanzen und IT. Dazu zählen auch Trainings- und Schulungsleistungen.
LEADERSNET: Wohin entwickelt sich die Branche im Allgemeinen? Was sind die vordringlichsten Themen, Herausforderungen und Probleme – und wie können diese gelöst werden?
Schneider: Die Finanzbranche wurde in den vergangenen Jahren schon etwas durchgebeutelt: Steigende regulatorische Anforderungen, Margendruck, technologische Disruption, neue Wettbewerber sowie veränderte Kundenerwartungen erhöhen den Transformationsdruck massiv. Darauf muss die Branche klar reagieren und sich neu aufstellen. Wo wir aktuell den stärksten Handlungsbedarf sehen, sind die Themen Digitalisierung, Datennutzung für personalisierte Services und Effizienzsteigerung.
Aber nicht alles soll oder kann menschliche Interaktion ersetzen. Erfolgreich werden jene Institute sein, die Technologie nicht isoliert betrachten, sondern diese als integralen Bestandteil ihrer Geschäftsstrategie verstehen.
LEADERSNET: Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verändern aktuell alle Lebensbereiche. Der damit einhergehende Strukturwandel erfasst Gesellschaft, Staat und Wirtschaft gleichermaßen. Auch Beratungsunternehmen müssen mit der Zeit gehen. Wie reagiert zeb.Austria darauf und wie bleiben Sie up to date?
Schneider: Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sind für uns keine isolierten Trendthemen, sondern zentrale Hebel für Effizienz und Innovation. Wir setzen verstärkt auf Datenanalysen und übergreifende Orchestrierung von Use-Cases statt Silo-Denken.
Um am Puls der Zeit zu bleiben, investieren wir in kontinuierliche Weiterbildung und internationale Wissensnetzwerke innerhalb der zeb-Gruppe sowie enge Kooperation mit Kund:innen und Partner:innen. Lernen ist bei uns Teil der Unternehmenskultur.
LEADERSNET: Klimawandel, Umwelt, soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit sind immer wichtigere Themen. Welche Rolle spielt ESG in Ihrem Unternehmen?
Schneider: ESG ist ein Thema, das wir für unsere Kund:innen stets mitbetrachten. Für Banken und Versicherungen bedeutet es, dass Nachhaltigkeitsanforderungen direkt auf Risikomanagement, Kreditvergabe, Produktgestaltung und Reporting wirken. Wir unterstützen unsere Kund:innen dabei, ESG regulatorisch sauber umzusetzen und gleichzeitig strategisch zu nutzen.
Auch zeb-intern spielt Nachhaltigkeit eine wachsende Rolle, von ressourcenschonender Arbeitsweise bis hin zu Diversity- und Governance-Themen. Wir haben unsere Prozesse so digitalisiert, dass wir orts- und zeitunabhängig in interdisziplinären Teams zusammenarbeiten und so stets die bestmögliche Betreuung unserer Kund:innen sicherstellen können. Zudem setzen wir z.B. in unserer zeb-Car-Policy ausschließlich auf e-Autos.
LEADERSNET: Laut Berechnungen beläuft sich der Gender Pay Gap im Moment auf 11,6 Prozent. Konkret bedeutet das, dass Frauen im Vergleich zu Männern bis zum 11. Februar 2026 rechnerisch unbezahlt arbeiten, während Männer ab Jahresbeginn für ihre Arbeit entlohnt werden. Was müsste sich Ihrer Meinung nach ändern, um diese Ungerechtigkeit in Zukunft zu minimieren bzw. letztendlich zu bekämpfen?
Schneider: Gleichberechtigung – auch beim Gehalt – entsteht nicht durch Einzelmaßnahmen, sondern durch konsequente, langfristige Veränderungen in Organisation und Mindset. Transparenz ist der erste Schritt. Neben einem klaren Bekenntnis des Topmanagements brauchen Unternehmen klare, nachvollziehbare Gehaltsstrukturen und objektive Kriterien für Beförderungen.
Darüber hinaus sind strukturelle Faktoren, wie eine bessere Vereinbarkeit von Karriere und Familie, flexible Arbeitsmodelle, gezielte Förderung von Frauen in Führungspositionen, entscheidend. Und es braucht eine Unternehmenskultur, die Leistung unabhängig von Präsenz bewertet.
LEADERSNET: Welche Rolle nehmen Frauen in der Beratungsbranche ein – und wie hat sich das verändert?
Schneider: Die Beratungsbranche ist deutlich diverser geworden, auch wenn noch Potenzial besteht. Vorbilder sichtbar zu machen und Karrierewege transparent zu gestalten, ist dabei das A und O. Divers zusammengesetzte Teams sind nachweislich langfristig erfolgreicher – das ist nicht nur ein gesellschaftliches, sondern auch ein wirtschaftliches Argument. Ich sehe in der täglichen Arbeit, dass Frauen oft eine andere Sichtweise – egal in welcher Funktion oder Rolle – in die Arbeit einbringen. Bei zeb haben wir uns diesbezüglich klare Ziele gesetzt und wollen den Anteil der Beraterinnen auf mindestens 27 Prozent bis 2027 erhöhen – aktuell liegen wir bei 21 Prozent.
LEADERSNET: Welche Karrieretipps können Sie Frauen mit auf dem Weg geben und was macht eine gute Führungskraft aus?
Schneider: Bei uns in der zeb-Gruppe gilt "Argument schlägt Hierarchie". Damit unterstützen wir unsere Mitarbeitenden von Beginn an, Verantwortung zu übernehmen und sichtbar zu sein. Wichtig ist auch, Mut zur Positionierung und Vertrauen in die eigene Expertise zu haben.
Eine gute Führungskraft zeichnet sich durch Konsequenz aus, ohne dabei auf Partizipation zu verzichten. In Zeiten von Transformation ist die Fähigkeit, Orientierung zu geben und Menschen mitzunehmen, wichtiger denn je. Führung bedeutet heute weniger Hierarchie, sondern mehr Befähigung. Eine familiäre Kultur, wie bei zeb, unterstützt zusätzlich.
LEADERSNET: Wie schauen die Pläne von zeb.Austria für 2026 und die (noch) weitere Zukunft aus?
Schneider: In den vergangenen 25 Jahren haben wir eine starke Marke aufgebaut, sind im Finanzdienstleistungs-Consulting bekannt und gut vernetzt. Darauf will ich weiter aufbauen. Eine spannende Entwicklung ist dabei sicher KI. Ich bin überzeugt, dass uns das ganz neue Wege zu arbeiten und zu beraten ermöglichen wird – aber immer nur in Kombination mit gut geschulten, kritisch denkenden Menschen im Hintergrund.
Wir wollen unsere Position als führende spezialisierte Managementberatung für Banken und Finanzdienstleister weiter ausbauen. Gleichzeitig investieren wir gezielt in Talente, Weiterbildung und innovative Beratungsformate. Unser Ziel ist es, auch künftig als langfristiger Transformationspartner unserer Kund:innen wahrgenommen zu werden – mit fachlicher Tiefe, technologischer Kompetenz und unternehmerischem Weitblick.
LEADERSNET: Was kann die "Managing Partnerin" Schneider von der Privatperson Schneider lernen?
Schneider: Es wird mir immer wieder gesagt, dass ich gut zuhören kann. Das nutze ich auch beruflich, da ich überzeugt bin, dass Zuhören echte Begegnungen und Austausch auf Augenhöhe schafft – und somit auch Vertrauen.
LEADERSNET: Vielen Dank!
www.zeb-consulting.com
Kommentar veröffentlichen