Das sind die Schwerpunkte der Wiener Wirtschaft

Etablierung eines Eventboards, Fairness auf den Straßen, Breitband-Ausbau, das sagenumwobene Thema "Kahlenberg-Seilbahn" und das Problem des Verschwindens regionaler Geschäfte. 

Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien, Maria Smodics-Neumann, Obfrau Gewerbe und Handwerk, Abgeordnete zum Nationalrat, Stefan Ehrlich-Adám, Obmann Industrie, Rainer Trefelik, Obmann Handel, Markus Grießler, Obmann Tourismus und Freizeitwirtschaft, Martin Heimhilcher, Obmann Information und Consulting, und Davor Sertic, Obmann Transport und Verkehr, haben Großes auf der Agenda und informierten gemeinsam über die Top-Themen für die Wiener Wirtschaft 2019.

Beharrlichkeit und Beständigkeit hätten sich ausgezahlt, das sei Ansporn und Auftrag zugleich, denn im globalen Wettbewerb müsse sich der Wirtschaftsstandort Wien laufend verbessern, so Ruck. Im Fokus stehe dabei der Ausgleich zwischen heimischen Unternehmen und internationalen Online-Konzernen: „Für alle Marktteilnehmer müssen die gleichen Rechte und Pflichten gelten. Wer in Österreich Geschäfte macht, soll auch in Österreich Steuern abliefern.“

Auch die Steuerpolitik ist ein großes Anliegen. Ruck fordert eine solide Steuerreform auch für Unternehmen. Eine KöSt-Senkung schon ab dem Jahr 2020 statt 2022 würde in Wien einen Wertschöpfungseffekt von 470 Millionen Euro auslösen, wenn der Steuersatz von derzeit 25 Prozent auf 19 Prozent gesenkt wird.

Im Bereich Bildung und Ausbildung wird ebenso Handlungsbedarf geortet: Man müsse mehr junge Menschen für Wirtschaft und Technik begeistern, "vor allem auch Frauen, damit unsere Unternehmen die Arbeitskräfte bekommen, die sie benötigen.“ Konkret sei dies beispielsweise verstärktes Engagement beim Thema Lehre nach der Matura, Betriebspraktika für Lehramtsstudierende oder Berufs- und Bildungswegorientierung als verbindliche Übung, vor allem an den AHS.

Digitalisierung im traditionellen Handwerk

Auch in den einzelnen Branchen tut sich Vieles: Die Schwerpunkte liegen hier ebenfalls klar bei Ausbildung, Standortfaktoren und Fairness. „Die Meister von heute bilden die Lehrlinge von heute zu den Meistern von morgen aus“, betont Maria Smodics-Neumann, Obfrau der Sparte Gewerbe und Handwerk und Abgeordnete zum Nationalrat. Und setzt dementsprechend auch die Schwerpunkte für das Arbeitsjahr 2019: „Wir wollen weiter aufzeigen, dass die Lehre und die Ausbildung zur Fachkraft nicht nur die eigene Zukunft als Angestellter sichert, sondern auch die Basis für die Ausbildung zum Meister und damit zum Unternehmertum ist. Und dass dieser fundierte Ausbildungsweg der Grund für die hohe Qualität der Wiener Gewerbe- und Handwerksbetriebe ist.“ Ebensoviel Gewicht hat auch der zweite Schwerpunkt, den sich die Sparte für 2019 gesetzt hat: Die Digitalisierung im traditionellen Handwerk, die nicht bei der eigenen Homepage enden soll: „Das Internet gibt uns heute unzählige neue Möglichkeiten und Chancen, in der Werbung, in der Kommunikation und auch in der Produktion selbst. Wir werden daher für jede Branche die besten Wege aufzeigen, diese Chancen zu nutzen und die richtigen Anwendungen zu finden.“

"Noch immer weiße Flecken"

Martin Heimhilcher, Obmann der Sparte Information und Consulting richtet sei Augenmerk auf  Infrastruktur und IT-Ausbildung. „Bei der Versorgung mit schnellem Internet gibt es noch immer weiße Flecken in Wien – vor allem in den Randbezirken wo viele Betriebe angesiedelt sind. Das bestätigen auch viele Gespräche mit Unternehmen“, sagt Heimhilcher: „Rascher Ausbau des Breitbandnetzes sowohl über Glasfaser als auch über 5G ist ein Gebot der Stunde.“ Handlungsbedarf sieht Heimhilcher auch bei IT-Fachkräften. Branchenübergreifend fehlen in Österreich 10.000 IT-Fachkräfte, ein Großteil davon in Wien. Davon besonders betroffen sind auch die über 12.000 Wiener IT-Unternehmen. Daher muss die IT-Ausbildung quer durch alle Ebenen forciert werden. Heimhilcher: „Durch die rasante Entwicklung im IT-Sektor steigt auch die Bedeutung der Lehre. Mit den neuen IT-Lehrberufen App-Entwicklung/Coding, Systemtechnik und Betriebstechnik haben wir ein attraktives Angebot geschaffen.“

„Auf Wiens Straßen muss Fairness herrschen“, sagt Davor Sertic, Obmann der Sparte Transport und Verkehr. Aktuell wird gemeinsam mit dem Verkehrsministerium an einer Novellierung des Gelegenheitsverkehrsgesetzes gearbeitet. Uber erbringt und vermittelt zwar Taxileistungen, hält sich aber nicht an grundlegende Rahmenbedingungen – beispielsweise an keine Tarifpflicht. „Hier muss sich schnellstmöglich etwas ändern. Noch im Frühjahr sollen Ergebnisse präsentiert werden.“ Der Transport-Obmann will sich auch weiterhin für zukunftsorientierte Planung und somit für einen modernen Fernbusterminal einsetzen. „Alleine beim bestehenden Fernbusterminal in Erdberg kommen mehr Passagiere an als beim Salzburger Flughafen. Busreisen werden immer beliebter, darum muss jetzt in die notwendige Infrastruktur investiert werden.“

Besteuerung für Globale Internetriesen und Interessen des Handels 

Der Ungleichbehandlung des stationären Handels gegenüber den großen Internetkonzernen müsse ein Ende gesetzt werden, sagt Rainer Trefelik, Obmann der Sparte Handel. „Globale Internetriesen, die in Österreich werben und verkaufen, sollen auch ihre Steuern zahlen. Immerhin stehen zehntausende Jobs auf dem Spiel.“ Bei der Gestaltung des öffentlichen Raums muss auch auf die Interessen des Handels geachtet werden. „Bei verkehrspolitischen Entscheidungen wie etwa beim Radweg beim Naschmarkt müssen auch die Bedürfnisse der Unternehmer berücksichtigt werden“, so Trefelik. Für Chaos sorgen mittlerweile die vielen e-Scooter. „Wir begrüßen innovative Mobilitätskonzepte, aber es braucht hier dringend klare Regeln. Da geht es um die Sicherheit von Passanten, aber auch um den Zugang zu Geschäften." Für ein Umdenken und mehr Miteinander wirbt der Handelsobmann auch im Hinblick auf die permanenten Innenstadt-Sperren im Zusammenhang mit Demonstrationen. „Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Aber hier geht es auch um wirtschaftliche Existenzen und Arbeitsplätze. Und bitte nicht vergessen: Wo regionale Geschäfte verschwinden, verödet die Stadt.“

Die Weiterentwicklung der Eventstadt Wien durch neue Sportstätten und neue Sportevents in Wien hat  für Markus Grießler, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, höchste Priorität. Dazu brauche es aber die Etablierung eines Eventboards, also einer Stelle, die sich um die Lukrierung neuer Events und die Vereinfachung der Anmeldemodalitäten kümmert. Ein harmonisches Miteinander zwischen Bewohnern und Touristen in Wien müsse unbedingt erhalten werden. „Deshalb gilt es jetzt, Konzepte für eine Entzerrung der Touristenströme zu erstellen und neue Attraktionspunkte für Touristen zu etablieren. Die Platzierung der neuen Eventhalle in St. Marx ist definitiv ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt Grießler. Auch der aktuell noch brach liegende, aber aus touristischer Sicht sehr interessante Kahlenberg könnte durch den Bau einer Seilbahn endlich aus dem Dornröschenschlaf erweckt werden.

Industrie setzt auf Verwaltungsvereinfachung und Bildung 

Aufgrund des sinkenden Bildungsniveaus konnten über 600 Lehrstellen im vergangenen Jahr nicht besetzt werden. „Die Verantwortung darf nicht auf die Schüler abgewälzt werden, vielmehr ist hier die Politik gefragt“, so Industrie-Obmann Stefan Ehrlich-Adám. Es müsse sichergestellt werden, dass alle Jugendlichen, die das Schulsystem verlassen, über Mindestkompetenzen im Rechnen, Lesen und Schreiben verfügen, damit die Berufsausbildung darauf aufbauen kann. Für die Industrie steht daher eine Reform der 9. Schulstufe ganz oben auf der Agenda. 

Die Industrie wird sich zudem für Verwaltungsvereinfachungen einsetzen. „Im Verfahrensrecht bringen neue Instrumente wie digitale Plattformen oder neue Genehmigungsformen wie nachträgliche Genehmigungen eine Erleichterung“, so Ehrlich-Adám. (red)

wko.at/wien

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