Comics goes Albertina
Die Albertina Modern präsentiert den US-amerikanischen Künstler Kaws

| Gerhard Krispl / LEADERSNET-ART Herausgeber 
| 01.05.2026

Der ehemalige Graffiti-Sprayer Kaws bringt mit in Wien die Mauern zwischen Hochkultur und Straßenkunst zum Einsturz.

Von der Bushaltestelle in den White Cube

Kaws begann seine Karriere, indem er in New York nächtens Werbeplakate überklebte und Comicgesichtern auf Postern seine Signatur aufdrückte: durchkreuzte Augen, die seitdem sein Markenzeichen sind. Das war Mitte der 1990er-Jahre — eine Ära, in der Shepard Fairey und Banksy Street Art neu definierten. Kaws war mittendrin, doch er dachte von Anfang an in anderen Dimensionen. Aus illegalen Aktionen im öffentlichen Raum wurde rasch eine weltweite Karriere: Skulpturen auf Dächern von Museen, schwebend über Stadtzentren, liegend in Häfen. Und jetzt, erstmals in Europa im großen Maßstab: Wien.

"Als Jugendlicher kam ich über Graffiti, Skateboarding und den Pop Shop zum ersten Mal mit Kunst in Berührung — Keith Harings Kunst ermutigte mich, eine Galerie oder ein Museum zu betreten." — Kaws

Kaws-Albertina
Brigitte Kowanz, Anything goes, 2014, Estate of Brigitte Kowanz, Courtesy Galerie Krinzinger, Wien © Estate Brigitte Kowanz/Bildrecht, Wien 2026, Foto: Peter Hoiß

Companions, Monsters und die Stille dazwischen

Die Ausstellung in der Albertina Modern trägt den Titel Art & Comix — das X kein Zufall, sondern Programm. Es verweist auf die Undergroundcomics der 1970er, jene gegenkulturellen Hefte, die sich bewusst von der Mainstream-Comicästhetik abgrenzen wollten. Genau in dieser Tradition steht Kaws: Seine "Companions" und "Accomplices", wie er seine Figuren nennt, sind keine harmlosen Maskottchen. Sie sitzen allein, halten sich die Hände vors Gesicht, umarmen sich oder stehen verloren im Raum — Bildnisse aus Bronze und Holz, in denen sich Melancholie, Humor und eine stille Würde mischen.

Kuratiert von Angela Stief und Florian Waldvogel, stellt die Schau Kaws in Dialog mit 28 anderen Positionen — von Roy Lichtenstein und Keith Haring über Jean-Michel Basquiat bis zu zeitgenössischen Stimmen wie Katherine Bernhardt, Cosima von Bonin und der Wienerin Isolde Maria Joham. Die Ausstellung macht keine Hierarchien: High Art und Low Art teilen sich denselben Raum, wie sie es in der besten Pop Art immer schon getan haben.

Kaws-Albertina
Kaws, Share, 2021, 177,8 x 84 x 62 cm, Bronze, Farbe, © Kaws, Foto: Courtesy Kaws Studio

Was Comics über uns wissen

Comics sind eine universale Sprache — sie überwinden Generationen, Klassen und Kulturgrenzen. Dieser Gedanke zieht sich als roter Faden durch die gesamte Schau. Öyvind Fahlströms monumentale Installation Meatball Curtain (1969), inspiriert von Robert Crumbs Undergroundcomic, steht neben Brigitte Kowanz' Neon-Sprechblasen, die ohne Inhalt im Raum leuchten — Form als Inhalt, Zeichen als Bedeutung. Magdalena Suarez Frimkess malt Mickey Mouse und Popeye auf klassische Keramikgefäße. Peter Saul, dessen Werk aus der Sammlung von Kaws selbst stammt, schmuggelt politische Bösartigkeit hinter grellem Comicbunt.

Kaws: Art & Comix
Albertina Wien
Bis 27. September 2026
www.albertina.at

 

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Herausgeber von LEADERSNET-ART ist Gerhard Krispl.

 

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