Rechenzentren leisten einen signifikanten Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung in Österreich. Sowohl in der Bau- als auch in der Betriebsphase entfalten sie ausgeprägte Multiplikator- und Spillover-Effekte auf Mikro- und Makroebene. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Ökonomische Effekte von Rechenzentren", die vom Wirtschaftsforschungsinstitut Economica im Auftrag der Austrian Datacenter Association (ADCA) und mit Unterstützung von Digital Realty erstellt wurde.
"Rechenzentren verfügen über das Potenzial, die Volkswirtschaft nachhaltig zu stärken", erklärt Economica-Vorstand Christian Helmenstein. Die ökonomischen Multiplikatoren lägen sowohl in der Bau- als auch in der Betriebsphase zwischen 1,6 und 2,1. ADCA-Präsident Martin Madlo betont, Rechenzentren spielten eine zentrale Rolle für die wirtschaftliche, digitale und technologische Zukunft Österreichs. Zugleich würden einzelne Projekte häufig verkürzt und emotional diskutiert. Ziel der Studie sei es daher, den tatsächlichen Mehrwert der Branche transparent darzustellen.
Skalierung hochspezialisierter Aufgaben
Die Analyse zeigt, dass die Bauphase insbesondere Effekte auf Baudienstleister:innen, Architektur, Behörden, technische Ausstattung sowie die Infrastrukturanbindung hat. Der laufende Betrieb wirkt sich unter anderem auf Energieversorgung, Kühlung, Brandschutz, Sicherheit und Verwaltung aus. Hinzu kommen Dienstleistungen wie IT-Betrieb oder Abwärmenutzung.
Helmenstein führt aus, Rechenzentren würden hochspezialisierte Aufgaben skalieren, die Arbeitsteilung zwischen Unternehmen vertiefen und dadurch neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Kostenreduktionen, Umsatzwachstum und vor allem Produktivitätszuwächse seien zentrale Effekte. Die ökodigitale Dividende des wirtschaftlichen Strukturwandels basiere wesentlich auf der Verfügbarkeit leistungsfähiger Rechenzentren. In der Bauphase liege der Beschäftigungsmultiplikator bei 1,7 bis 2,2, in der Betriebsphase steige er auf 1,6 bis 4,5, was den hochspezialisierten Charakter der Leistungen unterstreiche.
Nachhaltige Investitionen und regionale Verteilung
In Österreich sind derzeit rund 50 Rechenzentren in Betrieb, mit einem Gesamtenergieverbrauch von etwa 1,4 Terawattstunden. Rund 46 Prozent der heimischen Datacenter befinden sich in Wien und im Wiener Umland. Das größte Rechenzentrum wird von Digital Realty betrieben. Yves Zischek, Managing Director Digital Realty Schweiz & Österreich, verweist darauf, dass das erste Rechenzentrum des Unternehmens in Österreich vor über 20 Jahren errichtet wurde. In den vergangenen fünf Jahren seien rund 40 Millionen Euro in den Standort investiert worden. Dies zeige, dass Rechenzentren keine Einmalinvestitionen darstellten, sondern eine langfristige und nachhaltige Investitionstätigkeit erforderten.
Cloud-Nutzung mit hohem BIP-Effekt
Rechenzentren gelten als infrastrukturelle Voraussetzung für Cloud-Computing und Anwendungen der Künstlichen Intelligenz. Madlo hält fest, dass Cloud und KI ohne entsprechende Rechenzentrumsinfrastruktur nicht realisierbar seien. Zwischen 2024 und 2030 werde der ökonomische Beitrag der Cloud-Nutzung in Österreich auf rund 50 Milliarden Euro geschätzt. Sollte das EU-Ziel einer Cloud-Nutzungsquote von 75 Prozent erreicht werden, könnte sich dieser Wert um weitere neun Milliarden Euro erhöhen.
Helmenstein erläutert, dass der ökonomische Beitrag der Cloud-Nutzung im Jahr 2023 bei 6,2 Milliarden Euro gelegen habe, was rund 1,3 Prozent der österreichischen Wirtschaftsleistung entsprochen habe. Jeder in Cloud-Dienste investierte Euro gehe demnach mit einem BIP-Effekt von 1,45 Euro einher.
Künstliche Intelligenz als Nachfragebeschleuniger
Auch der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz wirkt sich laut Studie stark auf die Nachfrage nach Rechenzentrumskapazitäten aus. Madlo spricht von einem "Turbo-Effekt": Bis 2030 würden global rund 70 Prozent der Nachfrage auf KI-Anwendungen entfallen. In Deutschland könnten in fünf Jahren etwa 40 Prozent aller Rechenzentren KI-Rechenzentren sein. Der europäische AI Continent Action Plan sehe zudem eine Verdreifachung der Rechenzentrumskapazitäten in der Europäischen Union innerhalb der nächsten fünf bis sieben Jahre vor.
Das KI-Potenzial in Österreich beziffert Madlo mit 18 Prozent der Bruttowertschöpfung. Um dieses Potenzial zu heben, seien jedoch geeignete Rahmenbedingungen erforderlich. Dazu zählten nationale und regionale Standortkonzepte, priorisierte und planbare Netzanschlüsse, eine wettbewerbsfähige Energieversorgung sowie beschleunigte Genehmigungsverfahren. Zischek ergänzt, wirtschaftliches Wachstum sei zunehmend an die Digitalisierung gebunden. "Der nächste Wachstumsboom kommt von KI."
Was noch über die Studie und den Wirtschaftsfaktor Rechenzentren gesagt wurde, sehen Sie im LEADERSNET.tv-Video.
Fotos von der Studienpräsentation sehen Sie in unserer Galerie.
www.austriandatacenter.org
www.digitalrealty.com
www.economica.eu
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