Der Ausbau einer leistungsfähigen Strominfrastruktur gilt als zentrale Voraussetzung für Versorgungssicherheit, Wirtschaftswachstum und das Gelingen der Energiewende. In Oberösterreich wird dafür derzeit eines der größten Netzausbauvorhaben des Landes umgesetzt: Im Rahmen des Partnerprojekts "Sichere Stromversorgung Zentralraum Oberösterreich" investieren Austrian Power Grid (APG), Netz OÖ und Linz Netz gemeinsam rund 800 Millionen Euro in einen neuen 220-kV-Versorgungsring sowie in den Aus- und Umbau von insgesamt neun Umspannwerken.
Investitionen schaffen mehr Kapazität für Industrie und Energiewende
Umspannwerke übernehmen eine zentrale Funktion im Energiesystem, weil sie den Strom aus den überregionalen Netzen in die regionalen Verteilernetze überführen und damit die Versorgung vor Ort absichern. Gerade mit Blick auf den wachsenden Anteil erneuerbarer Energien kommt ihnen eine immer größere Bedeutung zu, wie APG-Vorstandssprecher Gerhard Christiner erklärt: "Umspannwerke ermöglichen es, Strom, insbesondere aus erneuerbaren Energien, künftig direkt, zuverlässig und in deutlich größerem Ausmaß in der Region zu nutzen."
Durch das Projekt wird die Netzkapazität im oberösterreichischen Zentralraum massiv ausgebaut: Die Leistungsfähigkeit soll von derzeit rund 780 MVA auf etwa 3.400 MVA steigen. "Mit dem neuen 220-kV-Versorgungsring und dem Ausbau von neun Umspannwerken wird die Anspeisekapazität des Zentralraums vervierfacht, wodurch die Versorgungssicherheit der Region maßgeblich erhöht wird", so Christiner, der betont, dass das Projekt "Zentralraum Oberösterreich" ein "role model" dafür sei, welche Rolle kapazitätsstarke Netze für einen modernen Wirtschafts- und Industriestandort spielen. "Darüber hinaus schaffen wir die Voraussetzung für die Elektrifizierung von Industrie – allen voran der regionalen Stahlindustrie –, die Integration erneuerbarer Energien, die Verfügbarkeit von preisgünstigem Strom sowie die Ansiedlung zukunftsorientierter Branchen wie Rechenzentren und Speichertechnologien", so der APG-Vorstandssprecher.
Auch finanziell ist das Vorhaben groß dimensioniert: Allein im laufenden Jahr stellen APG und die beteiligten Partner dafür rund 140 Millionen Euro bereit. Darüber hinaus verfolgt die APG österreichweit einen umfassenden Netzausbauplan und will bis 2034 rund neun Milliarden Euro in die Modernisierung und Erweiterung des Stromnetzes investieren. Für 2026 sind davon rund 680 Millionen Euro vorgesehen. "Gemeinsam investieren wir in eine sichere, leistbare und nachhaltige Stromversorgung und setzen gleichzeitig einen starken wirtschaftlichen Impuls für Oberösterreich und Österreich insgesamt", betont Christiner.
Studie sieht starke Effekte für Wirtschaft und Arbeitsmarkt
Neben der Bedeutung für Versorgungssicherheit, Industrie und Energiewende soll das Großprojekt auch deutliche wirtschaftliche Impulse auslösen. Einer aktuellen Economica-Studie zufolge führt die Investition von APG, Netz OÖ und Linz Netz zu einer Bruttowertschöpfung von rund 422 Millionen Euro in Österreich – mit 114 Millionen Euro entfällt mehr als ein Viertel davon auf Oberösterreich. Darüber hinaus werden direkt und indirekt rund 4.400 Jahresarbeitsplätze geschaffen. Auch für die öffentliche Hand ist der Effekt beachtlich: Die Fiskaleffekte werden mit rund 136 Millionen Euro beziffert, wobei ein wesentlicher Anteil auf lohnabhängige Steuern und Abgaben entfällt.
Wie breit sich diese Effekte über Österreich verteilen, erläutert Christian Helmenstein, Mitglied des Vorstandes und Geschäftsführer bei Economica: "Die erzielte Bruttowertschöpfung von 422 Millionen Euro verteilt sich auf alle Bundesländer. Die größten Effekte entfallen auf den Heimmarkt Oberösterreich mit rund 114 Millionen Euro, gefolgt von Wien mit etwa 86 Millionen Euro, Tirol mit rund 74 Millionen Euro und Niederösterreich mit rund 67 Millionen Euro. Insgesamt werden rund 72 Prozent der Projektinvestition – das entspricht 585 Millionen Euro – in inländische Wertschöpfung übersetzt. Diese Ergebnisse belegen die kräftigen regionalen wie auch österreichweiten Wohlstandsimpulse durch Einkommen und Beschäftigung."
Zentrale Bedeutung für Wirtschaftsstandort Oberösterreich
Für Wirtschafts- und Energie-Landesrat Markus Achleitner sei das Projekt ein zentraler Baustein, um Oberösterreich als Wirtschafts- und Industriestandort abzusichern und zugleich die Energiewende voranzutreiben: "Wer Ja zur Energiewende sagt, muss auch Ja zum Ausbau der Energieinfrastruktur sagen." Er betont, dass das gemeinsame Projekt von APG, Netz OÖ und Linz Netz nicht nur die Dekarbonisierung der Stahlproduktion der voestalpine ermögliche, sondern auch der Stromnetz-Abstützung des Zentralraums und des Mühlviertels diene. Weiter verweist Achleitner darauf, dass Oberösterreich zu den investitionsintensivsten Bundesländern Österreichs im Stromnetzausbau zähle: "Insgesamt werden in unserem Bundesland in den nächsten zehn Jahren fast 3,9 Milliarden Euro in den Ausbau des Strom- und Gasnetzes durch APG, Netz OÖ, Linz Netz und Gas Connect Austria GmbH investiert."
Fertigstellung bis 2030 geplant
Abschließend betonen die Verantwortlichen, dass das seit 2024 laufende Bauvorhaben planmäßig voranschreite. Während die ersten beiden Abschnitte bis Ende 2026 fertiggestellt werden sollen, seien die nächsten Etappen für 2027 und 2029 vorgesehen. Die vollständige Umsetzung des Projekts sei bis 2030 geplant.
www.apg.at
Kommentar veröffentlichen