"Die große Frage ist, was sich wirklich nachhaltig ändern wird"

Oliver Attensam, Geschäftsleiter der Attensam Unternehmensgruppe, im Interview, wie man Kunden mit Reinigungs-, Hygiene- und Sicherheitsdienstleistungen verlässlich zur Seite steht. 

Mit seinen umfangreichen Dienstleistungen – von der Hausbetreuung und der Unterhaltsreinigung, über den Winterdienst und die Grünflächenbetreuung bis hin zur Haustechnik & Wartung sowie Schädlingsbekämpfung – leistet Attensam einen Beitrag dafür, dass das öffentliche Leben, wenn auch in eingeschränkter Form, aktuell weiter funktioniert. Im Interview mit LEADERSNET verrät Oliver Attensam wie das Unternehmen diese Herausforderungen meistert, welche Geschäftsfelder boomen, bei welchen sich Auftragslage sogar fast halbiert hat und denkt über das "Leben danach" nach. 

LEADERSNET: Für viele Unternehmen ist die Corona-Krise eine Katastrophe. Was bedeutet sie für Attensam?

Attensam: Natürlich ist die aktuelle Situation eine große Herausforderung. Glücklicherweise ist unser Unternehmen gut aufgestellt, weil wir mehrere Standbeine haben und unsere Tätigkeitsfelder fast ausschließlich systemrelevant sind. Auch bei uns sind fast 1.000 Kunden abgesprungen. Beispielweise ist die Bürobetreuung derzeit naturgemäß kaum nachgefragt, dafür sind andere Bereiche wie Desinfektion im Steigen begriffen.

LEADERSNET:  Haben die von Ihnen angebotenen Dienstleistungen aber nicht gerade in Zeiten wie diesen ein starkes Nachfragepotenzial?

Attensam: Bei zentralen Dienstleistungen für uns wie Haus- und Grünflächenbetreuung sowie Winterdienst, aber auch Brandschutz oder Aufzugswartung merken wir kaum Veränderungen. Die Bürobetreuung hat sich hingegen reduziert. Dafür haben wir die Sonderreinigung ausgebaut, hier gewinnen vor allem die Vernebelung und Oberflächenreinigung stark an Bedeutung.

LEADERSNET: Sauberkeit und Hygiene sind ja gerade zu Synonymen für eine aktive Krisenbekämpfung geworden. In welchen Bereichen gibt es die stärkste Nachfrage?

Attensam:  Vor einigen Wochen ist vor allem die Nachfrage in der Desinfektion von Büroräumlichkeiten gestiegen. Das hat sich durch die verstärkte Implementierung von Homeoffice-Arbeitsplätzen geändert: Derzeit sind es vor allem die Hausverwaltungen, die eine höhere Frequenz in der Reinigung von Stiegenhäusern wollen – vor allem die Desinfektion von Lichtschalter, Türgriffe, Handläufe und Aufzugstasten ist hier gefragt!

LEADERSNET:  Insgesamt erfüllt ihre Angebotspalette eine wichtige Funktion für das öffentliche Leben. Welche Nachfrage kommt von der Öffentlichen Hand?

Attensam: Von der Öffentlichen Hand haben wir bislang noch keine Extraaufträge erhalten, selbstverständlich werden die bestehenden wie gewohnt weitergeführt. Interessant ist, dass auf der Dienstleistungsplattform der Bundesbeschaffungsgesellschaft bereits Aufträge für Desinfektion ausgeschrieben sind, vielleicht tut sich ja hier noch etwas in nächster Zeit?

LEADERSNET: Ist auch die Vermeidung bzw. Verhinderung von Übertragungsmöglichkeiten, wie etwa die Reinhaltung von Handläufen und Türgriffen in Wohnhausanlagen ein boomendes Geschäftsfeld?

Attensam: Es wäre übertrieben, hier von einem boomenden Geschäft zu sprechen, dennoch konnten wir in diesem Bereich einige neue Aufträge generieren und haben mehr Angebote gelegt. Aber wir haben die berechtigte Hoffnung, dass sich die Nachfrage noch weiter verstärkt.

LEADERSNET:  Spielt die Unterhaltsreinigung eine noch größere Rolle im Nachfragebereich?

Attensam: Leider nein, hier hat sich die Auftragslage sogar fast halbiert. Das hängt damit zusammen, dass viele Menschen nun von zuhause arbeiten und Firmen vorübergehend schließen mussten. Erschwerend kommt dazu, dass selbst noch aktive Betriebe durch die Coronakrise zunehmend mit Schwierigkeiten in den Lieferketten konfrontiert sind, wenn beispielsweise Stahl oder Beton nicht mehr rechtzeitig ankommen – und dann die Produktion drosseln müssen.

LEADERSNET: Hat der Schutz der Kunden und Mitarbeiter in der Unternehmensphilosophie einen besonderen Stellenwert?

Attensam: Der Schutz unserer Kunden und Mitarbeiter hat absolute Priorität: Bereits Anfang März haben wir Schutzmaßnahmen implementiert, die Kunden und Mitarbeitern gleichermaßen helfen – kein Händeschütteln und mindestens einen Meter Abstand halten. Wir waren auch eines der ersten Unternehmen, das seinen Teams schon Mitte März verboten hat, gemeinsam ein Auto zu nutzen. Desinfektion und regelmäßiges Händewaschen ist in unserem Bereich seit jeher wichtig – jetzt natürlich mehr denn je. Für bestimmte Tätigkeiten haben unsere Mitarbeiter natürlich spezielle Schutzanzüge. Zusätzlich haben wir ein besonderes Zuckerl für Hausbewohner in den von uns betreuten Stiegenhäusern ins Leben gerufen: Unsere Teams erledigen seit Anfang April auch wichtige Besorgungen für Risikogruppen, wenn es unsere Kapazitäten zulassen – kostenlos und unbürokratisch.

LEADERSNET: Gibt es spezielle Verhaltensregeln, zu denen Sie in diesen Zeiten unbedingt raten?

Attensam: Man kann es nicht oft genug betonen: Sich mehrmals täglich die Hände zu waschen, ist sicherlich die beste Prophylaxe. Auch der Sicherheitsabstand ist zentral. Ebenso, dass man enge Räume und den direkten Kontakt zu anderen Menschen meidet.

LEADERSNET:  Besteht eine breitere Nachfragestruktur für das Unternehmen in den Gebirgsgauen?

Attensam:  Das kann man nicht sagen, weil gerade die Gebirgsgaue von verschärften Maßnahmen betroffen sind – das öffentliche Leben steht praktisch still. Obwohl wir keine großen Verluste bei den bestehenden Aufträgen verzeichnen, gibt es kaum Neugeschäft, weil derzeit dort alles auf Eis liegt.

LEADERSNET: Kann Attensam auch in diesen Zeiten die Position als einer der "besten Arbeitgeber Österreichs" behaupten?

Attensam: Gerade in der aktuellen Situation ist eine offene Kommunikation wichtig – deshalb schicke ich den Mitarbeitern regelmäßig Videobotschaften, um sie über die aktuelle Lage zu informieren. Wir bemühen uns, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu halten, denn unsere Mitarbeiter sind unser Kapital und unsere Visitenkarte nach außen, in die wir mit zahlreichen Weiterbildungsmaßnahmen viel investieren. Im März haben wir unsere Mitarbeiter noch durchgefüttert, ab April müssen wir leider auch viele in Kurzarbeit schicken, um die Arbeitsplätze zu sichern. Da uns einige Aufträge abhandengekommen sind, werden wir leider nicht drum herumkommen, einige wenige auch abzubauen.

LEADERSNET:  Was hat die Krise im Bewusstsein der Menschen schon jetzt nachhaltig verändert?

Attensam:  Die große Frage ist, was sich wirklich nachhaltig ändern wird. Zu beobachten ist, dass man mit weniger auskommt. Auch dass zuhause arbeiten möglich ist und es hier tolle Kommunikationsmöglichkeiten gibt – man muss nicht unbedingt von Wien nach Innsbruck fahren, wenn auch eine Videokonferenz möglich ist. Deshalb denke ich, vor allem die derzeitigen Änderungen in der Arbeitsweise werden sich nachhaltig einprägen. Wie man Familien- und Arbeitsleben selbst auf kleinstem Raum in Einklang bringen kann, mit all seinen Herausforderung, ist sicherlich ebenfalls ein Learning. Im Großen und Ganzen glaube ich, die Dinge werden sich nach der Coronakrise wieder normalisieren – aber mit dem Bewusstsein im Hinterkopf, dass so ein Shutdown immer wieder möglich sein könnte.

LEADERSNET: Wie stellen Sie sich das Leben "danach" vor?

Attensam: Das Leben wird sich langsam normalisieren, denn die Konjunktur wird vermutlich deutlich schwächer sein – ich gehe davon aus, dass es mindestens zwei Jahre braucht, bis der Motor wieder brummt. Aber in den Köpfen der meisten Menschen wird die Coronakrise dann wahrscheinlich nicht mehr allzu präsent sein, denn negative Dinge vergessen wir gerne schnell. 

www.attensam.at

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