Fische im Drogenrausch
Lachse auf Koks schwimmen doppelt so weit

| Larissa Bilovits 
| 21.04.2026

Eine aktuelle Forschung aus Schweden zeigt, dass Rückstände bestimmter illegaler Substanzen in Gewässern das Verhalten von Junglachsen deutlich verändern können. Besonders auffällig war dabei ein Stoff, der nach dem Koksen häufig über Kläranlagen in die Umwelt gelangt.

Wenn Rückstände von Kokain nach dem Konsum über das Abwasser in Flüsse und Seen gelangen, kann das auch Folgen für wildlebende Tiere haben. Wie genau sich solche Substanzen etwa auf junge Lachse auswirken, hat nun ein internationales Forschungsteam im schwedischen Vättersee untersucht. Das Ergebnis: Belastete Fische waren deutlich aktiver und legten teils fast doppelt so große Strecken zurück wie unbelastete Tiere.

Abbauprodukt zeigte den stärksten Effekt

Für das Experiment wurden insgesamt 105 Junglachse mit winzigen Implantaten und akustischen Sendern ausgestattet. Über einen Zeitraum von acht Wochen setzten die Implantate entweder Kokain, dessen Abbauprodukt Benzoylecgonin oder gar keine Substanz frei. Anschließend konnten die Bewegungen der Tiere im See über ein Netz an Empfängern genau nachverfolgt werden.

Dabei zeigte sich, dass nicht Kokain selbst, sondern vor allem dessen Abbauprodukt den stärksten Effekt hatte: Die mit Benzoylecgonin belasteten Lachse schwammen pro Woche fast doppelt so weit wie die Kontrollgruppe. Das ist besonders relevant, weil genau dieser Stoff häufig über Kläranlagen in natürliche Gewässer gelangt.

Mögliche Folgen für ganze Ökosysteme

Für die Forschenden bedeutet das nicht nur eine auffällige Verhaltensänderung einzelner Tiere, sondern einen möglichen Eingriff in natürliche Abläufe ganzer Ökosysteme. Wie weit sich Fische bewegen, beeinflusst schließlich auch ihre Nahrungssuche, ihre Begegnung mit Fressfeinden und damit das ökologische Gleichgewicht im Wasser. Welche langfristigen Folgen daraus entstehen, soll nun in weiteren Untersuchungen geklärt werden.

Besonders bemerkenswert an der Studie ist übrigens, dass sie in freier Wildbahn statt unter Laborbedingungen durchgeführt wurde. Gleichzeitig verweisen die Fachleute darauf, dass derartige Rückstände von Arzneimitteln und Drogen nicht nur in Schweden, sondern bereits weltweit in Gewässern nachgewiesen wurden. Die im Experiment verwendeten Konzentrationen hätten demnach Werten entsprochen, wie sie in stark belasteten Gewässern bereits gemessen wurden. Für Menschen, die Fisch konsumieren, besteht laut den Forschenden dennoch keine Gefahr, da die Mengen dafür zu gering sind. Als wichtige Gegenmaßnahmen nennen die Wissenschaftler aber modernere Kläranlagen und Wirkstoffe, die sich in der Umwelt schneller abbauen.

Die gesamte Studie können Sie hier nachlesen.

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