"Bei uns gab es schon CSR Inhalte, als es den Begriff dafür noch gar nicht gab"

Ursula Simacek, GF Simacek Facility Management Group, im Interview über Nachhaltigkeit, die Besonderheiten eines Familienunternehmens und warum Diversity Management der bedeutendste Wirtschaftsfaktor ist.

1942 wurde von Kommerzialrat Ladislaus Adalbert Simacek im Alter von 28 Jahren und von Helene Simacek - seiner Frau -  mit einem Unternehmen für Schädlingsbekämpfung der Grundstein zur nun mehr 75-jährigen Unternehmensgeschichte der heutigen SIMACEK Gruppe gelegt. Von Generation zu Generation sind immer mehr Geschäftsfelder dazugekommen - heutzutage präsentiert sich Simacek als Komplett-Anbieter für infrastrukturelle Facility Services. LEADERSNET hat Geschäftsführerin Ursula Simacek zum Interview gebeten.

LEADERSNET: Das Familienunternehmen hat schon 1942 begonnen und ist nun der Multidienstleister im Bereich Facility-Service. Welche Visionen liegen diesem Erfolg zugrunde?

Simacek: Die SIMACEK Dienstleistungsgruppe ist heute Österreichs größtes Familienunternehmen und privater Komplettanbieter für gebäudebezogenes Infrastrukturmanagement sowie infrastrukturelle Facility Services. Wir offerieren alles von der digitalen Gebäudebewirtschaftung bis hin zu Reinigung und Bewachung über Betriebsverpflegung, Wäscheservice, Hygieneprodukte, Schädlingsbekämpfung und Taubenabwehr sowie Personalbereitstellung und Industrieservices. In unseren 10 Geschäftsfeldern bieten wir 75 Spezialisierungen im Bereich Facility Services an. Gegründet wurde Simacek bereits 1942 durch meinen Großvater L.A. Simacek. Mein Großvater war in der Schädlingsbekämpfungsbranche tätig, dies war auch fast 10 Jahre das damalige Kerngeschäft. Meine Großmutter, die eine tolle und starke Persönlichkeit hatte, erkannte bereits 1955 dass das Geschäftsfeld der Reinigung Potenzial hat. Zu dieser Zeit war es ein absolutes Novum, dass Infrastruktur-Dienstleistungen ausgelagert werden. Meine Großeltern wussten schon damals, dass ihre Idee Aussicht auf Erfolg hat. Das ist auch sehr wichtig, denn es bedeutet, dass sie schon damals den Mut hatten weitere Dienstleistungsfelder zu entwickeln. Von Generation zu Generation sind dann immer mehr Geschäftsfelder dazugekommen.

LEADERSNET:  Funktionieren eigentümergeführte Betriebe auf eine ganz spezielle Art und Weise?

Simacek: Auf jeden Fall, die Entscheidungswege sind rasch und das Commitment der Angestellten hoch, vor allem für diejenigen, denen das Unternehmen ein persönliches Anliegen ist und auch Lebensinhalt ist. Eigentümer denken sehr langfristig und hören auch in Krisenzeiten nicht auf zu investieren. Das spüren auch unsere Kunden und Mitarbeiter, mit denen wir eine nachhaltige, langfristige partnerschaftliche Beziehung leben. In diesem Zusammenhang betone ich auch immer wieder das verantwortungsvolles Wirtschaften nachhaltig den Unternehmenserfolg sichert. Wir nehmen für uns in Anspruch, ein Unternehmen mit gesellschaftlicher Verantwortung zu sein.

LEADERSNET:  Sie sind auch bei respACT seit Jahren voll in der Geschäftsführung engagiert. Welchen Zielen widmen Sie sich hier?

Simacek: respACT – austrian business council of sustainable development versammelt seit 20 Jahren national und international erfolgreiche, österreichische Unternehmen, die sich zu verantwortungsvollem Wirtschaften bekennen. Aufgrund dieser Kompetenzen wirkt respACT auch als die offizielle österreichische Vertretung des UN Global Compact. Wir sind davon überzeugt, dass langfristiger wirtschaftlicher Erfolg nur möglich ist, wenn sich Unternehmen ihrer Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Umwelt bewusst sind und dementsprechend handeln. Meine Vision ist, dass die nachhaltige Entwicklung als Grundlage für zukunftsfähiges Wirtschaften von der Politik stärker gefördert wird und so Unternehmen in Ihrer Rolle als verantwortungsvolle Gestalter wahrgenommen werden.
Die Digitalisierung stärkt den Wirtschaftsstandort Österreich, indem unsere Wettbewerbsfähigkeit gesteigert wird. Dabei ist es wichtig, sich an den UN Nachhaltigkeitszielen zu orientieren, um an nationalen Lösungen zu arbeiten und für soziale und ökologische Innovationen zu sorgen.

LEADERSNET:  In welchen Bereichen kann respACT am ehesten Entwicklungen positiv beeinflussen?

Simacek: respACT fördert den Beitrag von Unternehmen zur Umsetzung der SDGs in Österreich durch Vernetzung, Wissensaustausch und Kompetenzentwicklung. Wir unterstützen unsere Mitgliedsunternehmen bei der kontinuierlichen Verbesserung zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele durch einen lebendigen Austausch mit ExpertInnen aus Forschung, Wirtschaft und Politik. Zahlreiche Arbeitsgruppen –Treffen, Workshops, Webinare, Vorträge oder Vernetzungsveranstaltungen stehen zur Auswahl, für Einsteiger ebenso wie für Fortgeschrittene. Wir erarbeiten partnerschaftliche Lösungen um zu zeigen, wie nachhaltige Entwicklung ganzheitlich umgesetzt werden kann. Klimaschutz spielt hier natürlich eine wichtige Rolle, und wird auch heuer ebenso wie unser Jahresthema „Nachhaltigkeit & Digitalisierung“ in verschiedenen Formaten aufgegriffen werden.

Unsere rund 300 Mitgliedsunternehmen sind zum Teil auch internationale Arbeitgeber und beschäftigen Milllionen Menschen. Dies sind Unternehmen, die wichtige Beiträge zur Lösung komplexer globaler Herausforderungen leisten und damit international erfolgreich sind. Diese Unternehmensmentalität gilt es auch österreichweit zu fördern. Diese Arbeitgeber erwarten sich aber auch von der Regierung eine Positionierung, da sich unsere Republik Österreich zu den globalen Nachhaltigkeits - Zielen bekannt hat und die Agenda 2030 unterschrieben hat. Deshalb weisen wir auf die Bedeutung eines gemeinsamen, langfristigen Bekenntnisses der Politik zu Nachhaltiger Entwicklung, im Sinne der UN Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, kurz SDGs) hin. Die strategische Umsetzung von CSR sollte sowohl in der Politik als auch bei Unternehmen im Zuständigkeitsbereich der höchsten Entscheidungsgremien liegen.

LEADERSNET:  Hat CSR in Ihrem großen Unternehmen einen besonderen Stellenwert?

Simacek: Ja definitiv, wir verstehen heute unter CSR das verantwortliche nachhaltige unternehmerische Handeln.  Da geht es um die Generierung von ökonomischen Wert aber auch um die Generierung von ethischen und sozialen Werten. Mit einbezogen sind sowohl ökologisch relevante Aspekte als auch der respektvolle Umgang mit MitarbeiterInnen und KundInnen, sowie der Austausch mit den relevanten Anspruchs- und Interessengruppen. Konkret bedeutet dies, SIMACEK leistet einen freiwilligen Beitrag für die Wirtschaft, der über die gesetzlichen Forderungen hinausgeht. Wir wollen dazu die Entwicklung positiv beeinflussen und Arbeitsplätze nachhaltig sichern. Diversitätsmanagement ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Unternehmenskultur. Die Vielfalt der MitarbeiterInnen ist unsere Stärke. Als SIMACEK Mitarbeiter/In ist jede/jeder Einzelne selbst Bestandteil dieser gelebten Haltung, jede Einzelne und jeder Einzelne ist dafür verantwortlich, auf sich selbst und auf unser Unternehmen stolz sein zu können.

LEADERSNET: Wann haben sie die ersten Aktivitäten gesetzt?

Simacek: Seit 2008 setzen wir Schritte in diese Richtung, am Anfang waren es noch einzelne Aktionen die sich aber sehr rasch in eine strategische Ausrichtung strukturiert haben, seither gehen wir konsequent den Weg des CSR/Nachhaltigkeits integrierten Managementansatzes, wirksame Maßnahmen fließen so in alle Handlungsfelder ein. In den CSR Inhalten sind ja der Arbeitnehmerschutz und die Arbeitssicherheit verankert. Die strukturierte Bearbeitung der Themen bringt die Vielfalt zutage und es führte uns von anfäglichen situativen Lösungen, zu geplanten - vor allem hin zu bedürfnissorientierten Lösungsangeboten für MitarbeiterInnen und Stakeholder. Konkret heißt dies wir haben in unserer strategischen Ausrichtung einen Diversitätsmanagement Prozess aufgesetzt und mit systematischen und systemischen Inhalten gefüllt, somit fließen alle Auswirkungen in unser Kerngeschäft ein.

LEADERSNET:  An welchen Themen und Aktivitäten ist die Stabstelle CSR besonders interessiert?

Simacek: In den CSR-Handlungsfeldern wie Führung und Gestaltung,· MitarbeiterInnen,· Markt,· Umwelt und Gesellschaft. Die Stabstelle verfolgt, wie die diesbezüglich orchestrierten Fachabteilungen auch, einen gesamtheitlichen Ansatz, so konnten wir auch unser nachhaltig orientiertes integriertes Managementsystem 2010 nach der ISO 20 000 ausrichten und sind seit 2013 nach der ÖNORM 192500 zertifiziert. CSR ist eben mehr als eine Haltung alleine, es wirkt in alle Bereiche und ist Teil der Strategie. CSR-Aspekte und somit auch die SDGs, bezogen auf die Bedürfnisse der definierten Stakeholder sind da der Fokus und diese werden laufend in unsere Arbeitsprozesse integriert. Alle Projekte werden auf Basis von definierten Zielen konzipiert und umgesetzt. Der Verlauf wird dokumentiert und gemessen. Die resultierenden Ergebnisse gehen jährlich in den Management Review ein und werden alle drei Jahre in Form eines Nachhaltigkeitsberichtes veröffentlicht. Unter den Gesichtspunkten Bildung, Qualität, Umwelt, Arbeitssicherheit und Gesundheit, und Soziales wird kontinuierlich an der weiterentwicklung gearbeitet, dadurch ist eine kontinuierliche Verbesserung des gesamten Systems sichergestellt.

LEADERSNET:  Ist das Verständnis für Nachhaltigkeit gerade wegen der langen Firmentradition so stark ausgeprägt?

Simacek: Ich erinnere mich, dass es bei uns schon CSR Inhalte gab, da gab es das Wort CSR noch gar nicht dafür. Als Familienunternehmen denkst Du nachhaltig und lebst auch immer mit der Frage, wie übergebe ich den Betrieb der nächsten Generation. Aber es ist ein Unterschied ob situativ verantwortlich gehandelt wird oder ob es geplanterweise innovative Lösungsansätze gibt um die Weiterentwicklung voran zu bringen vor allem auch deshalb weil sich die oberste Führung dazu commitet.

LEADERSNET: Schon vor Jahren setzten Sie mit dem B2B Diversity Day Impulse im österreichischen Unternehmensalltag. Was ist daraus geworden?

Simacek: Ja im Rahmen der Kongresse und der Gala wurden die Themen Inklusion und Integration von Diversität in der österreichischen Wirtschaft mit erfolgreichen Praxisbeispielen nähergebracht. Diese haben nach wie vor Aktualität und Zeitwert -  jedes der zahlreichen Beispiele. Es gelang uns mit unseren über 140 KooperationspartnerInnen bei mehr als 27.000 Betrieben, fast 1.500 TeilnehmerInnen und 9.Millionen Medienrezipienten das Thema mit Relevanz wahrzunehmen, näher zu betrachten und sich damit auseinander zu setzen. Und es sind tolle Kooperation daraus entstanden, da sich viele in diesem Netzwerk auch zu gemeinsamen Projekten entschlossen haben. Auch wir, deshalb sind wir zum Beispiel heute auch auf unseren CoC sehr stolz, der partizipativ buttom up und top down entstand und den es Dank eines solchen B2B Diversity Days Kooperationspartners nämlich ATEMPO auch in einer barrierefreien Fassung gibt, nach dem Leicht Lese Standard.

LEADERSNET:  Ist Diversity-Management ein bedeutsamer Faktor für die Wirtschaft?

Simacek: Wenn nicht zur Zeit der bedeutendste überhaupt, gilt es doch jetzt schon den täglichen Bewerb um die talentiertesten Mitarbeiter zu gewinnen. Ohne ein entsprechendes Diversitäts Management sind sie da chancenlos. Die Frage ist für mich nicht ob es ein bedeutsamer Faktor ist, sondern wer kann es sich leisten die Bedürfnisse der MitarbeiterInnen, die Chancen der Vielfalt und die Entwicklungen des Marktes zu ignorieren? Uns ist auch bewußt dass Gegenwarts-und Zukunftsfähigkeit nur mit der Auseinandersetzung der demografischen Herausforderungen erreicht wird um die es auch bei Diversity Management geht und es muss Lösungen dazu geben. Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet die kontinuierliche Weiterentwicklung der Sozialbilanz und dazu gehören gesunde und motivierte MitarbeiterInnen gerade in einer Dienstleistungsbranche wie der unseren. Wir beschäftigen mehr als 8.000 Menschen aus über 30 Nationen in rund 40 Städten in Zentral und Osteuropa – Diversität ist in unserem Kerngeschäft einer der wichtigsten Faktoren. Die Wertschätzung der Vielfalt unserer Anspruchsgruppen ist unsere Stärke.

LEADERSNET:  Welche Werte und Grundsätze sind für Sie persönlich am wichtigsten?

Simacek: In Familienunternehmen ist der Anspruch langfristig zu planen und nachhaltige Entscheidungen zu treffen vorrangig. Dafür braucht es langfristige Partnerschaften auf gleicher Augenhöhe, ohne Vertrauen wäre dies nicht möglich. Diese Partnerschaften sind geprägt von unternehmerischer Haltung und wertschätzendes Handeln auf beiden Seiten, diese Haltung muss auch beidseitig vorhanden sein. Wir setzen auf den Dialog und auf die Lösungsorientierung. Unsere nationalen und internationalen 5 Unternehmenswerte: Wertschätzung, Verantwortung, Kundenorientierung, Integrität und Toleranz sind auch Teile meiner Wertehaltung und unsere Merkbrücke dazu „Wie Viel Kann Ich Tun“ trifft meine Grundsätze auf den Punkt genau, mit Eigenverantwortung handeln.

simacek.com

 

Ursula Simacek

Parallel zum Studium der Publizistik und Kommunikationswissenschaft absolvierte Ursula Simacek die Prüfung zum internen Auditor und Lieferantenauditor, die Meisterprüfung für das Handwerk der Schädlingsbekämpfer sowie die Meisterprüfung für das Handwerk der Gebäudereiniger. 1998 ist sie schließlich in die Simacek-Gruppe eingetreten, 2005 avancierte sie zur Innungsmeisterin der Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger, 2010 wurde sie Innungsmeister-Stv. der Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger. Im September 2006 übernahm sie die Geschäftsführung der Simacek Facility Management Group GmbH. Im Jahr 2007 folgte die Leitung der Simacek Facility GmbH und Simacek Holding.

Seit 2012 ist Simacek Vorstandsmitglied der Industriellenvereinigung Wien. Desweiteren fungiert sie als Vorstandsmitglied von respACT – austrian business council for sustainable development und Mentorin bei CEOs on Wheels, Frau in der Wirtschaft und dem Mentory Club. Seit 2008 sorgt sie zudem mit der Catering Company SIM & MORE für das kulinarische Wohl ihrer Gäste.

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