Österreichische CEOs blicken laut einer aktuellen Umfrage von PwC deutlich pessimistischer in die wirtschaftliche Zukunft als ihre internationalen Kolleg:innen. Während den Ergebnissen zufolge weltweit 61 Prozent der Unternehmenslenker:innen von einem globalen Wirtschaftswachstum ausgehen, erwarten hierzulande lediglich 24 Prozent ein Wachstum der heimischen Wirtschaft. Auch das Vertrauen in die eigene Geschäftsentwicklung ist demnach gering: Nur zwölf Prozent der österreichischen CEOs rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit steigenden Umsätzen. Global liegt dieser Wert bei 30 Prozent, ebenfalls auf dem niedrigsten Stand der vergangenen fünf Jahre. Das geht aus den Ergebnissen der am Donnerstag (22. Jänner) veröffentlichten 29. Global CEO Survey des Beratungsunternehmens hervor, für die weltweit 4.454 CEOs aus 95 Ländern – darunter 34 aus Österreich – befragt wurden (siehe Infobox).
Was die meisten Sorgen bereitet
Als größte Herausforderungen für das Jahr 2026 nennen österreichische Führungskräfte makroökonomische Unsicherheiten (24 Prozent), Cyberrisiken (24 Prozent) sowie Inflation (18 Prozent). Die Vielzahl kurzfristiger Problemstellungen bindet erhebliche Managementressourcen: Österreichische CEOs verbringen 56 Prozent ihrer Zeit mit operativen Herausforderungen, während lediglich elf Prozent auf langfristige Planung über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren entfallen.
Rudolf Krickl, CEO von PwC Österreich, spricht von einem alarmierenden Befund. Der Mangel an Zeit für strategische Themen sei problematisch, da entscheidende Weichenstellungen für die Zukunft bereits heute erfolgten. CEOs müssten gezielt Freiräume für Zukunftsfragen schaffen, etwa durch Delegation, effizientere Prozesse und den gezielten Einsatz von künstlicher Intelligenz. Wer jetzt in Innovation investiere, sichere sich nachhaltige Wettbewerbsvorteile, so Krickl.
Nachholbedarf beim KI-Einsatz
Gerade beim Einsatz von künstlicher Intelligenz zeigt sich jedoch Nachholbedarf. Nur 18 Prozent der heimischen CEOs berichten von Umsatzsteigerungen durch KI-Anwendungen. Zwar experimentieren viele Unternehmen mit entsprechenden Technologien, doch eine strategische Nutzung als Wachstumstreiber bleibt vielfach aus. Gleichzeitig sehen 68 Prozent der österreichischen Führungskräfte die zentrale Herausforderung darin, ihr Unternehmen schnell genug zu transformieren, um mit technologischen Entwicklungen und KI Schritt zu halten.
Dass Innovationsanstrengungen Wirkung zeigen können, belegen weitere Ergebnisse der Studie: 29 Prozent der CEOs in Österreich erzielen bereits zehn bis 20 Prozent ihres Gesamtumsatzes mit Produkten und Dienstleistungen, die in den vergangenen drei Jahren neu eingeführt wurden. Krickl betont, künstliche Intelligenz scheitere weniger an der Technologie selbst als an der Umsetzung. Die eigentliche Herausforderung liege in der strategischen Skalierung und darin, bestehende Abläufe grundlegend neu zu denken. "Echte Transformation bedeutet, Abläufe grundlegend zu überdenken und KI als Katalysator für neue Geschäftsmodelle zu nutzen, nicht als Pflaster für alte Strukturen", so der PwC-Chef.
Angezogene Handbremse bei Investitionen
Auch bei Investitionen bleibt die Zurückhaltung spürbar. Während weltweit 51 Prozent der CEOs im kommenden Jahr Auslandsinvestitionen planen, sind es in Österreich knapp 40 Prozent. Als wichtigste Zielmärkte nennen heimische Führungskräfte weiterhin die USA und Deutschland (jeweils 24 Prozent), obwohl der Zugang zum US-Markt durch Zölle und Handelsbarrieren zunehmend erschwert wird. International stehen die USA mit 35 Prozent an der Spitze, gefolgt von Indien sowie Großbritannien und Deutschland (jeweils 13 Prozent).
Indien gewinnt auch aus österreichischer Sicht an Bedeutung. Zwar sehen aktuell erst sechs Prozent der heimischen CEOs den südasiatischen Markt als Investitionsziel, doch dieser Anteil verdopple sich Jahr für Jahr. China hingegen verliert an Relevanz und liegt mit drei Prozent deutlich unter dem globalen Wert von zehn Prozent. In einem Umfeld wachsender Handelskonflikte könnten asiatische Innovations- und Kostenstandorte damit an strategischer Bedeutung gewinnen.
Jahresauftakt in Wien
Einige Tage vor der Studienpräsentation eröffnete PwC Österreich das Jahr 2026 mit einem Neujahrsempfang in Wien. Im Rahmen der Veranstaltung am 15. Jänner 2026 standen aktuelle Entwicklungen in Wirtschaft und Finanzen im Mittelpunkt. Zudem gab Rudolf Krickl bereits erste Ergebnisse sowie Ausblicke aus der jetzt veröffentlichten CEO Survey bekannt. Ergänzt wurde der inhaltliche Auftakt durch eine Vernissage, die den Dialog zwischen wirtschaftlichen Fragestellungen und künstlerischen Perspektiven eröffnete und Raum für neue Blickwinkel bot.
LEADERSNET war beim Neujahrsempfang. Fotos sehen Sie in den Galerien hier und hier.
www.pwc.at
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