KEYaccount: Herr Braunshofer, das Geschäftsjahr 2025 liegt hinter Ihnen. Wie ist es für die Berglandmilch insgesamt verlaufen und welche Kennzahlen beschreiben das Jahr am treffendsten?
Josef Braunshofer: 2025 war für uns ein stabiles Jahr. Wir haben 1,3 Milliarden Kilogramm Milch verarbeitet und rund 1,3 Milliarden Euro Umsatz erzielt. Insgesamt beschäftigen wir 1.600 Mitarbeiter:innen. Im ersten Halbjahr war die Milchanlieferung etwas unterdurchschnittlich, im zweiten Halbjahr hat sie deutlich angezogen. Das lag vor allem an einer sehr guten Futtersituation, nicht nur in Österreich, sondern europaweit.
KEYaccount: Wo lagen aus Ihrer Sicht 2025 die größten Herausforderungen für die Molkereibranche in Österreich und für Berglandmilch im Speziellen?
Braunshofer: Ein zentrales Thema war das Spannungsfeld zwischen Herstellermarken und Handels-Eigenmarken. Es geht darum, Marken klar zu positionieren und ihren Mehrwert sichtbar zu machen. Gleichzeitig hat uns die Inflationsdebatte stark beschäftigt. Lebensmittel wurden sehr rasch als Preistreiber genannt, obwohl Energie und Dienstleistungen deutlich stärker zur Inflation beigetragen haben. Diese Diskussion hat das Kaufverhalten beeinflusst und insbesondere Marken stärker unter Druck gesetzt.
KEYaccount: Die Inflation ist zuletzt auf rund zwei Prozent gesunken. Inwieweit hat sich dadurch der Kostendruck für Molkereien tatsächlich entspannt und rechnen Sie mit einer nachhaltigen Entschärfung der Preisdiskussion im Lebensmittelhandel?
Braunshofer: Wir gehen davon aus, dass sich die Diskussion wieder versachlicht. Lebensmittel waren immer leistbar. In Österreich geben wir im Durchschnitt rund zehn Prozent unseres Einkommens dafür aus. Entscheidend ist aber das Gefühl der Konsument:innen. Wenn Unsicherheit herrscht, verändert das das Einkaufsverhalten. Davon profitieren tendenziell Preiseinstiegsprodukte und Eigenmarken stärker als klassische Herstellermarken.
KEYaccount: Konsument:innen wünschen sich höchste Qualität zu möglichst niedrigen Preisen. Wie lässt sich dieser Zielkonflikt zwischen Qualitätsanspruch, Regionalität und Preissensibilität in der Praxis lösen?
Braunshofer: Indem wir klar kommunizieren, wofür wir stehen. Heimische Milch, europäische Futtermittel, kein Glyphosat, hohe Tierwohlstandards. Unsere Kälber trinken Milch, wir verzichten auf Palmfett. All diese Qualitätskriterien haben ihren Wert. Wenn man Lebensmittel ausschließlich über den Preis definiert, blendet man Herkunft, Produktionsweise und Qualität aus. Das kann nicht unser Anspruch sein.
KEYaccount: Sie sind nicht nur Geschäftsführer der Berglandmilch, sondern auch Präsident des Markenartikelverbandes. Wie hat sich aus Ihrer breiteren Perspektive das Kräfteverhältnis zwischen Industrie, Markenherstellern und Handel in den vergangenen Jahren verändert?
Braunshofer: Es ist fordernder geworden. Wir müssen unsere Positionen klar artikulieren, um auch künftig starke Herstellermarken anbieten zu können. Eine Handelslandschaft ohne klassische Marken wäre deutlich ärmer. Marken sichern Innovation, Investitionen und Differenzierung.
KEYaccount: Berglandmilch ist als Genossenschaft organisiert, Ihre Milchbäuerinnen und Milchbauern sind zugleich Eigentümer. Wie ist aktuell die Stimmung in der Landwirtschaft und wie gelingt es, die Betriebe langfristig in der Milchproduktion zu halten?
Braunshofer: Die Milchbäuerinnen und Milchbauern stehen unter hohem Druck. Es ist ein fordernder Beruf mit viel Verantwortung und oft langen Arbeitszeiten. Wenn Milchpreise zurückgehen, trifft das die Betriebe unmittelbar. Als Genossenschaft haben wir eine besondere Verantwortung, weil unsere Lieferanten gleichzeitig unsere Eigentümer sind. Entscheidend ist vor allem der Generationenwechsel. Wenn ein Betrieb an die nächste Generation übergibt, stellt sich die Frage, ob sie weitermacht. Dafür braucht es wirtschaftliche Perspektiven und gesellschaftliche Wertschätzung. Wir müssen den Bäuerinnen und Bauern ein vernünftiges Auskommen ermöglichen.
KEYaccount: Die Molkereibranche war zuletzt stark in Bewegung. NÖM hat Vorarlberg Milch übernommen, SalzburgMilch und Pinzgauer Milch fusionieren. Ist die Konsolidierung damit im Wesentlichen abgeschlossen oder erwarten Sie weitere strukturelle Veränderungen?
Braunshofer: Das lässt sich schwer prognostizieren. Wir konzentrieren uns auf unsere eigene Weiterentwicklung. Unser Anspruch ist es, wettbewerbsfähige oder bessere Bauern-Milchpreise als der Mitbewerb zu zahlen. Daran messen uns unsere Eigentümer.
KEYaccount: Die Berglandmilch ist das größte heimische Molkereiunternehmen. Wo sehen Sie weiteres Wachstumspotenzial und spielt auch externes Wachstum durch Beteiligungen oder Zukäufe eine Rolle?
Braunshofer: Wachstum bedeutet für uns in erster Linie Weiterentwicklung. Wir haben früh auf Glas gesetzt und füllen dezentral ab, sodass unsere Glasflasche nie mehr als 250 Kilometer zurücklegt. Große Standorte wurden auf Biomasse umgestellt. Zudem investieren wir stark in Käse, insbesondere in Scheiben und Reibkäse. Convenience bleibt ein stark wachsendes Segment. Konkrete Zukäufe stehen derzeit nicht im Fokus.
KEYaccount: Welche Konsum- und Produkttrends werden sich in den kommenden Jahren bei Molkereiprodukten besonders stark niederschlagen?
Braunshofer: Es ist dies der Anspruch auf Natürlichkeit und Premium. Österreich verfügt hier über hohe Glaubwürdigkeit. Gleichzeitig bleibt das Thema Protein relevant. Auch Butter hat jetzt wieder eine deutlich positivere Wahrnehmung als noch vor 15 Jahren.
KEYaccount: Mit Blick auf das laufende Jahr: Welche Entwicklungen erwarten Sie 2026 sowohl auf der Rohstoffseite als auch im Absatz?
Braunshofer: Wir erwarten mehr Rohmilch von unseren Landwirt:innen, weil die Futtersituation sehr gut war. Das heißt für uns, die zusätzlichen Mengen sinnvoll zu lenken. Die Nachfrage ist gut, auch international. Bei Butter und Schnittkäse sieht man, dass bei etwas nachgebenden Preisen die Nachfrage sofort anspringt.
KEYaccount: Sie sind auch am deutschen Markt präsent. Wie gelingt es einem österreichischen Anbieter, sich in einem preislich sehr wettbewerbsintensiven Umfeld zu behaupten?
Braunshofer: Deutschland ist unser wichtigster Exportmarkt. Produkte wie beispielsweise Bergkäse passen ideal zur österreichischen Herkunft. Mit Qualität können wir uns gut behaupten. Die Exportquote liegt bei rund 50 Prozent und wird 2026 leicht steigen.
KEYaccount: Was braucht der Standort Österreich, damit sowohl die heimische Milchwirtschaft als auch die Markenartikelindustrie langfristig wettbewerbsfähig bleiben?
Braunshofer: Wir haben höhere Lohnstückkosten als viele Mitbewerber in anderen europäischen Ländern und zudem eine anspruchsvolle Topografie, die uns besonders bei unseren Rohmilchsammelkosten entsprechend fordert. Deshalb brauchen wir als Kostenentlastung weniger Bürokratie und mehr Augenmaß bei neuen Regulierungen. Wir dürfen uns nicht zu Tode bürokratisieren.
KEYaccount: Abschließend gefragt: Blicken Sie trotz aller Herausforderungen insgesamt optimistisch in die Zukunft?
Braunshofer: Optimismus ist wichtig. Wir haben mit Milch einen perfekten Rohstoff, erzeugen daraus hochwertige und gleichzeitig wohlschmeckende Produkte. Wir freuen uns über engagierte Milchbäuerinnen und Milchbauern und eine starke Position am Markt. Entscheidend ist, dass es uns gelingt, den Wert von Lebensmitteln wieder stärker in den Mittelpunkt zu stellen und das tägliche Leben nicht schlechter zu reden, als es ist. Wir brauchen Zuversicht statt Dauerkrise.
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