Das Ende einer Ära: "Mad" steht vor dem Aus

Das Kult-Satireblatt mit dem grinsenden Jungen am Titelblatt soll Stück für Stück aus den Kiosken verschwinden.

Es sind fürwahr keine guten Zeiten für Satire. Erst hat die New York Times beschlossen, dass sie auf politische Karikaturen fortan verzichten will, und nun muss das legendäre Mad-Magazin auch w.o. geben: Ein Autor der Publikation hat auf Twitter bestätigt, dass keine Original-Inhalte mehr geschrieben werden, sondern nur mehr alte Texte wiederverwertet werden sollen. In absehbarer Zeit werde das Produkt vermutlich ganz eingestellt. Eine offizielle Bestätigung des Verlags DC Comics steht noch aus. Einige Autoren seien entlassen worden, eine Quelle beschrieb die Situation: "Sie euthanasieren das Magazin still und leise."

Geschichtsträchtiges Kult-Satireblatt vor dem Aus

Mad ist das am längsten erscheinende Satiremagazin der USA, im Sommer 1952 kam die erste Nummer des damals noch "Tales Calculated To Drive You Mad" betitelten Hefts heraus. Vier Jahre später erhielt das Magazin, das sich über alles aus Politik, Gesellschaft, Film und Fernsehen lustig machte, seinen berühmten Coverboy: Alfred E. Neumann, das Grinsgesicht mit den Segelohren. Die Bedeutung von Mad für die Popkultur der 60er bis 80er war immens. Man sieht zum Beispiel in François Truffauts Verfilmung von "Fahrenheit 451" einen Stapel der Witzhefte brennen. Nicht das Feuer macht Mad nun den Garaus, sondern die schlechten Verkaufszahlen.

Der grinsende Junge mit den abstehenden Ohren auf dem Titelbild, der aktuelle Themen parodistisch aufgreift, ist das Aushängeschild; im Inneren gibt es satirischen Humor in Wort und Bild. Mit diesem Konzept wurde das Magazin Mad zum Klassiker; die erste Ausgabe des am längsten erscheinenden Satiremagazins der USA erschien schon 1952. Neumann hat solche Kultstatus erreicht, dass sogar niemand geringerer als Fred Astaire sich anno dazumal für eine Tanzeinlage eine Maske des fiktiven Charakters anfertigen ließ und mit dieser auftrat. (siehe Video unten)

Nun aber gibt es übereinstimmende Berichte, wonach ein Ende des Humorblatts naht. Ein langjähriger Mad-Redakteur hatte zunächst in einer privaten Facebook-Gruppe verraten, dass das Magazin keine neuen Inhalte mehr veröffentlichen werde. Nachdem ein Blogger dies öffentlich machte, bestätigten der langjährige Mad-Autor David DeGrand und seine Kollegin Sarah Aswell die Pläne auf Twitter.

Letzte reguläre Ausgabe im September

Der Verlag, in dem Mad in den USA erscheint, DC Comics, bestätigte der Nachrichtenseite Cnet.com, dass die Ausgabe 9/2019 die letzte sei, die am Kiosk erhältlich sein werde. Danach werde man Mad nur noch per Abonnement und im Direktverkauf erhalten können. Der Inhalt der Hefte werde aus Nachdrucken alter Artikel und Comics bestehen, aber mit jeweils neuen Titelseiten. Auch die Jahresendausgabe und gelegentliche Buchveröffentlichungen solle es weiter geben.

So oder so ist es eine Zäsur in der Humor-Landschaft nicht nur der USA: nicht nur der sommersprossige Titelheld Alfred E. Neumann sondern auch Cartoonisten wie Don Martin, Sergio Aragonés oder Mort Drucker waren auch im deutschen Sprachraum sehr bekannt. Der Chefredakteur der deutschen Ausgabe war von den Siebzigerjahren an bis 1991 Herbert Feuerstein. In Deutschland, wo der Verlag Panini in Besitz der Mad-Lizenz ist, wurde bereits Anfang 2019 die Veröffentlichung regelmäßiger Magazinausgaben eingestellt, wie die Medienseite Clap Club im Februar meldete.

www.madmagazine.com

Music by Frankie Yankovic
Dancing by Fred Astaire, Barrie Chase, Ghoulardi and Alfred E. Neuman

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