Düsteres Bild
Wohnungsknappheit in Wien: Experte warnt vor Londoner Verhältnissen

| Redaktion 
| 24.06.2026

Der frei finanzierte Wohnungsmarkt in Wien steuert auf eine längerfristige Versorgungskrise zu. Das geht aus dem aktuellen Sonderbericht von Immo Analytics hervor. Demnach wird die Zahl der neu fertiggestellten Wohnungen bis mindestens 2028 deutlich unter dem tatsächlichen Bedarf bleiben.

Wien hat ein Versorgungsproblem. Und es wird sich nicht von selbst lösen. Das ist die zentrale Botschaft des aktuellen Sonderberichts von Immo Analytics, der die Entwicklung am frei finanzierten Wohnungsmarkt bis zum Jahr 2028 unter die Lupe nimmt. Das Ergebnis: Eine Versorgungslücke, die sich nicht nur kurzfristig zeigt, sondern sich zu einer mehrjährigen Strukturkrise auswächst.

Nur die Hälfte des Bedarfs gedeckt

Konkret rechnet die Analyse für 2026 mit rund 5.700 fertiggestellten frei finanzierten Wohnungen in Wien. Dem steht ein jährlicher Bedarf von etwa 10.000 bis 11.000 Einheiten gegenüber – getrieben durch Bevölkerungswachstum und den Ersatz bestehender Wohnsubstanz. Damit erreicht die Neubauleistung gerade einmal die Hälfte dessen, was der Markt eigentlich benötigt.

Noch deutlicher wird die Lücke 2027: Hier soll der Bedarf das Fertigstellungsvolumen laut Prognose um das 2,5-Fache übersteigen. Auch für 2028 gibt der Bericht keine Entwarnung – im Gegenteil: Die aktuell niedrige Zahl an Baugenehmigungen lässt schon jetzt erkennen, dass die Neubautätigkeit auch dann unter dem erforderlichen Niveau bleiben wird. Die Wohnungsknappheit dürfte sich damit über die kommenden Jahre hinaus fortsetzen.

Verzögerungen statt Baustopps. Wo sind die Gründe?

Ein zentraler Treiber der Krise sind anhaltende Verzögerungen bei laufenden Projekten. Laut Sonderbericht weisen rund 40 Prozent aller Projekte gegenüber den vor einem Jahr kommunizierten Terminen Verspätungen von mindestens drei Monaten auf. Auffällig dabei: Die Ursache liegt seltener auf der Baustelle selbst. Stattdessen nennt der Bericht schwierige Finanzierungsbedingungen und Probleme bei der Vorverwertung von Projekten als Hauptgründe. Zusätzlich verschärft die niedrige Zahl an Baugenehmigungen die Aussichten für die kommenden Jahre.

Der Blick geht nach London

Während der Eigentumsmarkt bereits unter Druck steht, verschärft sich die Lage am Mietwohnungsmarkt noch zusätzlich. Die Zahl der Mietwohnungsprojekte, die institutionelle Investoren für die langfristige Bestandshaltung planen, ist laut Bericht innerhalb weniger Monate deutlich zurückgegangen – und das in einer Stadt, in der rund drei Viertel der Bevölkerung zur Miete wohnen. Die Konsequenz: Künftig kommt deutlich weniger frei finanzierter Mietwohnraum neu auf den Markt. Erste Auswirkungen sind schon jetzt spürbar – vor allem im unteren Preissegment ziehen die Mieten an.

Gregor Pfeiffer, Geschäftsführer von Immo Analytics: "Die Zahlen zeigen klar, dass Wien auf eine strukturelle Wohnungsknappheit zusteuert. Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei den Mietwohnungen. Wenn das Angebot weiterhin so stark zurückgeht, werden wir uns bei Mieten und Verfügbarkeit zunehmend an internationalen Metropolen orientieren müssen. Die Gefahr von Verhältnissen wie in London ist real."

www.immoanalytics.at

www.immokalkulator.at

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