Fotos & Video "Peter & Paul"
"Der größte Fehler in der Energiedebatte ist, dass wir die Bevölkerung nicht mitnehmen"

In der neuen "Peter & Paul"-Sendung sprechen Gerhard Christiner (Vorstandssprecher, APG) und Markus Marek (Geschäftsführer, Kelly Österreich) u.a. darüber, warum heimische Betriebe mehr denn je auf stabile Energie angewiesen sind, was hohe Kosten und volatile Märkte für den Standort bedeuten und weshalb es für die Energiewende mehr als nur Photovoltaik braucht.

Die neue Folge "Peter & Paul" dreht sich dieses Mal rund um das Thema "Strom-Standortversorgung – Was Unternehmen heute wirklich brauchen". Dazu spricht Paul Leitenmüller (CEO Opinion Leaders Network) mit seinen beiden Gästen Gerhard Christiner (Vorstandssprecher, APG) und Markus Marek (Geschäftsführer, Kelly Österreich). Gedreht wurde die aktuelle Folge in den Räumlichkeiten der Hofburg Vienna.

Stromnetz als Fundament der Versorgung

Gerhard Christiner ist Vorstandssprecher der Austrian Power Grid (APG), die als österreichischer Übertragungsnetzbetreiber mit rund 1.000 Mitarbeitenden das Höchstspannungsnetz betreibt. Zu ihren zentralen Aufgaben gehört es, Stromerzeugung und Stromverbrauch laufend im Gleichgewicht zu halten, das Netz zu steuern und auszubauen sowie damit die Grundlage für die Stromversorgung in Österreich zu sichern.

Laut Christiner hängt eine stabile Stromversorgung nicht nur von der Erzeugung, sondern ganz wesentlich von einer leistungsfähigen Netzinfrastruktur ab. Das Netz sei gewissermaßen der "Blutkreislauf des Energiesystems", denn ohne ausreichend ausgebaute und belastbare Leitungen könne der erzeugte Strom nicht verlässlich bei den Verbraucher:innen ankommen. Vor diesem Hintergrund verweist er darauf, dass der Ausbau erneuerbarer Energien allein nicht ausreiche, wenn die Netze nicht im selben Maß mitwachsen. "Das Netz ist nicht alles, aber alles ist nichts ohne das Netz", bringt er die zentrale Rolle der Infrastruktur auf den Punkt.

Zugleich beschreibt Christiner das Stromsystem als äußerst sensibles Gleichgewicht, in dem Erzeugung und Verbrauch jederzeit zusammenpassen müssen. Strom sei ein "Produkt just in time", das in jeder Sekunde ausgeglichen werden müsse, weil Abweichungen unmittelbar die Netzfrequenz und damit die Stabilität des Gesamtsystems beeinflussen. Als Folge des starken Ausbaus von Photovoltaik und Windkraft, fehlender Speicher und eines zu langsamen Netzausbaus gerate das System zunehmend unter Druck. Christiner sieht deshalb politischen und rechtlichen Handlungsbedarf, zeigt sich aber zuversichtlich, "dass wir ein System schaffen, das wieder die Stabilität und Sicherheit hat, die wir gewohnt sind in Österreich".

Stabile Energie als Faktor für die Industrie

Dem schließt sich auch Markus Marek, Geschäftsführer von Kelly Österreich, zu. Das Unternehmen mit rund 400 Mitarbeitenden produziert und vertreibt salzige Snacks und ist mit Marken wie Kelly's, Soletti, funny-frisch, Chio, ültje und Tyrrells in Österreich tätig. Kelly verfügt über Produktionsstandorte in Wien und dem steirischen Feldbach und ist innerhalb der Intersnack-Gruppe für die Märkte Österreich, Slowenien und die Schweiz zuständig.

Für einen Lebensmittelhersteller sei eine verlässliche Energieversorgung unverzichtbar, wie Marek verdeutlicht. Strom werde bei Kelly etwa für das Zentrallager benötigt, während am Standort Feldbach mit sechs Backstraßen rund 14.000 Tonnen gebackene Produkte für den österreichischen sowie die internationalen Märkte hergestellt würden – ein entsprechend energieintensiver Betrieb. Zugleich beschreibt Marek die Entwicklung seit dem Ukrainekrieg als "sehr volatil", hebt aber hervor: "Wir können stolz sein auf die Stabilität des österreichischen Stromnetzes." Parallel dazu investiere das Unternehmen in Photovoltaikanlagen in Wien und Feldbach, um sich breiter aufzustellen. Dieser Strom könne etwa für Lager, Logistik und Teile des Betriebs genutzt werden, im Produktionsalltag bleibe für Kelly aber vor allem ein anderer Energieträger entscheidend: "Unser Hauptthema ist das Gas, weil alle Backöfen bei uns damit laufen."

Die Investitionen von Kelly und anderen heimischen Betrieben in Photovoltaik begrüßt Christiner ausdrücklich und sieht darin einen wichtigen Schritt, um heimische Energiequellen stärker zu nutzen. "Es ist in jedem Fall ein guter Weg, vorrangig jene Ressourcen, über die wir hierzulande verfügen, zu nutzen." Zugleich macht er aber klar, dass zusätzliche Eigenerzeugung nur dann ihr volles Potenzial entfalten kann, wenn auch Netze und Speicher mitgedacht werden. Durch den starken PV-Ausbau komme es zu Mittag teils bereits zu Stromüberschüssen, während in den Abendstunden Energie fehle. Deshalb brauche es Batterien, Pumpspeicher und leistungsfähige Leitungen, um diese Mengen sinnvoll zu verschieben und in ein gut integriertes österreichisches und europäisches Stromsystem einzubinden. Nur so könnten Unternehmen langfristig stabil und zu wettbewerbsfähigen Preisen mit Energie versorgt werden.

Zwischen Energiewende und Standortpolitik

Abschließend betonen sowohl Christiner als auch Marek unisono, dass die Energiefrage für Unternehmen längst über die reine Versorgung hinausgeht und eng mit der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Österreich verknüpft ist. Marek verweist in diesem Zusammenhang auf den wachsenden wirtschaftlichen Druck, unter dem produzierende Betriebe stehen. "Wenn wir uns die letzten fünf Jahre anschauen, wie die Arbeitskosten und wie die Energiepreise gestiegen sind, dann ist das schon enorm."

Daran anknüpfend richtet Christiner den Blick auf die Voraussetzungen für eine spürbare Entlastung und macht klar, dass diese aus seiner Sicht nur über den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien erreicht werden könne. Gleichzeitig gehe es dabei nicht allein um technische oder wirtschaftliche Fragen, sondern auch um Akzeptanz in der Bevölkerung. "Der größte Fehler in der Energiedebatte ist, dass wir die Bevölkerung nicht mitnehmen und glauben, das Ganze ohne die Menschen machen zu können." Daraus leitet er schließlich auch eine grundsätzliche Perspektive für den Standort ab: "Wir müssen erkennen, dass Windräder, Photovoltaikanlagen und Stromleitungen uns unabhängiger von fossilen Energieträgern machen und damit Wohlstand in Österreich sichern."

Was Gerhard Christiner und Markus Marek zum Thema "Strom-Standortversorgung – Was Unternehmen heute wirklich brauchen" noch sagen, sehen Sie in unserem Video und hören Sie in unserem Podcast. Zwischen den Themenblöcken gibt es im Video wie gewohnt ein Business-Event, dieses Mal von der 70-jährigen Jubiläumsfeier von Kelly.

Alle "Peter & Paul"-Folgen zum Nachschauen finden Sie hier.

Fotos vom Dreh sehen Sie in der Galerie.

www.apg.at

www.kelly.at

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