Standortentwicklung
Handelsflächen schrumpfen um drei Prozent, Top-Lagen bleiben stabil

| Redaktion 
| 19.02.2026

Die Verkaufsflächen im österreichischen Handel sind im Vorjahr erneut gesunken. Während Nebenlagen zunehmend unter Druck geraten, behaupten sich Top-Geschäftsstraßen und Shoppingcenter weitgehend stabil.

Laut Handelsflächen-Report 2026 von RegioPlan Consulting in Kooperation mit dem Handelsverband fiel der Flächenrückgang 2025 mit drei Prozent etwas moderater aus als im Jahr 2024 mit minus 3,3 Prozent. Dennoch setzt sich der langfristige Trend fort. Seit 2014 schrumpft die Verkaufsfläche jährlich um 1,5 bis 2,5 Prozent. Im Schnitt gingen in den vergangenen zehn Jahren rund 280.000 Quadratmeter pro Jahr verloren, das entspricht etwa einer Mariahilfer Straße jährlich.

Die Verkaufsfläche pro Einwohner sank von 1,75 Quadratmetern im Jahr 2014 auf aktuell 1,5 Quadratmeter. Neben Standortschließungen trug auch das Bevölkerungswachstum zu diesem Rückgang bei. "Was wir derzeit sehen, ist kein Rückzug des Handels, sondern ein Effizienz- und Qualitätsupgrade", erklärt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will. Konzepte würden geschärft, Flächen dort reduziert, wo sie wirtschaftlich nicht mehr tragfähig seien.

E-Commerce, Kostendruck und Konsumwandel

Laut RegioPlan-Geschäftsführerin Romina Jenei ist der Flächenrückgang Ausdruck eines tiefgreifenden Konsumwandels. Der E-Commerce wachse wieder stärker, zugleich fließe ein größerer Teil der Ausgaben in Gastronomie, Freizeit und Dienstleistungen. Der Handel reagiert mit Netzoptimierungen und Investitionen in moderne Formate. Gut funktionierende Standorte werden ausgebaut, schwächere Lagen aufgegeben. Mittlerweile zeigt sich selbst im Lebensmittelhandel ein leichter Flächenrückgang. Positiv entwickelt sich hingegen der Drogeriebereich.

Mittlere und kleinere Geschäftszonen sind besonders betroffen. Dort schrumpfte die Verkaufsfläche binnen eines Jahres um 4,1 Prozent, die Leerstandsquote stieg auf 14,7 Prozent. In den 25 Top-Geschäftsstraßen lag der Flächenrückgang hingegen bei lediglich 0,4 Prozent, die Leerstandsquote bei moderaten 5,6 Prozent. Shoppingcenter verzeichneten sogar ein leichtes Flächenplus von 0,2 Prozent, bei einer Leerstandsquote von 4,6 Prozent.

Überversorgung und Umnutzung nehmen zu

In mehreren Städten besteht weiterhin eine Überversorgung mit Verkaufsfläche. Wiener Neustadt weist mit 6,5 Quadratmetern Verkaufsfläche pro Einwohner den höchsten Wert auf, gefolgt von Steyr, Wels, St. Pölten und Klagenfurt mit rund 5,5 Quadratmetern. Die Folge sind vermehrte Umnutzungen. Einkaufszentren integrieren Ärzte- und Gesundheitszentren, Innenstädte verzeichnen einen steigenden Anteil an Systemgastronomie. "Gastronomie und Dienstleistung können die frei werdenden Retailflächen kaum substituieren", warnt Jenei. In vielen Fällen seien strukturelle Anpassungen oder eine Verkleinerung von Handelszonen notwendig.

www.handelsverband.at

www.regioplan.eu

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