Nach langjähriger Geheimhaltungstaktik (LEADERSNET berichtete) hat Google am Donnerstag den Bau seines ersten Rechenzentrums in Österreich offiziell bekannt gegeben und auch gleich den symbolischen Spatenstich gesetzt - inklusive prominenter Vertreter:innen der Landespolitik. Der Standort im oberösterreichischen Kronstorf soll künftig die wachsende Nachfrage nach digitalen Diensten sowie Anwendungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) bedienen. Die Investition wird nach Fertigstellung rund 100 direkte Arbeitsplätze schaffen und soll indirekt Tausende weitere Beschäftigungsverhältnisse in der Bauwirtschaft und bei lokalen Zulieferern generieren.
Thomas Stelzer, Landeshauptmann von Oberösterreich, wertet die Entscheidung als "starkes Signal für den Wirtschafts- und Innovationsstandort Oberösterreich". Die Ansiedlung belege die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Region. Das Ziel sei es, "die Technologien von morgen nicht nur zu nutzen, sondern hier bei uns zu entwickeln und Wertschöpfung zu sichern", so Stelzer weiter.
Infrastruktur für die digitale Transformation
Das Rechenzentrum wird Teil der europäischen technischen Infrastruktur von Google und unterstützt Dienste wie die Google-Suche, YouTube sowie Google Workspace. Christine Antlanger-Winter, Managing Director Google Österreich & Schweiz, betont die strategische Relevanz: "Dadurch erhalten Unternehmen, öffentliche Einrichtungen und Internet-Nutzer:innen in ganz Österreich einen noch besseren Zugang zu unserer Technologie und können aktiv an der digitalen Transformation teilhaben."
Die Standortwahl sei zudem das Ergebnis einer vorausschauenden Politik, erklärt Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner. Dass bereits frühzeitig geeignete Betriebsflächen gesichert wurden, ermögliche nun die Umsetzung dieser Zukunftsinvestition. Das Projekt stärke Oberösterreich nicht nur als Wirtschaftsstandort, sondern auch als Lebensraum, in dem Innovation konkrete Perspektiven eröffne.
Ökologische Verantwortung und Abwärmenutzung
Google verfolgt laut eigenen Angaben das Ziel, seine Rechenzentren bis 2030 rund um die Uhr mit CO₂-freier Energie zu betreiben. In Kronstorf sieht das Konzept ein begrüntes Dach inklusive Photovoltaikanlage vor (siehe Rendering). Ein zentraler Aspekt der Anlage ist die kostenlose Abgabe der entstehenden Abwärme an geeignete lokale Partner, um die regionale Wärmewende zu unterstützen.
So soll das fertige Google Rechenzentrum in Kronstorf aussehen (Rendering) © Google Austria
Zusätzlich engagiere man sich im lokalen Gewässerschutz, so Google. In Kooperation mit dem Oberösterreichischen Landesfischereiverband wird ein Fonds zur Verbesserung des Ökosystems der Enns eingerichtet. Richard Egger, Vertreter des Landesfischereiverbandes, zeigt sich erfreut, den Lebensraum für Fische in der Enns durch diese Förderung nachhaltig gestalten zu können.
Bildungsinitiativen und regionaler Dialog
Ein wesentlicher Pfeiler der Ansiedlung ist die Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Oberösterreich (FH OÖ). Geplant ist die Entwicklung von Lehrplänen und Zertifizierungen, um die KI-Kompetenzen der Studierenden zu fördern. Michael Rabl, Geschäftsführer der FH OÖ, hielt fest, dass man die Partnerschaft auf die nächste Ebene hebe, um mit Qualifizierungsmaßnahmen neue Maßstäbe im Bildungsbereich zu setzen. Dieses Wissen solle künftig auch an Schulen weitergegeben werden.
Um die Bevölkerung in den Prozess einzubinden, errichtet Google ein Informationszentrum vor Ort. Dort können sich Bürger:innen über die wirtschaftliche Wertschöpfung und die Nachhaltigkeitsmaßnahmen informieren. Laut Christian Kolarik, Bürgermeister von Kronstorf, sei die Zusammenarbeit "auf Augenhöhe und unter einer sorgsamen Berücksichtigung lokaler Erfordernisse" erfolgt. Christoph Lichtenauer, Bürgermeister von Hargelsberg, ergänzte, dass das Projekt beweise, dass wirtschaftlicher Fortschritt und ökologische Verantwortung miteinander vereinbar seien.
Werner Pamminger, Geschäftsführer der Standortagentur Business Upper Austria, die Google im Vorfeld begleitete, bezeichnete eine leistungsfähige digitale Infrastruktur als zentralen Wettbewerbsfaktor, der durch niedrige Latenzzeiten und stabile Verbindungen die regionale Wirtschaft stärke. Google ist bereits seit 2006 mit einem Büro in Österreich vertreten und hat im Rahmen seiner "Zukunftswerkstatt" bereits über 140.000 Personen in digitalen Kompetenzen geschult.
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