Vor Kurzem veröffentlichte die UniCredit Bank Austria ihren Einkaufsmanagerindex für April. Dieser lag bei 51,2 Punkten und damit weiterhin über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten, allerdings unter dem Niveau des Vormonats. "Der UniCredit Bank Austria Einkaufsmanagerindex sank im April auf 51,2 Punkte. Trotz der Verunsicherung durch den Nahost-Konflikt überschritt der Indikator nach dem 4-Jahres-Hoch im Vormonat somit erneut die Neutralitätsgrenze von 50 Punkten, ab der Wachstum signalisiert wird", sagte UniCredit Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer und ergänzte: "Die geopolitischen Spannungen belasten die Erholung der österreichischen Industrie bereits spürbar."
Unicredit Bank Austria Einkaufsmanagerindex © S&P Global/Unicredit Bank Austria
Die Auswirkungen des Nahost-Konflikts zeigen sich laut Analyse zunehmend deutlich. Insbesondere Störungen der Energieversorgung infolge der Blockade der Straße von Hormus sowie Schäden an Energieinfrastruktur in der Region erhöhen das Risiko eines Rückfalls der Industrie in eine Rezession, abhängig von der weiteren Entwicklung des Konflikts.
Nachfrage schwächt sich ab
Nach zwei Monaten mit steigender Nachfrage und Produktionsausweitungen wurde der Aufwärtstrend im April unterbrochen. Ein Rückgang beim Neugeschäft führte dazu, dass die Industriebetriebe ihre Produktion reduzierten. "Nach zwei Monaten mit Auftragszuwächsen nahm das Neugeschäft im April wieder leicht ab. Der Index für die Neuaufträge sank auf 49,2 Punkte, belastet durch eine in gleichem Ausmaß verringerte Nachfrage aus dem In- und Ausland", meinte UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl und ergänzte: "Die Verunsicherung durch den Nahost-Krieg führte zu ersten Stornierungen von Aufträgen bzw. Verschiebungen von Bestellungen. Zudem sorgten steigende Preise und Lieferschwierigkeiten für mehr Zurückhaltung der Kund:innen."
Gleichzeitig deutet der Rückgang der Auftragsrückstände darauf hin, dass bestehende Bestellungen verstärkt abgearbeitet wurden, um die Kapazitäten auszulasten.
Lieferketten unter Druck und Lageraufbau
Die geopolitischen Spannungen führten zu zunehmenden Versorgungsängsten. Unternehmen reagierten darauf mit höheren Einkaufsmengen und bauten ihre Lagerbestände an Rohstoffen und Vormaterialien aus. Erstmals seit mehr als drei Jahren nahmen diese Bestände wieder zu. "Der Druck auf die Lieferketten ist seit dem Beginn des Nahost-Konflikts und der Blockade der Straße von Hormus massiv gestiegen. Zusätzliche Bestellungen aus Versorgungsängsten verschärften die Lieferschwierigkeiten weiter. Die durchschnittlichen Lieferzeiten verlängerten sich im April so stark wie zuletzt im Sommer 2022", so Pudschedl.
Auch die Bestände an Fertigwaren stiegen, was sowohl auf vorsorglichen Lageraufbau als auch auf die schwächere Nachfrage zurückzuführen ist.
Unicredit Bank Austria Einkaufsmanagerindex und Teilindizes © S&P Global/Unicredit
Kostenanstieg belastet Erträge
Im April kam es zu einem deutlichen Anstieg der Einkaufspreise, so die Analyse. Der entsprechende Index erreichte mit 77,4 Punkten den höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren. Hauptursachen waren die Verteuerung von Energie, Treibstoffen und Transport infolge der gestörten Lieferketten sowie steigende Preise für Rohstoffe wie Metalle und Düngemittel.
"Der starke Kostenanstieg belastete die Ertragslage der Unternehmen im April erheblich. Der seit längerem rückläufige Margentrend entspannte sich gegenüber dem Vormonat nur unwesentlich. Aufgrund des starken Wettbewerbs bei sinkender Nachfrage konnten die Betriebe die deutlich höheren Kosten weiterhin nur teilweise an ihre Kunden weitergeben", so Pudschedl.
Beschäftigung geht zurück
Die schwächere Produktionsentwicklung und der Rückgang beim Neugeschäft führten zu einem beschleunigten Stellenabbau. Der Beschäftigtenindex fiel im April auf 45,8 Punkte. Die Arbeitslosenquote in der Industrie ist laut Prognose zu Beginn des zweiten Quartals auf 4,4 Prozent gestiegen und könnte im Jahresdurchschnitt 2026 bei 4,5 Prozent liegen.
"Zu Beginn des zweiten Quartals 2026 ist die Arbeitslosenquote in der österreichischen Sachgüterindustrie auf voraussichtlich 4,4 Prozent gestiegen, nach 4,2 Prozent zum Jahreswechsel 2025. In den kommenden Monaten ist infolge der Auswirkungen des Nahost-Konflikts und der Energiekrise mit einem weiteren, leichten Anstieg zu rechnen", sagt Pudschedl und fügt hinzu: "Die Arbeitslosenquote in der Industrie wird damit jedoch weiterhin deutlich niedriger als in der Gesamtwirtschaft ausfallen. Wir erwarten für Österreich insgesamt eine Arbeitslosenquote von 7,4 Prozent."
Erwartungen trüben sich ein
Auch die Erwartungen der Unternehmen haben sich verschlechtert. Der Index der Produktionserwartungen fiel auf 53,7 Punkte und damit auf den niedrigsten Stand seit über einem Jahr. Insgesamt zeigt sich, dass die österreichische Industrie zwar weiterhin wächst, so die Experten, die Dynamik jedoch durch geopolitische Risiken, steigende Kosten und eine schwächere Nachfrage deutlich gebremst wird.
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