"Die Besetzung vieler Aufsichtsräte folgt leider dem Muster 'Family, Friends & Fools'"

Board Search-Chef Josef Fritz im Interview über eine Digitalisierungsquote in österreichischen Aufsichtsräten, das "Old Boys Network" in Führungsebenen und das hohe Ansehen des AREX-Awards.

Board Search hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Qualität der heimischen Aufsichtsräte zu steigern. Aus diesem Grund hat das Unternehmen – das als Spezialist gilt, wenn es um die Suche qualifizierter Aufsichtsorgane geht – den AREX (Award für AufsichtsRat EXzellenz) ins Leben gerufen, der "Exzellenz in Gremien" ausgezeichnet.

Der AREX 2018 wird im Rahmen der Aufsichtsrats-Gala am 15. November 2018 im Grand Hotel Wien verliehen. LEADERSNET hat sich jetzt schon mit Josef Fritz, Board Search-Managing Director und Gründer der Veranstaltungsreihe Forum Aufsichtsrat, getroffen und sich mit ihm über die Qualität österreichischer Aufsichtsräte, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf die Kontrollgremien hat und warum sich Aufsichtsräte ins Geschäft "einmischen" sollten.

LEADERSNET: Die Zahl der Frauen in Aufsichtsräten stieg zuletzt deutlich an. Doch nach wie vor erfüllt fast jedes zweite der verpflichteten Unternehmen die Frauenquote nicht. Warum ist das so?

Fritz: Nicht alle Unternehmen müssen unmittelbar reagieren – erst bei Neu- bzw. Nachbesetzungen im Aufsichtsrat gilt die Quotenregelung. Das ist kein kurzfristiger Prozess. Nicht alle Unternehmen müssen aufgrund des hohen Männeranteils in der Belegschaft die Frauenquote erfüllen. Jedenfalls ist die vorgeschobene Behauptung – es gäbe keine qualifizierten Aufsichtsrätinnen – nicht zutreffend. Alleine Board Search verfügt über ein großes Reservoir an – auch international – top geeigneten Damen. Eine jüngst publizierte Studie weist einen Anstieg der Frauenquote bei österreichischen, börsennotierten Unternehmen von unter 19 auf über 22 Prozent aus. Das ist ein positiver Trend, der noch zahlreicher weiterer Schritte bedarf. Es ist insofern bemerkenswert, als die Frauenquote im Topmanagement sinkt. Auffallend sind branchenspezifische Unterschiede. Am höchsten ist der Anteil weiblicher Aufsichtsratsmitglieder derzeit in der Telekommunikationsbranche (33 Prozent), im Finanzsektor (30 Prozent) sowie in der Energiebranche (28 Prozent). Last but not least darf nicht übersehen werden, dass das "Old-Boys-Network" bei einigen noch stark (nach)wirkt.

LEADERSNET: Man hört immer wieder mal, dass sich der Aufsichtsratsvorsitzende zu sehr ins Geschäft "eingemischt" habe. Wie aktiv darf sich ein Aufsichtsrat sich ins Unternehmensgeschehen einbringen?

Fritz: Immer wieder verbitten sich Vorstände börsennotierter Unternehmen "Einmischungen" des Aufsichtsrats: zu unrecht. Aufsichtsräte dürfen sich am Vorstand vorbei informieren. Die Aufsichtsratswelt ist in großem Umbruch – vom Ehrenamt zur professionellen Mandatsausübung. Das "Aufsicht führen" wird immer mehr zur Pflichtvoraussetzung, hingegen kommt dem Ratgeben besondere Bedeutung zu. Dabei bringt sich ein Aufsichtsrat vor allem als unabhängiger Ratgeber, Coach, Sparringspartner, Mediator und Jener mit der externen Sichtweise, ein. Digitalisierung und die Transformation von Geschäftsmodellen führen Aufsichtsrat und Vorstand sehr stark zusammen. Gemeinsam sind insbesondere der Aufsichtsratsvorsitzende und der Vorstand – stärker denn je – mit der Zukunft beschäftigt. Die Gesellschaftsrechtsänderungen der letzten zehn Jahre haben die klassische Entscheidungskompetenz vom Vorstand zum Aufsichtsrat transferiert: Der Vorstand bedarf heute zu allen wesentlichen Unternehmensentscheidungen der Genehmigung des Aufsichtsrats – nicht mehr nur Information darüber. Aufsichtsräte, die ihr Mandat professionell ausüben, bringen sich aktiv ein und informieren sich auch im Unternehmen. Mit dem neuen Auftreten von aktivistischen Aktionären, ist der Aufsichtsratsvorsitzende – vor allem auch im Außenauftritt – neu gefordert. Das ist für Vorstände, wie auch für Aufsichtsräte völlig neu. Bei einigen klassischen "Old-Boy-Vorständen" ist dieser Rollenwandel noch nicht zur Gänze angekommen. Sie sehen den Aufsichtsrat fälschlicher Weise noch in der Rolle des "Abnickers und Durchwinkers".

LEADERSNET: Wie ist es im Zeitalter von Fake News und Social Media um die Medienkompetenz der heimischen Aufsichtsräte bestellt?

Fritz: Aus dem weit verbreiteten, traditionellen Fehler bei der Bestellung von Aufsichtsräten – "Ich suche einen Aufsichtsrat, kennst Du jemand?" – sitzen immer noch nicht alle Richtigen im Aufsichtsrat. Die Besetzung erfolgt auf der Beziehungsebene und nach dem 3-F-Muster "Family, Friends & Fools". In österreichischen Aufsichtsräten dominieren drei Gruppen: Finanzkundige, Betriebswirte und Juristen. Ein professionelles Gremium zeichnet jedoch Know-How-Diversität aus, die ich einmal mit zwölf Kompetenzfeldern beschrieben habe. Vor allem HR-Kompetenz wie auch Medienkompetenz werden vermisst.

LEADERSNET: Die Experten von BearingPoint empfehlen, dass die Verantwortung für Digitalisierung in der Führungsebene verankert werden muss. Gefordert wird deswegen etwa auch eine Digitalisierungsquote in Österreichs Aufsichtsräten. Künftig müsse es einen Digitalisierungsexperte pro Aufsichtsrat geben. Ist diese Forderung Ihrer Meinung nach sinnvoll?

Fritz: Die Forderung ist grundsätzlich richtig und wichtig. Man sieht jedoch schon bei der Frauenquote, wie lange Diskussionen geführt werden und wie langsam eine Quote wirkt. Quoten sind generell kein guter Weg ein Ziel zu erreichen. Sie können nur eine Krücke für eine Zeit sein. Ich bin überzeugt, dass die Digitalisierung auch Digitalisierungsexperten im Aufsichtsrat erfordert und Top-Unternehmen haben bereits Digitalisierungsexperten im Aufsichtsrat. Digitalisierung ist vor allem ein Thema der Unternehmensbestandssicherung, des Zukunft-Bewirkens, der Exzellenz im Kundengeschäft sowie der Innovation. An diesen Themen kommt kein Unternehmen und auch kein Aufsichtsrat vorbei.

LEADERSNET:  Abschließend wollen wir noch wissen was die Gäste bei der Aufsichtsratsgala 2018 erwartet?

Fritz: Fünf exzellente Preisträger! Die Spannung steigt von Tag zu Tag. Mit der AREX-Gala wird weltweit einzigartig "Exzellenz in Gremien" in den fünf Kategorien – "Börsennotierte Unternehmen", "Familienunternehmen", "Stiftungen", "Social-Profit-Organisationen" sowie im "Investigativen Journalismus" – ausgezeichnet. Der Award AREX wird von einer hochkarätigen, unabhängigen Expertenjury nach strengen Kriterien vergeben und genießt hohes Ansehen und Wertschätzung. 350 handverlesene Gäste aus heuer mehr als zehn Nationen machen die AREX-Verleihung zu einem internationalen Event im luxuriösen Grand Hotel im Herzen Wiens. Für Speed-Interviews konnten Top-Persönlichkeiten – wie die Vorstandsvorsitzenden von AT&S, Casinos Austria und Infineon, sowie die renommierte Professorin und Unternehmerin, Sita Mazumder aus der Schweiz, gewonnen werden. Ein Round-Table mit profunder Fachkompetenz führender Unternehmen und Organisationen wie Brainloop, avedos, Chubb oder Binder Grösswang wird Aufsichtsrats-Einblicke und Perspektiven eröffnen. Für die Gala wird ein eigener Film als cineastischer Streifzug durch die Aufsichtsrats-Welt produziert. Die Live-Band Velvet Pulse umrahmt das Fest musikalisch. Das AREX-Buch 2018 mit über 250 Seiten wertvoller, praxisnaher Fachbeiträge anerkannter internationaler Autoren, enthält Wissenswertes und mehrere Glossare. Es wird an diesem Abend druckfrisch vorgestellt und ist zugleich das Gastgeschenk. Unter Aufsichtsratsprofis gilt es bereits als State-of-the-Art-Lektüre und Nachschlagewerk. Last but not least gilt die Einladung als Auszeichnung und bietet exzellente Netzwerkmöglichkeiten.

www.boardsearch.at

AREX

Mit dem AREX wird Professionalität im Aufsichtsrat ausgezeichnet. Der Begriff Aufsichtsrat wird mit einem breiten Verständnis unterlegt: Aufsichtsrat, Beirat, Stiftungsvorstand, Gremien aller Art.

Der gläserne Award AREX steht für Transparenz (Glas) und Spitzenleistung (Form des Awards) und soll die Begriffe AufsichtsRat und EXzellenz abbilden. Der Preis wird im Rahmen einer großen Gala verliehen, die heuer am 15. November 2018 im Grand Hotel Wien, stattfinden wird.

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