Editorial des Herausgebers
Inflation? Bitte genau hinschauen!

| Wolfgang Zechner 
| 20.01.2026

Wenn es um steigende Preise geht, kennt die öffentliche Meinung meist nur eine Richtung. Der Supermarkt war's. Wer sonst. Die Ketten sind allgegenwärtig, jeder kennt sie, jeder braucht sie, also kriegen sie regelmäßig die Rechnung präsentiert. Dabei spricht die Realität längst eine andere Sprache.

Die Statistik Austria hat es nun schwarz auf weiß bestätigt. Im Jahr 2025 lag die durchschnittliche Inflation bei 3,6. Die Preise für Nahrungsmittel ohne Getränke stiegen dagegen nur um 2,9. Schon wie 2024 hat der Lebensmitteleinzelhandel also nicht angeheizt, sondern gedämpft. Aber das passt natürlich nicht ins Narrativ der emotional gesteuerten Dauerempörten.

Die echten Preistreiber sitzen nämlich ganz woanders. Strom verteuerte sich um satte 37,3 und war damit mit Abstand an der Spitze der Inflation. Dahinter kamen Restaurants und Hotels mit 5,8. Öffentliche Tarife und Gebühren zogen um 4,9 an, die Gesundheitskosten um 5,0. Das alles sorgt für echte Belastung. Doch darüber redet kaum jemand. Vermutlich, weil Energieversorger oder Ministerien nicht so schöne Logos auf ihren Schaufenstern haben wie Spar, Billa, Hofer oder Lidl.

Der Handel dagegen wird zum Lieblingsgegner. Dabei stiegen die Regalpreise für Obst gerade einmal um 1,9, Gemüse sogar nur um 0,7. Brot und Gebäck legten um 2,1 zu. Auch das ist alles andere als dramatisch. Nur alkoholfreie Getränke stachen heraus, mit einem Plus von 9,6. Hauptursache waren hier Kaffee und Kakao. Doch wer glaubt, der Supermarkt setze den Weltmarktpreis für Kaffee, glaubt wahrscheinlich auch, dass man Inflation mit Tweets und Facbook-Postings bekämpfen kann.

Was fehlt, ist eine faire, differenzierte Betrachtung. Eine, die nicht den Lautesten recht gibt, sondern den Fakten. Wer heute pauschal auf den Lebensmittelhandel losgeht, hat entweder die Debatte nicht verstanden oder streut bewusst Desinformation. Und wer als Medium hier mitmacht, statt aufzuklären, ist Teil des Problems.

Die Zahlen liegen am Tisch. Jetzt wäre es schön, wenn man sie auch liest.

 

 

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