Geopolitischer Konflikt als Preistreiber
Handel warnt vor neuen Verwerfungen durch Iran-Krieg

| Redaktion 
| 02.03.2026

Steigende Energiepreise, teurere Fracht und neue Inflationsrisiken setzen die fragile Konjunkturerholung unter Druck. Der Handelsverband sieht angesichts des Nahost-Konflikts akuten Handlungsbedarf bei Energiepolitik und Lieferketten.

Nach mehreren wirtschaftlich schwierigen Jahren zeigte sich zuletzt eine vorsichtige Stabilisierung der heimischen Konjunktur. Die Konsumnachfrage zog leicht an. Doch der Krieg im Nahen Osten dürfte nun für neue Unsicherheit sorgen, analysiert der Handelsverband.

Auswirkungen auf die Weltwirtschaft

Der Krieg im Nahen Osten hat unmittelbare Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Allleine am vergangenen Freitag sind die internationalen Rohölpreise um rund zehn Prozent gestiegen. Alleine über die Straße von Hormus, eine 55 Kilometer breite Meerenge, die den Persischen Golf im Westen mit dem Golf von Oman, dem Arabischen Meer und dem Indischen Ozean im Osten verbindet, wird etwa ein Fünftel des globalen Ölhandels abgewickelt. Jede ernsthafte Störung dieser Route treibt die Preise nach oben. Für Österreich kommt hinzu, dass bei einer Blockade auch kein Flüssiggas aus Katar mehr geliefert werden könnte, ein wichtiger Versorgungskanal nach dem Wegfall russischer Gaslieferungen.

"Wir sehen derzeit eine beachtenswerte Kombination aus steigenden Energiepreisen, höheren Risikoaufschlägen im Transport und wachsender geopolitischer Unsicherheit. Abhängig von der Dauer des Konflikts kann dies die fragile wirtschaftliche Erholung rasch wieder abbremsen", erklärt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands.

Vier Wirkungsstränge treffen Handel

Vier Wirkungsstränge treffen den Handel gleichzeitig: Erstens verteuern steigende Rohölpreise Treibstoffe und erhöhen den Druck auf Gas- und Strommärkte. Energie ist nicht nur direkter Kostenfaktor für Handelsbetriebe, sie steckt auch in Vorleistungen, Verpackungen und industriellen Komponenten. Zweitens steigen Transport- und Logistikkosten durch höhere Versicherungsprämien, Umwege im Frachtverkehr und Ausfälle zentraler Luftfahrts-Knotenpunkte wie Dubai oder Abu Dhabi. Drittens droht neuer Inflationsdruck. Analyst:innen rechnen im Fall eines anhaltenden Ölpreisschocks mit einem globalen Inflationsanstieg von 0,6 bis 0,7 Prozentpunkten. Viertens bremsen geopolitische Unsicherheiten die Investitionen und den Konsum.

"Brauchen Szenarien für Energiealternativen"

"Wenn erneut Verwerfungen auftreten, droht eine neue Welle an Preisdruck nicht aus spekulativen Gründen, sondern aufgrund real steigender Inputkosten", betont Will. Der Handelsverband fordert daher eine konsequente Diversifikation der Energiequellen, die Abschaffung des Merit-Order-Prinzips sowie eine strategische Stärkung der Lieferketten-Resilienz. "Wir brauchen jetzt Szenarien für Energiealternativen, robuste Lieferketten und die Absicherung der Kaufkraft. Vorsorge schafft Vertrauen und Vertrauen ist die wichtigste Währung in unsicheren Zeiten", so der Geschäftsführer des Handelsverbands abschließend.

www.handelsverband.at

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV