Konjunktur
W Österreichs Handel wartet weiter auf den Aufschwung



Die aktuelle Halbjahresanalyse des Linzer Instituts für Handel, Absatz und Marketing zeichnet ein verhaltenes Bild der Branche. Im europäischen Stimmungsvergleich rutscht Österreich sogar auf Platz 21 von 25 untersuchten Ländern ab.

Das Einzelhandelsklima in Österreich hat sich im ersten Halbjahr 2026 zwar weiter stabilisiert, ein nachhaltiger Aufschwung bleibt jedoch aus. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Halbjahresanalyse des Instituts für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) der Johannes Kepler Universität Linz. Die Studienautor:innen sehen derzeit Anzeichen einer Bodenbildung, für eine nachhaltige Trendwende reiche dies jedoch noch nicht aus.

Bodenbildung statt Trendwende

Bereits im ersten Halbjahr 2025 hatte sich die Lage gegenüber den Krisenjahren 2022 bis 2024 etwas entspannt. Seither bewegt sich das Einzelhandelsklima weitgehend seitwärts. Im ersten Halbjahr 2026 liegt der Saldowert aus positiven und negativen Einschätzungen der Handelsmanager:innen bei minus sechs Prozentpunkten und damit weiterhin im negativen Bereich. Der letzte positive Wert wurde im zweiten Halbjahr 2021 verzeichnet. Die aktuellen Ergebnisse sprechen daher eher für eine Bodenbildung als für einen beginnenden Aufschwung.

"Der Iran-Konflikt dürfte den bereits fragilen Erholungsprozess zusätzlich gebremst haben. Dennoch zeigt das Einzelhandelsklima im ersten Halbjahr 2026 eine stabile Seitwärtsentwicklung. Die Einschätzungen der heimischen Einzelhandelsmanager:innen zur aktuellen Wirtschaftssituation ihrer Branche bleiben aber weiterhin negativ. Ein Aufschwung im heimischen Einzelhandel ist derzeit nicht erkennbar", sagt Handelsforscher Ernst Gittenberger.

Österreich verliert im Europa-Ranking

Auch im europäischen Vergleich bleibt die Situation angespannt. Österreich belegt unter den 25 untersuchten EU-Ländern nur Rang 21 und verliert damit gegenüber dem zweiten Halbjahr 2025 zwei Plätze. Während in 16 Ländern das Einzelhandelsklima bereits im positiven Bereich liegt, zählt Österreich weiterhin zu den Schlusslichtern Europas. Besonders gut schneiden Schweden, Tschechien, Slowenien und Italien ab. Schlechtere Werte weisen lediglich Deutschland, Frankreich, Ungarn und Belgien auf. Dass Österreich dennoch auf dem Niveau des EU-Durchschnitts liegt, ist vor allem auf die besonders schwachen Ergebnisse Deutschlands und Frankreichs zurückzuführen.

Kauflaune bleibt gedämpft

Für Institutsvorstand Christoph Teller ist das Einzelhandelsklima ein wichtiger Frühwarnindikator für die wirtschaftliche Entwicklung. Einzelhändler:innen stehen täglich mit Kund:innen im Austausch und erkennen Veränderungen häufig früher, als sie sich in den offiziellen Wirtschaftsdaten widerspiegeln. "Die Zeichen stehen aber (noch) nicht auf Erholung, zu verunsichert sind die Konsument:innen, um Konjunkturimpulse im Einzelhandel auszulösen. Daher können wir auch keine Entwarnung für den heimischen Einzelhandel geben", sagt Teller.

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