Beim 48. Tiroler Tourismusforum im Congresspark Igls stand das 30-jährige Bestehen des Tirol Touristica Awards im Mittelpunkt. Vor rund 400 Branchenvertreter:innen wurden jene Projekte und Persönlichkeiten ausgezeichnet, die die touristische Entwicklung des Landes prägen.
Im Rampenlicht
Anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Auszeichnung wurde in diesem Jahr ein spezieller Jubiläumspreis vergeben. Diesen erhielten die Swarovski Kristallwelten, die bereits bei der ersten Verleihung des Tirol Touristica Awards vor drei Jahrzehnten ausgezeichnet worden waren.
Für sein langjähriges Engagement in der Branche erhielt Franz Tschiderer den Tirol Touristica Award für sein Lebenswerk. Seine Arbeit ist eng mit der Region Serfaus-Fiss-Ladis verknüpft, deren Positionierung als weltweite Familiendestination er maßgeblich vorantrieb. Als Vorsitzender des Tyrol Tourism Boards leitete er zudem das oberste Tourismusgremium des Landes und prägte so die landesweite Tourismuspolitik.
Die Vergabe des Nachwuchspreises erfolgte über eine Abstimmung des Publikums vor Ort und im Livestream. Zuvor stellten die beiden Nominierten, AlpBox Tirol und Dark Sky Tirol, ihre Projektideen live auf der Bühne vor. Die meisten Stimmen erhielt Johann Leopold Bahr für sein Konzept "Dark Sky Tirol", das Natur und Astronomie durch geführte Sternenbeobachtungen verbindet. Der Preis ist mit 2.000 Euro dotiert und wird von der Hypo Tirol Bank unterstützt, die auch die Trophäen der Veranstaltung bereitstellt.
Wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus
In seiner Ansprache hob Tirols Landeshauptmann Anton Mattle den Stellenwert der Tourismuswirtschaft für das Bundesland hervor. Er betonte die Rolle der Branche als regionaler Arbeitsplatz- und Wohlstandsgarant, verwies jedoch auch auf die gesellschaftliche Verantwortung gegenüber der einheimischen Bevölkerung.
"Der Tiroler Tourismus ist eines der wesentlichen wirtschaftlichen Zugpferde in Österreich und ein wichtiges Standbein für das Land Tirol. Mit 50 Millionen Nächtigungen und 13 Millionen Gästeankünften sind wir mit Abstand das Tourismusland Nr. 1 in Österreich. Unsere Gastfamilien, Tourismusunternehmer:innen und Mitarbeiter:innen leisten einen wesentlichen Beitrag, dass Tirol das größte Wirtschaftswachstum sowie die geringste Arbeitslosenquote aller Bundesländer aufweist. Wer glaubt, dass Tirol ohne Tourismus erfolgreich ist, der täuscht sich. Der Tiroler Tourismus ist nicht nur ein Jobmotor, sondern auch ein Garant für wirtschaftliche Entwicklung und Wohlstand in den Regionen. Der Tourismus weiß aber auch, dass er gegenüber den Menschen vor Ort eine besondere Verantwortung trägt. Mein Dank gilt allen Gastgeber:innen, Unternehmer:innen und Mitarbeiter:innen, die die Tiroler Gastfreundschaft leben und der Bevölkerung, die unser Land mit Gästen aus der ganzen Welt teilt", so Mattle.
Qualitätssteigerung und differenzierte Entwicklung
Auch Tirols Tourismuslandesrat Mario Gerber wies auf die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung der Branche hin. Er betonte, dass der Erfolg des Tourismus stark vom Einsatz der Betriebe abhänge und zukünftige Strategien individuell auf die einzelnen Regionen abgestimmt werden müssten.
Gerber konstatierte: "Tourismus ist kein Selbstläufer. Die ungebrochene Lust auf Urlaub in Tirol und die damit verbundene Rolle der Branche als stabilisierende Kraft für die heimische Wirtschaft und das Land insgesamt zeugt vom großen Engagement unserer Gastgeber:innen und ihrer Mitarbeiter:innen. Damit der Tourismus diese wichtige Funktion weiterhin erfüllen kann, braucht es einen differenzierten Blick auf die touristische Entwicklung im Land. Schließlich ist die Vielfalt der Tiroler Regionen und der zahlreichen Familienbetriebe ein Erfolgsrezept des heimischen Tourismus und es lässt sich nicht alles über einen Kamm scheren. Während es an manchen Stellen vorrangig um die Qualitätssteigerung des vorhandenen Angebots geht, braucht es an anderen Stellen auch Raum für Neues."
Initiativen für einen Ganzjahrestourismus
Karin Seiler, Geschäftsführerin der Tirol Werbung, stellte im Anschluss zentrale Initiativen vor, die auf eine gleichmäßigere Auslastung über das gesamte Jahr abzielen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem Projekt "Attraktiver Ganzjahrestourismus", das unter anderem neue Beschäftigungsmodelle fördern soll.
Seiler berichtete: "Gleich 17 Tourismusverbände arbeiten aktiv daran mit, um passende Angebote zu entwickeln, die auf die Änderungen beim Reiseverhalten und beim Klima abgestimmt sind. Auch unsere neue Märktestrategie zahlt darauf ein. Die Nahmärkte werden auf absehbare Zeit das Fundament unseres Tourismus bleiben, gleichzeitig verfolgen wir eine Internationalisierung mit Augenmaß, um Gästegruppen vermehrt zu den saisonalen Randzeiten anzusprechen und für eine gleichmäßigere Auslastung zu sorgen. Ganzjahrestourismus schafft auch attraktive Ganzjahresarbeitsplätze."
Innovation und der Faktor Mensch im digitalen Wandel
Einen wissenschaftlichen Impuls zum Thema Veränderungsbereitschaft steuerte der Neurowissenschaftler Henning Beck bei. Er warnte in seiner Keynote vor Stillstand in wirtschaftlich stabilen Phasen und legte dar, dass die Digitalisierung den Wert persönlicher Begegnungen im Servicebereich nicht schmälere, sondern im Gegenteil steigere.
Beck betonte: "Das größte Hemmnis für Innovation ist nicht die Angst vor dem Scheitern – es ist die Bequemlichkeit. Menschen, denen es gut geht und die ihr Geschäftsmodell als funktionierend erleben, haben die wenigste Motivation zur Veränderung. Wenn man den richtigen Moment verpasst, weil man zu bequem war, wird die Krise erzwingen, was man freiwillig hätte tun sollen. Wenn die wirtschaftliche Basis es erlaubt, ein Investment einzugehen, sollte man das in der Regel auch tun. Service ist das entscheidende Unterscheidungsmerkmal. Ein schlechter Service kann das beste Hotel ruinieren, ein guter Service kann ein einfaches Haus massiv aufwerten. Je digitaler die Welt wird, desto wertvoller wird das persönliche Zusammenkommen von Menschen."
LEADERSNET begleitete die Veranstaltung. Einen Eindruck vom Tiroler Tourismusforum können Sie sich mittels Galerie verschaffen.
www.tirolwerbung.at
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