Tiefgreifender Umbruch
Privatkundenbanken müssen Ertragsboom für Umbau nutzen

| Tobias Seifried 
| 06.07.2026

Hohe Zinserträge haben Europas Geldhäuser zuletzt noch einmal kräftig wachsen lassen. Einer aktuellen Studie zufolge könnten dieser Rückenwind und damit die komfortable Ertragslage jedoch schon mittelfristig enden.

Die europäischen Privatkundenbanken haben 2025 erneut ein erfolgreiches Geschäftsjahr verzeichnet. Laut dem aktuellen Retail Banking Monitor 2026 von Strategy&, der globalen Strategieberatung von PwC, stiegen die Einlagen um vier Prozent, das Kreditvolumen und die Gesamterträge legten jeweils um drei Prozent zu. Das Betriebsergebnis erhöhte sich demnach um sechs Prozent, während die Kosten lediglich um ein Prozent wuchsen.

Den Studienautor:innen zufolge profitierten die Institute weiterhin von hohen Zinserträgen. Gleichzeitig warnen sie jedoch davor, dass dieser Rückenwind angesichts sinkender Zinseffekte und geopolitischer Unsicherheiten mittelfristig nachlassen könnte.

Kreditgeschäft und Wettbewerb erhöhen den Druck

Neben den makroökonomischen Risiken sehen die Studienautor:innen zunehmenden Wettbewerbsdruck. Während die Ausfallquote bei Haushaltskrediten mit 2,1 Prozent und bei Hypotheken mit rund 1,3 Prozent derzeit noch vergleichsweise niedrig sei, könnten sich Belastungen durch Kreditausfälle zeitverzögert bemerkbar machen.

Hendrik Bremer, Senior Executive Advisor bei Strategy& Österreich, warnt davor, die guten Ergebnisse der vergangenen Jahre überzubewerten. Der Ertrag österreichischer Retailbanken sei 2025 bereits um zwei Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig würden Neobanken und Challenger-Banken zunehmend Marktanteile gewinnen – und zwar nicht mehr nur bei jungen Kund:innen, sondern über alle Altersgruppen hinweg.

KI wird zum strategischen Wettbewerbsfaktor

Als größte strategische Veränderung bezeichnet Bremer den zunehmenden Einsatz sogenannter Agentic AI. Autonome KI-Agenten, die Finanzentscheidungen im Auftrag von Kund:innen treffen, würden künftig zum Alltag gehören. Gleichzeitig stelle sich für Banken die Frage, ob Kund:innen ihren „Financial Agent“ künftig von einem Kreditinstitut oder von einer Technologieplattform beziehen werden.

Institute sollen Spielraum für Transformation nutzen

Laut Studie verfügen die Privatkundenbanken derzeit über gute Voraussetzungen, ihre Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln. Während die Zinserträge in Österreich 2025 bereits um sechs Prozent zurückgingen, stiegen die Gebühren- und Provisionserträge um sechs Prozent. Europaweit legten die Gebühren- und Provisionserträge im Durchschnitt um fünf Prozent zu und damit stärker als die Zinserträge.

Lisa Schöler, Co-Studienautorin und Director bei Strategy& Deutschland, betont, dass gerade die aktuelle Ertragslage den Banken den nötigen finanziellen Spielraum verschaffe, um ihre Geschäftsmodelle umzubauen. Dazu zählten unter anderem abonnementbasierte Kontomodelle, Mobile Brokerage oder Bancassurance. Gleichzeitig müsse Künstliche Intelligenz aus der Pilotphase in den breiten Einsatz überführt werden, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

www.strategyand.pwc.com

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