"Wir haben die Corona-Krise bis jetzt auch im Werbebereich sensationell gut überstanden"

| 17.09.2020

Ralf B. Six, Managing Director von trend., News und autorevue, im exklusiven Interview über die Lage der Medien, den Selbstreinigungsprozess der Branche, warum Print von "Masse" zu "Klasse" werden muss und wie aus Magazinen Netzwerke werden.

Medien werden in Zeiten von Covid-19 von den Rezipienten mehr nachgefragt denn je, gleichzeitig sind die Medienhäuser selbst von der Krise betroffen. LEADERSNET hat Ralf B. Six, Managing Director von trend., News und autorevue und Prokurist der Top Media GmbH (LEADERSNET berichtete), zum Interview über die aktuelle Situation der Branche getroffen.

LEADERSNET:  Die Corona-Krise hat in den vergangenen Monaten fast alle Branchen durchgerüttelt. Wie sehen Sie die Rolle der Medien in diesem Geschehen? Ist die Situation auch eine große Chance, ein Umdenken im Medienkonsum einzuläuten? Ein verantwortungsvoller Umgang mit Nachrichten, ein Ende der Fake News?

Six: Qualitätsmedien haben immer einen besonderen Stellenwert - gerade auch in Krisenzeiten nehmen sie eine wichtige, verantwortungsvolle Rolle ein. Sie liefern verlässliche, gut recherchierte, sachliche Informationen und geben Orientierung ohne zu dramatisieren, zu übertreiben oder unberechtigt Panik zu verursachen. Somit sind sie verlässliche und glaubwürdige Informationsquellen und Kornmunikationspartner. Sie geben Sicherheit durch qualitative Informa tion, man weiß einfach. was wirklich los ist und sitzt keinen Fake News auf. Genau diese Qualität schätzen auch unsere Werbekunden. Wir sind in der tollen Situation, dass meine Magazine trend. und News die Corona ­ Krise bis jetzt auch im Werbebereich sensationell gut überstanden haben - wir liegen hier 1-9 2020 über Vorjahresniveau. Das war harte Arbeit und großer Einsatz. Zeigt aber auch großes Vertrauen der Kunden in diese starken Marken. Die Conclusio ist: Qualität zahlt sich aus. Vor allem in einem lnformation-Overload­ Zeitalter, in dem wir heute leben.

LEADERSNET: Es gibt aber auch Stimmen, die einen Untergang der ganzen Medienbranche und aller Medienhäuser prophezeien. Wie beurteilen Sie die Lage?

Six: Die, die einen Untergang prophezeien  sind aus meiner Sicht schlichtweg Pessimisten. Das sehe ich wirklich anders. Die Medienbranche wird sich - wie viele andere Branchen auch - verändern. Viele Verlage werden ihre Portfolios erweitern oder zuspitzen und sich neu aufstellen. Es wird wahrscheinlich ein "Selbstreinigungsprozess" in der Branche stattfinden. Aber die Branche selbst wird es natürlich weiterhin geben. Gerade qualitativer Journalismus und echte Fakten werden immer wichtiger  in einer Zeit, wo jeder alles auf diversen Kanälen veröffentlichen kann - auch ohne Qualitäts - und Wahrheitsanspruch. Da braucht es Qualitäts-Medienmarken mit relevanten Inhalten, auf die man sich verlassen kann.

LEADERSNET: Gibt es in Österreich Medienunternehmen, die besonders gefährdet erscheinen und womöglich von der Bildfläche verschwinden werden?

Six: Aus meiner Sicht hat fast jede Mediengattung ihre Berechtigung und wird nicht vollkommen verschwinden. Print z.B. wird sich eher von "Masse" zu "Klasse" entwickeln müssen - wird aber auch weiterhin sehr relevant sein. Digital ist wichtig,keine Frage und neue Mediengattungen werden kommen - müssen aber auch erst den "Proof of Concept" liefern. Das eine oder andere Medienunternehmen wird den Change wahrscheinlich nicht schaffen. Das ist, wie in allen anderen Branchen die im Umbruch sind, möglich. Für einige andere bietet der Change aber auch neue Möglichkeiten und Erfolgschancen.

LEADERSNET:Steht dem aber nicht auch ein neuer Journalismus mit großem Potenzial gegenüber?

Six: Qualitätsjournalismus, der verlässliche, relevante Informationen liefert, hat gerade in unserer Zeit,wo sich in einem Informationsdschungel auch viele Fake News verstecken, ein großes Potenzial. Genau da setzen wir auch an: Mehr Qualität statt nur Quantität.

LEADERSNET: Wurde durch Corona das Tempo der Information hochgeschraubt? Wie wirkt sich das auf Print
aus?

Six: Schnelle,übersichtliche und Nutzen stiftende  Informationen sind gefragt Die bekommt  man oftmals online. Und da sieht man dann auch Spitzen im Nutzungsverhalten der Rezipienten in Krisenzeiten. Hintergrundinformationen und genaue Details zu Ereignissen oder Sachverhalten werden jedoch gerne auch durch das "Lean-Back­ Medlum" Magazin auf Papier rezipiert. Da bekommt  man qualitätsvolles Tiefenwissen. Und das wird auch sehr geschätzt.

LEADERSNET: Welcher Voraussetzungen bedarf es, um in der aktuellen Situation als Medienhaus auf Schiene zu bleiben oder sogar erfolgreich aus der Krise herauszugehen?

Six: Die veränderte Situation muss man zuerst einmal rasch erkennen. Danach dafür Strategien entwickeln sowie anschliessend zeitnah auch in die Umsetzung kommen. Mit dem Tempo der Veränderung mithalten zu können ist Grundvoraussetzung. Selbst zum Innovation-Lab zu werden ist dann der Schlüssel zum Erfolg für die Zukunft. Dazu braucht es ein gutes Change­ Management und eine Zukunftsvision, an die Führungskräfte und Mitarbeiter gemeinsam glauben und intensiv  - am besten mit Freude an der Veränderung - arbeiten.

LEADERSNET: Gibt es Maßnahmen, die man den Untergangsszenarien entgegen setzen kann?

Six: Ich sehe kein Untergangsszenario. Ich sehe Chancen und eine Notwendigkeit zur Veränderung sowie einige neue Möglichkeiten! Man kann in der Medienbranche selbstverständlich ein Unternehmen erfolgreich in die Zukunft führen. Nur das Schlagwort "digital" zu strapazieren, ist aus meiner Sicht zu wenig. Digitalabos sind sehr wichtig, aber sie alleine sind kein Allheilmittel für Verlage.  Ein Verlag muss sich grundlegend transformieren, um in Zukunft erfolgreich zu sein. Zum Beispiel vom reinen Publisher zur Kommunikationsberatungsagentur und Publisher, ständiger Ausbau der Touchpoints im Eco-System nach dem "trial and error" Prinzip, Schaffung neuer Geschäftsfelder bis hin zur Unternehmensberatung. Genaueres möchte ich jetzt nicht verraten. Bei all diesen Aktivitäten darf man natürlich den Kern nicht  vergessen: Top Qualitätsjournalismus auf allen analogen und digitalen Kanälen.

LEADERSNET: Stehen bei Ihnen weiterhin Digitalisierung und Transformation im Fokus?

Six: Ja. Das Kerngeschäft bearbeiten wir aber ebenfalls nach wie vor genauso intensiv und es steht genauso im Fokus wie die Transformation. Wir versuchen parallel beides zu leisten. Systemisch rückläufige Bereiche werden noch effizienter bearbeitet und die Transformation treiben wir mit voller Kraft voraus.

LEADERSNET: Wo wird der Rotstift angesetzt werden?

Six: Kostenbewusstsein  und Prozessoptimierung sind in jeder Branche und in jedem Unternehmen wichtig. Wir fokussieren uns aber ganz stark darauf, wo die Chancen liegen und wo sollen/müssen wir investieren und ausbauen, damit wir erfolgreich bleiben. Stärken stärken ist das Motto.

LEADERSNET: Was raten Sie Werbungtreibenden in Zeiten von Covid-19?

Six: Setzen sie auf Qualitätspartner und starke Medien-Marken, die sie gut beraten. Es zahlt sich aus und ist wirkungsvoll.

LEADERSNET: Wie muss sich der Sales aufstellen?

Six: Multimedial, gut ausgebildet und eher weg vom Hard-Selling hin zur "Erfolgsberatung" auf Top-Niveau. Die Kunden werden umfassend im Bezug auf unsere vielfältigen Markenwelten beraten. Kreativideen mit USP sind dabei zentral. So können unsere Kunden zielgruppengenau über viele Touchpoints multi-analog und multi­ digital, die für sie perfekte  Community  erreichen und das über starke Imagemarken wie zB dem Wirtschaftstitel trend. Für solche Kreativberatungen haben wir uns nun auch Creative Director Andreas Musill direkt zu mir in die Marken trend, News und autorevue geholt. Mit ihm gemeinsam werden wir uns noch besser aufstellen.

LEADERSNET: Werden Sie auch ihr seinerzeitiges Eco-System, mit den unzähligen Touchpoints zu den Lesern und Kunden als Erfolgsrezept im Auge behalten oder schlagen Sie neue Wege ein?

Six: Das ist und bleibt  zentral. Wir sind damit schon sehr erfolgreich  und wollen auch dabei die Nummer 1 am Markt sein. Viele Kunden sagen, das sind wir in gewissen Bereichen auch schon. Das motiviert und spornt an!


LEADERSNET: Wie wird es mit den echten "Opinion Leader"-Titel trend & News aus Ihrem Hause weitergehen?

Six: Noch mehr Qualität, weitere Eco-System Touchpoints und Ausbau der Markenwelten. Wir verstehen uns nicht mehr nur als Magazine sondern als Netzwerke, die man über unsere Markenweiten betreten und erleben kann und so Teil davon wird. Das trifft auch auf mein Magazin autorevue zu. Dies alles auszubauen ist nicht nur sinnvoll sondern macht auch Spaß. Ich mag neue Herausforderungen. Das hält fit! (jw)

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