Fotos von der Kurier-Live-Veranstaltung
Medienprofis diskutierten über Struktur, Auftrag und Führung des ORF

| Tobias Seifried 
| 19.03.2026

Bei einer Branchendiskussion im Wiener MuseumsQuartier ging es um die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Im Fokus standen politischer Einfluss, notwendige Reformen und Gebührenfragen.

Unter dem Titel "Ist der ORF noch zu retten?" diskutierte eine prominent besetzte Runde im MuseumsQuartier Wien auf Einladung des Kurier über Reformbedarf und Zukunftsperspektiven des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Anlass war der überraschende Rücktritt von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann (LEADERSNET berichtete).

Entpolitisierung

Henrike Brandstötter, Mediensprecherin der NEOS, sprach von "schlechten Zeiten im Intrigantenstadl" und forderte einen "totalreformierten ORF". Die Politik müsse sich dabei "zuerst selbst herausnehmen". Zudem plädierte sie für einen deutlich verkleinerten und professionalisierten Stiftungsrat.

Kritisch äußerte sich der von den Freiheitlichen entsandte ORF-Stiftungsrat Peter Westenthaler zu den jüngsten Vorgängen rund um die ORF-Führung. Es sei "unfassbar, dass der Beschuldigte nicht einmal gehört wird", was grundlegenden rechtsstaatlichen Prinzipien widerspreche.

Redimensionierung

Einen optimistischen Zugang formulierte kronehit-Chef Philipp König: "Der ORF ist zu retten." Die aktuelle Situation biete eine Chance für notwendige Reformen. Auch Medienmanager Hans Mahr unterstrich die Bedeutung eines funktionierenden öffentlich-rechtlichen Rundfunks und verwies auf internationale Entwicklungen, bei denen Medien zunehmend in private Machtstrukturen geraten würden. Man müsse sich darauf verständigen, "dass wir einen besseren ORF wollen". Gleichzeitig brauche es ein neues Gleichgewicht im Verhältnis zu privaten Medien.

Profil-Chefredakteurin Anna Thalhammer bezeichnete das derzeitige Erscheinungsbild als "fatal" und sprach von einer "machttrunkenen Elite", warnte jedoch davor, den ORF grundsätzlich infrage zu stellen.

Einigkeit herrschte darüber, dass der ORF "redimensioniert" werden müsse, auch bei Strukturen und Gehältern. Zugleich wurde eine Neudefinition des öffentlich-rechtlichen Auftrags sowie des Verhältnisses zu privaten Medien als notwendig erachtet.

Lob für Interims-Chefin

Abschließend wurde auch die künftige Führung thematisiert. Mahr und Thalhammer äußerten sich positiv über die neue Interims-Chefin Ingrid Thurnher (LEADERSNET berichtete), während Brandstötter betonte, die nächste Leitung müsse insbesondere die digitale Transformation vorantreiben.

Mit dabei waren

Partner bei dieser Kurier-Live-Veranstaltung waren die Kleine Zeitung, Die Presse und das Profil. Unter den Gastgeber:innen und Gästen waren unter anderem Martin Gebhart, Richard Grasl, Rainer Nowak, Marlene Auer, Gerhard Jelinek, Christian Rainer, Anna Wallner, Christina Traar oder Andreas Martin.

LEADERSNET war beim Talk. Fotos sehen Sie in unserer Galerie.

www.kurier.at

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