Zukunft.Frauen-Stimmungsbild
Nur drei Prozent der Aufsichtsratsgremien beschäftigen sich mit Diversität

Die aktuelle ZFAC-Umfrage unter 400 führenden Unternehmerinnen und Führungskräften zeigt, dass Geschlechtervielfalt und Gleichberechtigung für Aufsichtsräte immer noch als Randthemen gelten. Gleichzeitig ist der Frauenanteil in Aufsichtsratsgremien und Vorständen nach wie vor gering.

Einmal pro Quartal erhebt der Zukunft.Frauen Alumnae Club (ZFAC) im Rahmen einer Umfrage unter seinen mehr als 400 Mitgliedern – darunter zahlreiche hochkarätige Führungskräfte und Unternehmerinnen Österreichs – ein Stimmungsbild. Dabei zeigen die Ergebnisse aus dem vierten Quartal 2025, dass die heimische Wirtschaft von einer Gleichstellung der Geschlechter nach wie vor weit entfernt ist. So sind in 46 Prozent der befragten Unternehmen nach wie vor keine Frauen auf Vorstandsebene vertreten. Besonders gering ist die Frauenquote laut Umfrage in den Vorständen von Banken und Versicherungen sowie im Bereich Industrie und Produktion.

Frauen in Aufsichtsräten stark unterrepräsentiert

Ein besonders tragisches Bild zeichnet sich zudem in Hinblick auf die Aufsichtsräte: Diese sind in den befragten Unternehmen zu 19 Prozent rein männlich besetzt. In der ersten sowie der zweiten Führungsebene zeigt sich ein zumindest etwas ausgeglicheneres Geschlechterbild, so sind immerhin in 52 Prozent der Unternehmen mehr als 25 Prozent der Geschäftsführer:innen weiblich. Hier soll sich wohl auch noch einiges tun, denn rund die Hälfte der Befragten (49%) gibt an, dass es ein erklärtes Unternehmensziel sei, mehr Frauen in der ersten oder zweiten Führungsebene zu positionieren. 43 Prozent der Unternehmen versuchen dieses Ziel mit Programmen und Initiativen zur Bewusstseinsbildung zu erreichen.

Gender-Diversität immer noch ein Randthema

Darüber hinaus sehen die ZFAC-Mitglieder deutlichen Aufholbedarf bei den Themensetzungen in den heimischen Aufsichtsräten. Immerhin beschäftigen sich laut Umfrage lediglich drei Prozent der Aufsichtsratsgremien mit Diversität und Gleichstellung. Themen wie Unternehmensstrategien (30,5%), Digitalisierung (23,2%), Standortpolitik (15,8%) und ESG (10,3%) scheinen in den Aufsichtsratsgremien einen höheren Stellenwert zu haben. Und das, obwohl 88 Prozent der Befragten der Meinung sind, dass Frauen in Führungspositionen neue Themen und Perspektiven in Diskussionen einbringen würden. 

"Obwohl fast die Hälfte der Unternehmen klare Ziele oder Initiativen zur Förderung von Frauen nennt, ist Gender-Diversität immer noch ein Randthema. Umso deutlicher ist die Wahrnehmung der Wirkung heterogener Teams. Eine überwältigende Mehrheit bestätigt, dass Frauen neue Perspektiven und Themen in Führung und Aufsicht einbringen – von Leadership-Kultur über die Art und Tiefe von Entscheidungen, mehr Dimensionen in der Analyse, kritischere Diskussionen und höhere Transparenz. Unternehmen, die unsere Zukunft verantwortungsvoll gestalten wollen, müssen Diversität als strategischen Steuerungsfaktor begreifen – nicht als freiwillige Begleiterscheinung", appelliert Karen Fanto, Vorstandsvorsitzende des Zukunft.Frauen Alumnae Clubs.

Wie wichtig Gender-Diversität auch in Hinblick auf den Unternehmenserfolg ist, zeigt etwa die Studie "Breaking the Glass Ceiling: Do Female Directors Boost Firm Performance?" der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). Darin belegen die beiden Ökonomen Michael Sigmund und Mario Hübler, dass Frauen in Aufsichtsräten signifikant positive Auswirkungen auf Profitabilität, Marktentwicklung, Risikoprofil und Wachstumsraten von Unternehmen haben (LEADERSNET berichtete).

Bürokratie als größtes Risiko im Wettbewerb

Weiters wurden die ZFAC-Mitglieder in der Quartalsumfrage auch um eine Einschätzung der derzeitigen wirtschaftlichen Situation gebeten. Ein Großteil der befragten Managerinnen ordnet diese kurzfristig betrachtet als stabil ein, verortet langfristig aber Handlungsbedarf. Das größte Risiko in der Wettbewerbsfrage ist für 27 Prozent die Bürokratie, gefolgt von geopolitischen Unsicherheiten sowie dem Fachkräftemangel, die für 20 bzw. 18 Prozent ein Wachstumshindernis darstellen.

Governance-Regelwerke werden wiederum ambivalent gesehen – zwischen notwendiger Orientierung und übermäßiger Bürokratie. So geben 24 Prozent an, dass Governance zu komplex sei und zur Selbstbeschäftigung führe, während nur 15 Prozent darin eine klare Hilfe sehen. Strukturelle Reformen könnten laut den Managerinnen hingegen zur Risikominimierung beitragen und Wachstumschancen fördern. 

Homeoffice in den meisten Unternehmen Standard

Nicht zuletzt zeigt die Befragung, dass Homeoffice inzwischen in rund acht von zehn heimischen Unternehmen (78%) gelebte Praxis ist: In 54 Prozent der Unternehmen arbeiten Mitarbeitende im Schnitt an zwei Tagen pro Woche remote. 40 Prozent sehen durch das Homeoffice keine wesentlichen Veränderungen im Arbeitsalltag, 28 Prozent bewerten diesen sogar als positiver. Mehr als ein Viertel der Befragten (27%) nimmt hingegen negative Auswirkungen auf den Austausch und das Teamgefühl wahr.

www.zukunftfrauen.club

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