Der 1.600 PS starke Mistral "Blanc Éternel" vereint modernste digitale Fahrzeugentwicklung, traditionelle Handwerkskunst und das spezielle Material in einem außergewöhnlichen Roadster.
Mit dem W16 Mistral "Blanc Éternel" schlägt Bugatti das letzte Kapitel seiner legendären W16-Ära auf - der teilelektrifizierte Nachfolger namens Tourbillon scharrt bereits in den Startlöchern (LEADERSNET berichtete). Laut der Luxusmarke verbindet das Einzelstück modernste digitale Fahrzeugentwicklung mit traditioneller Handwerkskunst und entstand in Zusammenarbeit mit der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM). Im Mittelpunkt stehe dabei weniger die reine Leistung als vielmehr die Verbindung von Technologie, Design und Individualisierung.
Der "Blanc Éternel" knüpft an den 2011 vorgestellten Veyron Grand Sport "L'Or Blanc" an, der als erstes Bugatti-Modell Porzellan in sein Design integrierte. Fünfzehn Jahre später greifen die beiden Partner diese Idee erneut auf und interpretieren sie mit einer zeitgemäßen Designsprache.
Das Erscheinungsbild des Roadsters basiert auf den digitalen Konstruktionsdaten des Fahrzeugs. Feine schwarze Linien auf reinweißem Lack machen jene Oberflächen sichtbar, mit denen die Karosserie am Computer modelliert wurde. So entsteht ein markanter Kontrast, der die skulpturale Form des W16 Mistral besonders betont und zugleich den Entstehungsprozess des Fahrzeugs sichtbar macht.
Für Frank Heyl, Design Director bei Bugatti, erfüllt beim "Blanc Éternel" jede Linie und jedes Material einen Zweck. Das Projekt habe eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Bugatti-Designteam und den Expert:innen der KPM erfordert. Mit dem Einzelstück werde die Geschichte des Hauses gewürdigt und zugleich konsequent weiterentwickelt. "Das ist die Schönheit von 'Sur Mesure': etwas Authentisches und Zeitloses zu schaffen, das zu niemand anderem sonst gehören könnte", so Heyl.
So digital das Design entwickelt wurde, so aufwendig war dessen Umsetzung. Jede einzelne Linie wurde Bugatti zufolge von Hand auf die Karosserie übertragen, abgeklebt und lackiert. Erst dadurch entstand das charakteristische Zusammenspiel aus Schwarz und Weiß, das Frontpartie, Seitenlinie, Lufteinlässe und Heckgestaltung besonders hervorhebt.
Auch im Innenraum setzt sich dieses Gestaltungskonzept fort. Die grafischen Linien wurden auf weißes Leder übertragen – laut Bugatti erforderte dies die Entwicklung eines völlig neuen Verfahrens, um die notwendige Präzision und Haltbarkeit zu gewährleisten.
Thomas Wenzel, Creative Director der KPM, bezeichnete die Verbindung aus filigranem Porzellan und der kompromisslosen Kraft eines Hypercars als außergewöhnliche handwerkliche Herausforderung. Die Veredelung des empfindlichen Materials für den Einsatz in einem Fahrzeug dieser Leistungsklasse sei nur mit höchster Präzision möglich gewesen.
Ein zentrales Gestaltungselement des Einzelstücks sind zahlreiche Porzellankomponenten aus der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin. Sie finden sich unter anderem im EB-Emblem, an Tank- und Ölverschluss, in der Motorabdeckung sowie im Cockpit. Dort bestehen unter anderem Lautsprecherabdeckung, Schalthebelverkleidung, Mittelkonsole, Fensterheberschalter und Einlagen der Kniepolster aus echtem Porzellan.
Die Herstellung dieser Bauteile gilt als besonders anspruchsvoll, da Porzellan beim Brennen um rund 17 Prozent schrumpft. Diese Veränderung musste bereits während der Entwicklung exakt berücksichtigt werden, damit sämtliche Komponenten später millimetergenau in das Fahrzeug passen.
Begleitend zum Auto haben Bugatti und KPM zudem eine limitierte Porzellankollektion entwickelt. Sie umfasst den "To-Drive Cup" sowie den "Aviator Cup" in zwei Größen und ist auf 1.000 handgefertigte Exemplare limitiert. Für Jörg Woltmann, Inhaber der KPM, vereine die erneute Zusammenarbeit zwei seiner größten Leidenschaften – Porzellan und Automobile. Beide Marken stünden für meisterhafte Handwerkskunst und technische Exzellenz.
Der W16 Mistral markiert zugleich den Schlusspunkt einer außergewöhnlichen Antriebsära bei Bugatti. Er wurde 2022 im Rahmen der Monterey Car Week vorgestellt und zählt – anders als der Chiron – nicht zu den klassischen Serienmodellen der Marke, sondern zu den sogenannten "Few-Offs", eigenständigen Kleinserien mit individuellem Charakter.
Unter der Karosserie des Roadsters arbeitet die aus dem Chiron Super Sport 300+ bekannte Ausbaustufe des 8,0-Liter-W16-Motors mit vier Turboladern. Das Aggregat leistet 1.600 PS und entwickelt ein maximales Drehmoment von 1.600 Newtonmetern. Bugatti gibt die Höchstgeschwindigkeit mit 420 km/h an.
Insgesamt entstehen lediglich 99 Exemplare des W16 Mistral, die bereits vollständig verkauft sind. Der Netto-Grundpreis lag bei 5,95 Millionen Euro. Das Einzelstück "Blanc Éternel" dürfte noch einige Millionen mehr kosten.
Gebührender Abschied
Mit dem W16 Mistral "Blanc Éternel" verabschiedet Bugatti somit nicht nur eine legendäre Motorengeneration, sondern setzt zugleich ein Zeichen dafür, dass Luxus auch im Hypercar-Segment weit über reine Leistungsdaten hinausgehen kann. Das Einzelstück verbindet Ingenieurskunst, Design und traditionelle Handarbeit zu einem automobilen Kunstwerk, das den Abschluss der W16-Ära auf besonders eindrucksvolle Weise markiert. Ob es vom Tourbillon ebenfalls eine "Porzellan"-Version geben wird, steht derzeit in den Sternen.
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