Die Greiner AG hat am Dienstag in Wien Bilanz über das Geschäftsjahr 2025 gezogen. Dabei zeigte sich, dass der Konzern in einem von geopolitischen Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheit geprägten Umfeld eine stabile Entwicklung verzeichnen konnte. Der konsolidierte Umsatz lag bei rund 1,94 Milliarden Euro und damit leicht unter dem Vorjahr. Die breite Aufstellung des Unternehmens habe sich dabei als stabilisierender Faktor erwiesen, da Zuwächse in einzelnen Bereichen Rückgänge in anderen weitgehend kompensierten. Wie so viele international aufgestellte Konzerne spürt Greiner die Auswirkungen der vielen Krisen der letzten Jahre. So seien die Logistikkosten in einigen Bereichen um bis zu 400 Prozent in die Höhe geschnellt, und auch bei diversen Rohstoffen verzeichne man Verteuerungen von 30 bis 70 Prozent. Solche Zusatzkosten muss man erst einmal kompensieren können.
CEO Saori Dubourg betonte im Rahmen der Pressekonferenz: "Gerade in einem zunehmend herausfordernden Umfeld zeigt sich die Stärke eines resilienten Portfolios." Die Sicherung der Stabilität sowie die Weiterentwicklung der strategischen Ausrichtung standen im Mittelpunkt, so Dubourg. Langfristig legt Greiner seine Portfoliostrategie auf stolze 30 Jahre aus. Laut der CEO steht dabei nicht nur die Frage "Was verändert sich?", sondern auch jene "Was bleibt bestehen?" im Fokus.
Unterschiedliche Entwicklung der Divisionen
Die Division Greiner Packaging entwickelte sich positiv und steigerte ihren Umsatz auf rund 902 Millionen Euro. Wachstumstreiber waren demnach insbesondere Neukundengewinne und die Ausweitung des Kundensegments, etwa in Nordamerika. Aus aktuellem Anlass wurde auf eine Kooperation im Rahmen des Eurovision Song Contests (ESC), der kommende Woche in Wien über die Bühne geht, verwiesen. Ein Teil des Nachhaltigkeitskonzepts des Großevents sind 100.000 eigens gestaltete Mehrwegbecher, die die Altstoff Recycling Austria AG (ARA) gemeinsam mit Greiner Packaging, OMV und Borouge International an die ESC-Veranstaltungsorte bringt (LEADERSNET berichtete). Das Material dafür stammt vollständig aus österreichischen Kunststoffsammlungen über Gelbe Tonne und Gelben Sack.
Greiner Bio-One erzielte rund 637 Millionen Euro Umsatz, habe sich jedoch mit steigenden regulatorischen Anforderungen und einer schwächeren Marktdynamik konfrontiert gesehen. Insbesondere die Reduktion von Forschungsgeldern in den USA habe das Geschäft gebremst. Laut dem Konzern habe die Division darauf mit Maßnahmen zur Stabilisierung reagiert.
In der Schaumstoffsparte Neveon wurde 2025 ein Umsatz von rund 408 Millionen Euro erzielt. Belastend wirkte vor allem die schwache Nachfrage in der Möbel- und Matratzenindustrie. Die Division habe mit Portfolio- und Standortanpassungen gegengesteuert und gleichzeitig in Forschung und Entwicklung investiert. Hier könnte u.a. der Bereich Flugzeugausstattung für Wachstum sorgen. Greiner verfügt sowohl in Europa, den USA als auch in China über entsprechende Zertifizierungen im Luftfahrtbereich und ist dabei auf Sitzkissen, Sitzbezüge und andere Schaumstofflösungen für Passagierflugzeuge spezialisiert.
Im Zuge der Portfoliostrategie wird Greiner Mediscan ab 2026 als eigenständige Division geführt (LEADERSNET berichtete). Damit sollen zusätzliche Wachstumsperspektiven im Bereich Sterilisation erschlossen werden. In diesem Bereich sieht das Unternehmen großes Wachstumspotenzial.
Investitionen und operative Schärfung
Insgesamt investierte Greiner 2025 rund 106 Millionen Euro. Der Fokus lag den Angaben zufolge auf Produktionsstandorten, Effizienzsteigerungen sowie Zukunftsthemen wie Digitalisierung und Automatisierung.
CFO Hannes Moser erklärt, das Geschäftsjahr sei "von klarer Priorisierung und disziplinierter Steuerung geprägt" gewesen. Eine robuste Kostenbasis schaffe die Grundlage, "auch unter Unsicherheit gezielt investieren zu können".
Parallel dazu wurden Prozesse vereinheitlicht und gruppenweite Standards gestärkt. Mit der Übernahme der COO-Funktion durch Marcus Morawietz sei der Fokus auf operative und kommerzielle Exzellenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette weiter geschärft worden. Man lege den Schwerpunkt "konsequent auf Exzellenz – vom Einkauf über Produktion bis zur Kundeninteraktion", so Morawietz.
Nachhaltigkeit, Werte und Ausblick
Nachhaltigkeit soll ein zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie bleiben. Greiner wurde erneut mit dem Platin-Status im EcoVadis-Rating ausgezeichnet und zählt damit zu den besten ein Prozent der bewerteten Unternehmen weltweit. Zudem wurde der Anteil erneuerbarer Energien erhöht und erstmals ein freiwilliger, CSRD-konformer Geschäftsbericht vorgelegt.
Dubourg agiert nach dem Motto "Values create Future". Für die CEO sind Werte integraler Bestandteil einer funktionierenden Volkswirtschaft.
Für das laufende Jahr sieht sich das Unternehmen auf Basis einer gestärkten Kostenstruktur und klarer strategischer Prioritäten solide aufgestellt. Saori Dubourg betonte abschließend, dass man "aus einer Position der Stabilität" agiere und die nächste Entwicklungsphase "bewusst und fokussiert" gestalten wolle.
www.greiner.com
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