Fotos von "Business meets Diplomacy"
Leitbetriebe Austria und BMEIA diskutierten über Wege aus der Bürokratie

| Larissa Bilovits 
| 12.04.2026

Im Rahmen der Veranstaltung "Business meets Diplomacy" tauschten sich jüngst Vertreter:innen aus Wirtschaft und Politik darüber aus, wie sich verhindern lässt, dass bürokratische Hürden langfristig zur Standortbremse werden.

Bürokratie ist für viele Unternehmen längst zu einem ständigen Begleiter geworden, der Prozesse oftmals erschwert, Zeit kostet und betriebliche Abläufe komplizierter macht, als sie sein müssten. Vor diesem Hintergrund widmete sich die Veranstaltung "Business meets Diplomacy" vergangene Woche den Fragen, wie bürokratische Strukturen überhaupt entstehen, warum sie einer eigenen Dynamik folgen und wie bestehende Systeme effizienter gestaltet werden könnten. Leitbetriebe Austria lud dazu gemeinsam mit dem Unternehmensservice des Bundesministeriums für europäische und internationale Angelegenheiten (BMEIA) im Rahmen der Initiative ReFocus Austria zum Austausch mit Vertreter:innen aus Wirtschaft, Politik und europäischer Ebene in die Diplomatische Akademie Wien.

Austausch zwischen Wirtschaft und Politik

Neben den konkreten Belastungen für Unternehmen stand bei der Veranstaltung auch die Frage im Raum, welche Rolle wirtschaftsorientierte Diplomatie beim Abbau bürokratischer Hürden spielen kann. Leitbetriebe Austria arbeitet bereits seit dem Start des Unternehmensservice im BMEIA eng mit diesem zusammen. Im Fokus steht dabei, wie Anliegen aus der unternehmerischen Praxis schneller und gezielter in politische Entscheidungsprozesse eingebracht werden können.

Staatssekretär Sepp Schellhorn warb in diesem Zusammenhang für einen frühen und lösungsorientierten Dialog mit der Wirtschaft. "Wir sind auf konkrete Rückmeldungen aus der Praxis angewiesen. Es ist wichtig, dass Unternehmen ihre Themen frühzeitig kommunizieren – idealerweise verbunden mit machbaren Lösungsansätzen. Nur so können wir gezielt Verbesserungen erreichen und den Standort nachhaltig stärken. Denn zu viel Bürokratie entsteht dort, wo Regeln an der Praxis vorbeigehen. Genau deshalb holen wir uns Rückmeldungen direkt aus den Unternehmen – und setzen sie konsequent um. Weniger Bürokratie heißt am Ende mehr Tempo, mehr Investitionen und mehr Wettbewerbsfähigkeit."

"Entbürokratisierung ist ein entscheidender Hebel für unternehmerischen Erfolg und faire Leistungsfähigkeit", ist auch Monica Rintersbacher, Geschäftsführerin von Leitbetriebe Austria, überzeugt, und betonte: "Es braucht Rahmenbedingungen, die klar, verständlich und vor allem im Alltag umsetzbar sind. Gute Regulierung zeigt sich daran, dass sie wirkt und nicht daran, wie komplex sie ist."

Bürokratie entsteht selten an nur einer Stelle

Im Verlauf des Austauschs wurde klar, dass bürokratische Hürden oft nicht auf einzelne Regeln zurückzuführen sind. Vielmehr entstehen sie dort, wo europäische Vorgaben, nationale Ausgestaltung und administrative Umsetzung ineinandergreifen. Als wichtiger Orientierungsrahmen wurde dabei auch das Subsidiaritätsprinzip genannt, also die Frage, welche Aufgaben auf welcher Ebene am sinnvollsten gelöst werden sollen. In der Praxis werde dieser Grundsatz jedoch nicht immer konsequent genug angewendet, was zusätzliche Komplexität nach sich ziehe.

Konsens bestand außerdem darin, dass es an Erkenntnissen zum Bürokratieabbau seit Jahren nicht mangelt. Schwieriger sei vielmehr die konsequente Umsetzung. In der Vergangenheit seien Initiativen häufig an zu komplexen Strukturen, fehlender Priorisierung oder mangelnder Verbindlichkeit gescheitert. Genau daraus gelte es nun zu lernen. "Der Staatssekretär muss unterstützt werden – wir haben jetzt eine historische Chance zur Deregulierung. Wenn es gelingt, hier zielstrebig anzusetzen, ist das enorm wertvoll für ganz Österreich", appellierte Viktor Wagner, Geschäftsführer von REIWAG.

Lösungen brauchen Umsetzung und Praxisnähe

Zur Sprache kam schließlich auch die europäische Ebene. Michael Wimmer, Direktor für Vereinfachung, Implementierung und Durchsetzung des EU-Rechts im Generalsekretariat der Europäischen Kommission, verwies darauf, dass in der Europäischen Union bereits an einer Reihe von Vereinfachungen gearbeitet werde. Allein 2025 seien Vorschläge vorgelegt worden, mit denen sich laufende Verwaltungskosten um geschätzte 15 Milliarden Euro senken ließen. Dazu kämen einmalige Entlastungen von sechs Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte des Arbeitsprogramms für 2026 verfolge ein Vereinfachungsziel. Gleichzeitig liege ein wesentlicher Teil der Verantwortung auch bei der gesetzgeberischen Mitentscheidung und der nationalen Umsetzung. "Entscheidend ist, bestehende Spielräume gezielt zu nutzen und zusätzliche Belastungen – etwa auch in Form von 'Gold Plating' – zu vermeiden."

Christoph Gärner, Fachreferent im Kabinett des Staatssekretärs, verwies wiederum auf die Bedeutung von Regeln, die sich an der Realität der Unternehmen orientieren: "Regulatorik hat zumeist ihren Nutzen. Entscheidend ist, dass sie verständlich und realisierbar bleibt. Die Rahmenbedingungen sind dann gelungen, wenn sie zuverlässig praktikabel sind." Damit Unternehmen konkrete Anliegen samt Lösungsansätzen einbringen können, steht mit dem Beteiligungstool SEDA dafür nun eine offene Plattform zur Verfügung. Diese Rückmeldungen sollen systematisch in Gesetzgebungs- und Reformprozesse einfließen. Dafür wurde ein regelmäßiger Austausch innerhalb der Bundesregierung, zwischen Bund, Ländern und Gemeinden sowie zwischen dem BMEIA und der Europäischen Union etabliert.

LEADERSNET war dabei. Eindrücke finden Sie in unserer Galerie.

www.leitbetriebe.at

www.bmeia.gv.at

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