"Die 'schaun wir mal'-Ära ist definitiv vorbei"

Der "Hermes" präsentiert sich heuer fast rundumerneuert. Im Interview erklären Hermes-Gründer Gerhard Schlögel und Kurier-Gesamtanzeigenleiter Stefan Lechner, was Österreichs größten Wirtschaftspreis so besonders macht und warum es österreichweit kein Unternehmen gibt, das nicht einreichen könnte. 

LEADERSNET: Herr Schlögel, Sie organisieren die Hermes-Veranstaltung bereits zum siebten Mal. Welches Resümee über die heimische Wirtschaft können Sie ziehen?

Schlögel: Für die meisten österreichischen Unternehmen waren die letzten Jahre eine ständige Herausforderung, ein Balanceakt zwischen Krisenbewältigung und Weichenstellung für die Zukunft. Viele Unternehmen haben trotz aller Widrigkeiten gerade in dieser Zeit an der Zukunft gearbeitet und ihre herausragenden unternehmerischen Fähigkeiten erfolgreich präsentiert.

LEADERSNET: Was macht Österreichs größten Wirtschaftspreis so besonders? Wie hebt sich der Hermes von den zahlreichen anderen Wirtschaftspreisen ab?

Schlögel: Die Grundlage des Hermes-Wirtschafts-Preis sind die klaren wirtschaftlichen Fakten eines Unternehmens. Es werden zur Ermittlung der Nominierten und Preisträger nach klaren Vorgaben die Bilanzzahlen der letzten drei Jahre bewertet.

LEADERSNET: Der Hermes präsentiert sich heuer fast rundumerneuert. Was sind die Highlights, auf welche Innovationen darf man sich freuen?

Schlögel: Der Hermes-Wirtschafts-Preis 2022 deckt mit seinen acht Kategorien alle Bereiche, von Dienstleistung bis Tourismus, der österreichischen Wirtschaft ab. Zudem widmet sich der Hermes mit den zwei Sonderkategorien den europaweit wichtigsten Kernthemen der Wirtschaft – Klimaschutz und 2022 erstmalig Employer-Branding.

LEADERSNET: Ganz neu ist die Kategorie Employer Branding. Wie kam es dazu?

Schlögel: Employer Branding ist heute wichtiger denn je, denn die größten Umwälzungen, die der Arbeitsmarkt bisher erlebt hat, stehen noch bevor. Unternehmen, die auch morgen noch erfolgreich sein wollen, müssen sich verändern – in eine Zukunft als attraktiver Arbeitgeber.

LEADERSNET: Herr Lechner, warum ist eine gelebte Employer Brand dieser Tage wichtiger, als jemals zuvor?

Lechner: Die globalen Leitthemen der letzten Jahre – allen voran Digitalisierung, Pandemie und Klimaschutz – haben auch massive gesellschaftliche Effekte. Alle Lebensbereiche befinden sich dadurch in einem strukturellen Wandel. Das gilt in sehr starkem Ausmaß auch für die Arbeitswelt. Im Wettbewerb um die besten Mitarbeiter:innen ist eine glaubwürdige Positionierung von Unternehmen unverzichtbar. Am Ende entscheiden sich Fachkräfte nicht nur des Geldes wegen – genauso wichtig sind Arbeitszeit- und Standortflexibilität oder auch Weiterentwicklungschancen. Und dann geht es noch darum, wie der potenzielle Arbeitgeber mit Ressourcen umgeht, welche Unternehmenskultur vorgelebt wird und ob glaubwürdig eine sinnstiftende und zukunftsfähige Ausrichtung des Unternehmens vermittelt werden kann.

LEADERSNET: Welchen Beitrag wollen Sie mit der Verleihung des Hermes.Employer.Branding.Preis 2022 setzen?

Schlögel: Eine gelebte Employer Brand hat viele positive Effekte für Unternehmen. Sie vereinfacht die Mitarbeitergewinnung und stärkt die Mitarbeiterbindung. Und weil erfolgreiche Employer Brands bessere Geschäftsergebnisse erzielen, haben sie auch einen höheren Wert.

LEADERSNET: Die Expertenjury wird von Wolf R. Kriegler, Gründer und CEO der Deutschen Employer Branding Akademie in Berlin l TU München l WU Wien, geleitet. Warum haben Sie sich gerade für ihn als Juryvorsitz entschieden?

Schlögel: Weil Wolf R. Kriegler, Gründer und CEO der Deutschen Employer Branding Akademie, Europas herausragende Persönlichkeit in diesem Bereich ist und sich seit über 25 Jahren sehr intensiv mit diesem Thema auseinandersetzt.

LEADERSNET:
Der Klimaschutzpreis geht heuer schon in die zweite Runde. Welche Learnings konnten Sie aus der ersten ziehen?

Schlögel: Mit den 28 eingereichten Klimaschutz-Projekten 2021 aus allen Bereichen Wirtschaft, hat die österreichische Wirtschaft gezeigt, dass Klimaschutz und erfolgreiches Wirtschaften Hand in Hand gehen und Arbeitsplätze sichert. Dies hat auch das herausragende Klimaschutz- Siegerprojekt 2021 von der Rabmer Group aus Oberösterreich eindrucksvoll bestätigt.

LEADERSNET: Können Klimaschutz und erfolgreiches Wirtschaften eigentlich Hand in Hand gehen?

Lechner: Es muss! Gesellschaftlicher Konsens ist, dass wir unseren Wohlstand nicht auf Kosten nachfolgender Generationen leben dürfen. Somit ist es absolut alternativlos. Die "schaun wir mal"-Ära ist definitiv vorbei. Jedes Unternehmen, dass sich dem Thema Klimaschutz verwehrt, wird über kurz oder lang vom Markt verschwinden.

LEADERSNET: In welchen Kategorien kann weiters eingereicht werden und wer ist zum Einreichen berechtigt?

Schlögel: Österreichische Unternehmen können in den acht Wirtschaftskategorien Dienstleistung. Familien Unternehmen, Frauen-geführte Unternehmen, Handel, Industrie, International, Logistik und Tourismus einreichen. Zudem in den Sonderkategorien Klimaschutz und Employer- Branding. Teilnahmeberechtigt sind alle österreichischen Unternehmen.

LEADERSNET:
Könnte man sagen: Jede Sparte hat ihre eigene Auszeichnung? Sind noch weitere Kategorien in Planung?

Schlögel: Mit den zehn Hermes-Kategorien, acht Wirtschaftskategorien und zwei Sonderkategorien, decken wir aktuell alle Bereiche der Wirtschaft ab. Es gibt österreichweit kein Unternehmen, das nicht einreichen könnte. Trotzdem beobachten wir sehr aufmerksam die Wirtschaft und ihre Entwicklungen.

LEADERSNET: Stichwort: schwierige Zeiten. Wie gelingt es in diesen, herausragende Wirtschaftsleistungen vorzuweisen?

Lechner: Wenn man unter "herausragend" das reine Geldergebnis versteht, dann sind international die amerikanischen GAFA´s die wohl besten Beispiele. Da werden Gewinne gemacht, die weit über die Gesamtwirtschaftsleistung von Kleinstaaten gehen. Aber sind solche Konzerne deshalb auch herausragend in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext? Ich meine nein. Meine Definition von "herausragend" beschreibt ebenfalls wirtschaftlichen Erfolg.

Dieser ist die einzige Legitimation von Unternehmen, um weitermachen zu dürfen. Es ist aber unabdingbar, dass dieser Erfolg nicht am Rücken der zukünftigen Generationen – auf Teufel komm raus – gemacht wird. Das Ideal stellen für mich Unternehmen dar, die gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen. Und getragen durch Innovation, Flexibilität, Beharrlichkeit und vor allem Gewissen solide wirtschaften. Und da gibt es in Österreich viele Beispiele von Unternehmen aller Größen, die genau das schaffen. Und einige davon werden verdientermaßen mit einem Hermes ausgezeichnet.

LEADERSNET: Sie zeichnen jedes Jahr auch einen "Entrepreneur des Jahres" aus. Welche Skills muss diese Person in turbulenten Zeiten wie diesen haben?

Schlögel: Mit dem Entrepreneur wurde im Rahmen des Hermes-Wirtschafts-Preis auch die Ruhmeshalle "Hall of Fame Wirtschaft" für die herausragenden Persönlichkeiten in der österreichischen Wirtschaft geschaffen. Die Mitglieder der "Hall of Fame Wirtschaft" haben sich über die Grenzen des eigenen Unternehmens hinaus außergewöhnlich verdient und die österreichische Wirtschaft maßgeblich und nachhaltig vorangebracht. Ihre Leistungen für die österreichische Wirtschaft sollen mit dieser Ruhmeshalle auch künftigen Generationen in Erinnerung gerufen werden.

LEADERSNET: Ist der "Hermes" vereinfacht gesagt der Spiegel des Wirtschaftsbarometers?

Schlögel: Vereinfacht gesagt Ja. (jw)

hermes-wirtschafts-forum.at/hermes-wirtschafts-preis

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