Medienmanager spricht Klartext
So sieht Gerhard Zeiler den Medienstandort Österreich

| Larissa Bilovits 
| 01.07.2026

Der Präsident von Warner Bros. Discovery plädierte für mehr Zusammenarbeit in der heimischen Medienlandschaft und warb um Rückhalt für den neuen ORF-Generaldirektor Clemens Pig, der nicht sein Favorit gewesen sei.

Vergangenen Montag, den 29. Juni, feierte Interspot Film sein 57-jähriges Bestehen (LEADERSNET berichtete). Im Rahmen der Jubiläumsfeier hielt Gerhard Zeiler, Präsident von Warner Bros. Discovery, eine Rede, in der er einen weiten Bogen zur Lage der österreichischen Medienbranche und zur Zukunft des ORF spannte.

Plädoyer für Zusammenarbeit in disruptiven Zeiten

Für die heimischen Medien seien es keine leichten Zeiten, so Zeiler, und das gelte sowohl für die Produktionsunternehmen als auch für den ORF, die privaten Fernsehanstalten und die Printmedien. "Wir erleben die größte Disruption unserer Industrie", betonte er. Der Wandel vom analogen, national ausgerichteten Fernsehen hin zu einem globalen, digitalen Angebot setze alle unter Druck, zumal mit der Werbung eine der wesentlichen Finanzierungssäulen kontinuierlich schrumpfe. Die Antwort darauf liege auf der Hand: "Jedes Unternehmen muss sich in vielerlei Hinsicht neu erfinden."

Gerade in Österreich ortet Zeiler zahlreiche Möglichkeiten, wie Printmedien, Privatfernsehen und ORF enger kooperieren und vieles effizienter gestalten könnten. Bei den Sportrechten seien erste Schritte bereits gesetzt worden, Ähnliches wäre etwa bei der viel diskutierten "blauen Seite" oder bei einer gemeinsamen Werbevermarktung denkbar. "Das alles kann man machen, wenn man nur möchte. Wenn man sich nicht nur auf Wehklagen und Schreien konzentriert", so der Medienmanager.

Sollte das nicht ausreichen, brauche es aus seiner Sicht eine "punktgenaue Förderung". Österreich sei ein kleines Land, das an einen zehnmal so großen Nachbarn mit derselben Sprache grenze; vergleichbare Konstellationen wie in Kanada und den USA oder im französischsprachigen Belgien und Frankreich seien selten, und dort setze man auf sogenannte "Schutzzonen". "Wir brauchen vielfältige österreichische Medien", betonte Zeiler. Dafür geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen, sei Aufgabe jener, die politisch Verantwortung trügen.

Rückhalt für den neuen ORF-Generaldirektor

Beim Thema ORF räumte Zeiler ein: "Ich gebe zu, ich bin biased." Er fühle sich dem Unternehmen weiterhin emotional verbunden, auch wenn er vier Fünftel seines Berufslebens im Privatfernsehen verbracht habe. Die Entwicklungen der vergangenen Wochen und Monate betitelte er als "verstörend", und am stärksten treffe das die Mitarbeiter:innen, die diese Situation oft nicht verdient hätten. Auch den Auswahlprozess für den neuen Generaldirektor – den letztlich der langjährige APA-CEO Clemens Pig für sich entscheiden konnte (LEADERSNET berichtete) – bezeichnete Zeiler als "suboptimal" und erklärte: "Ich habe auch nie hinterm Berg gehalten, dass ich andere Kandidat:innen für besser geeignet erachtet hätte."

Auf sein darauffolgendes "Aber" legte Zeiler jedoch großen Wert. "Wir haben jetzt einen Generaldirektor. Und jeder, der glaubt – und dazu gehöre ich –, dass der ORF für die Medienlandschaft in Österreich und für unsere demokratische Gesellschaft wichtig ist, der tut gut, diesen Generaldirektor zu unterstützen. Damit er das tun kann, was er tun muss, um das Vertrauen der Mehrheit der Österreicher:innen zurückzugewinnen." Das Land brauche schließlich ein Unternehmen, das unabhängig sowie lokal und regional berichte, alle Altersgruppen und insbesondere das jüngere Publikum bediene und zugleich effizient wirtschafte. Als jemand, der viel Zeit in den USA verbringe, wisse er den Wert öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten zu schätzen: Europa sei damit um vieles reicher, und der ORF zähle im europäischen Vergleich nach wie vor eindeutig zu den Besseren.

Eindrücke vom Interspot-Jubiläum finden Sie in unseren Galerien hier, hier und hier.

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