LEADERSNET: Sehr geehrter Herr Hirmann, Essecca steht seit Jahren für Innovation im Bereich Sicherheits- und Zutrittskontrollsysteme. Wo sehen Sie aktuell die größten technologischen Entwicklungen in Ihrer Branche?
Wilfried Hirmann: Mit der fortschreitenden Digitalisierung wird die Vernetzung der unterschiedlichen Systeme im Gebäude immer wichtiger. Die Sicherheitssysteme, insbesondere die Zutrittskontrolle, sind eine gute Basis für die Steuerung der Abläufe und Prozesse im Gebäude. Es geht um mehr als bloßes Auf- und Zusperren von Türen, über intelligente Zutrittskontrollsysteme können der Personen-Flow und die Gebäudetechniksysteme effizient gesteuert werden. Durchgängige Sicherheitslösungen erfüllen alle Anforderungen im Komfort, dem effizienten ressourcenschonenden Management der Sicherheit, der gesetzlichen Auflagen für Mitarbeiter:innen / Besucher:innen / Parkplätze / Aufzüge / Räume. Der Trend geht vermehrt zu Cloud-Lösungen und zur Nutzung von Mobil- und IoT-Geräten, mobile Credentials wie das Smartphone ersetzen klassische Zutrittskarten. Auch biometrische Zutrittssysteme (wie die Gesichtserkennung) werden vermehrt eingesetzt, weil diese nicht an andere Personen übertragbar sind.
LEADERSNET: Digitale Sicherheit im Gebäudemanagement ist ein zentrales Thema. Wie verändert der technologische Fortschritt, etwa durch IoT oder KI, die Anforderungen an moderne Zutrittslösungen?
Hirmann: Die Essecca Sicherheitslösungen sind Teil eines intelligenten Gebäudes, voll vernetzt und integriert. Die Komponenten kommunizieren mit anderen Gewerken. Abläufe und Arbeitseinsätze können automatisiert angestoßen werden. Mit den Essecca Lösungen können alle Anforderungen an einen modernen Betrieb in Verbindung mit Mitarbeiter:innen, Besucher:innen vollautomatisch und sicher gesteuert werden. Durch KI-Modelle für Predictive Maintenance & Erkennung von Anomalien werden bisher nie da gewesene Möglichkeiten zur Produktverbesserung und Effizienzsteigerung innerhalb des Betriebs geschaffen. Ziele sind die Erkennung von Anomalien und die vorausschauende Instandhaltung für Sicherheitstechnik und Gebäudetechnik. Durch die einfache Integration unterschiedlicher IoT Sensoren in Verbindung mit den Daten der Zutrittskontrolle wird über ein Management-Dashboard eine fundierte Entscheidungsgrundlage für Eigentümer:innen geschaffen, um die Nutzung und Ausrichtung ihrer Gebäude flexibel und strategisch auf den Bedarf der Nutzer:innen zu gestalten. Moderne Sicherheitslösungen helfen Unternehmen dabei, Gebäude zu digitalisieren, Prozesse professionell zu steuern und die Energieeffizienz zu steigern. Wir wollen unseren Kund:innen das volle Lösungsspektrum zur Digitalisierung aus einer Hand anbieten – egal, ob es um Sicherheitstechnik geht, oder ob wir Ihnen dabei helfen, Ihre Gebäude "smart" zu machen.
LEADERSNET: Besonders im öffentlichen Bereich wie Schulen und Universitäten steigen die Anforderungen an Sicherheit und Datenschutz. Wie begegnet Essecca diesen Herausforderungen – speziell mit Blick auf DSGVO und Nutzerfreundlichkeit?
Hirmann: Essecca gehört im Marktsegment "Bildung" zu den Marktführern in Österreich und unterstützt die Kund:innen schon bei der Planung der Sicherheitssysteme bei der nutzerorientierten Lösung nachfolgender Themen:
- Einsatz EU-basierter Cloud-Dienste oder On-Premise-Lösungen
- Ende-zu-Ende-Verschlüsselung
- Datenschutzkonzepte und Datenlöschkonzepte
- Rollen- und Rechtekonzepte
- Zwei-Faktor-Authentifizierung
- Flexible und DSGVO-konforme Systeme
Die oberste Priorität ist es, dass alle gesetzlichen und internen Sicherheitsanforderungen möglichst komfortabel erfüllt werden und das System eine sehr hohe Benutzerfreundlichkeit (selbsterklärende, intuitive Bedienung) bietet.
Essecca setzt bei der Umsetzung seiner Sicherheitssysteme auf Produkte von Weltmarktführern wie z. B. Salto, die in Hinblick auf die DSGVO alle Möglichkeiten bieten. Über Zeitzonen und Kalenderfunktion können die Zugänge zu Gebäuden und Räumen automatisch aufgesperrt oder zugesperrt werden, wodurch die Sicherheit deutlich erhöht wird und gleichzeitig personelle Ressourcen einspart werden.
LEADERSNET: Auch im Gesundheitswesen ist der Zugang zu sensiblen Bereichen ein kritischer Punkt. Welche spezifischen Lösungen bietet Essecca für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen an?
Hirmann: Essecca bietet mit Visecca oder Disecca eigene auf die Kundenanforderung anpassbare Softwarelösungen für die komplette Verwaltung aller technischen Gewerke über Grafikpläne oder die Automatisierung aller personenbezogenen Prozesse inklusive der Berechtigungsvergabe an. Die elektronischen Zutrittskontrollsysteme der Essecca, wie z. B. elektronische Beschläge & Zylinder (offline oder Funk-Online), verkabelte Online-Türen etc. können über RFID-Karten, Weitbereichsleser oder mittels Smartphones gesteuert werden. Der Zugang zu Wertfächern, Spinden, Medikamentenlagern wird mit Lockerlösungen verkabelt, Funk-Online oder offline abgesichert bzw. gesteuert.
Die Funk-Online-Lösung eröffnet neue Möglichkeiten. Es können damit bestehende Türen normgerecht, ohne hohen Aufwand und kostengünstig auf elektronische Zutrittslösungen umgebaut werden. Die funkvernetzten Türen bieten die gleichen Sicherheitsfunktionen wie die wesentlich aufwendiger herzustellenden verkabelten Online-Türen. Videomanagementsysteme mit Analysefunktion zur Überwachung von Eingangsbereichen, Korridoren, Notaufnahmen, Hubschrauber usw. sorgen für ergänzende Sicherheit. Der Fuhrpark bzw. die Parkflächen werden über Kennzeichenerkennungslösungen kombiniert mit der Zutrittskontrolle gesteuert.
LEADERSNET: Ihre Systeme kommen auch in Industriebetrieben und im Gewerbe zum Einsatz. Wie individuell können Sie auf komplexe Anforderungen, etwa in Hochsicherheitsbereichen oder Produktionsstätten, eingehen?
Hirmann: Wir sind aufgrund der vorhandenen technischen Möglichkeiten und unserer Erfahrung in der Lage, die individuellen Anforderungen unserer Kund:innen in den unterschiedlichen Branchen zu berücksichtigen, das heißt, wir installieren keine Systeme "von der Stange", sondern maßgeschneiderte und bedarfsorientierte Lösungen. Unsere Lösungen integrieren sich nahtlos in IT-Systeme und Sicherheitsrichtlinien der Kund:innen. Die benötigten Anforderungen werden im Vorfeld gemeinsam mit dem:der Kunden:in erhoben. Nach der Ersterhebung wird gemeinsam mit den Kund:innen das Sicherheitskonzept erstellt, welches nach finaler Prüfung zur Umsetzung gelangt.
LEADERSNET: In Hotels und Freizeiteinrichtungen ist Sicherheit gefragt – aber auch Komfort und Design. Wie gelingt es Essecca, diese Faktoren in Einklang zu bringen?
Hirmann: Sicherheitstechnik in der Hotellerie und Freizeitbranche darf nicht abschreckend wirken, sondern soll Vertrauen, Komfort und Designqualität ausstrahlen. Das Wichtigste ist jedoch, alle Abläufe in Verbindung mit den Gästen automatisiert und komfortabel zu gestalten. Hierfür ist es wichtig, die Anforderungen der Hoteliers zu verstehen (z.B. Self Service Hotel, Hotels mit Rezeption), um danach die richtige Lösung zu finden.
Der Gast sollte die Möglichkeit haben, über eine Guest Journey App von der ersten Suche und Buchung über den Aufenthalt im Hotel bis zur Abreise und dem anschließenden Feedback alles Online durchzuführen:
- digitalen Meldeschein & alle benötigten Informationen
- Self-Check-in und Self-Check-out
- Gäste erhalten automatisch beim Check-in ihren digitalen Schlüssel
- Nach Check-out wird der Zutritt sofort deaktiviert
- Keine physischen Schlüssel notwendig, weniger Verwaltungsaufwand.
Auch die Möglichkeit von digitalen Schlüsseln über die Apple-Wallet oder Google-Wallet können wir anbieten.
LEADERSNET: Wie fördern Sie innerhalb Ihres Unternehmens eine Innovationskultur, die sowohl technologische Exzellenz als auch nachhaltige Entwicklung ermöglicht?
Hirmann: Wir haben gemeinsam den Anspruch definiert, in Bezug auf unsere Lösungen immer einen Schritt voraus zu sein. Als Trendsetter können wir neue technische Lösungen schon früher als unsere Marktbegleiter anbieten und damit bei unseren Kund:innen punkten. Mit unseren Produktpartnern, wie z. B. Salto sind wir laufend in Kontakt und geben die Marktanforderungen an die Entwicklungsstellen weiter. Bei neuen Entwicklungen sind wir bereits in der Testphase involviert, was den Vorteil bietet, dass wir ergänzende Lösungsvorschläge einbringen können und eventuell noch vorhandene Fehlfunktionen vor der Markteinführung erkennen bzw. beheben können.
LEADERSNET: In einem von internationalem Wettbewerb geprägten Umfeld – was macht Essecca als österreichisches Unternehmen besonders erfolgreich?
Hirmann: Wir bieten keinen "Bauchladen" an Produkten an, sondern arbeiten mit Weltmarktführen in der Sicherheitstechnik eng bzw. größtenteils exklusiv zusammen. Damit haben wir Zugriff auf die besten Produkte, welche wir mit unserer Erfahrung und dem vorhandenen technischen Know-how zu kundenspezifischen Lösungen veredeln. Unser Anspruch ist es, unsere Kund:innen bei der sicheren Steuerung ihrer personenbezogenen Abläufe im Gebäude möglichst ressourcenschonend und komfortabel zu unterstützen. Neben der Errichtung von Sicherheitslösungen bieten wir auch Aftersales Services an, deren Umfang sich von der einfachen 24/7-Hotline, über die laufende Wartung bis zum Betrieb der Sicherheitsanlage erstreckt.
LEADERSNET: Sie haben Essecca über viele Jahre hinweg geprägt. Waren Sie zufrieden mit dem geschäftlichen Erfolg und welche Werte bzw. Strategien möchten Sie der nächsten Generation mit auf den Weg geben?
Hirmann: Essecca wurde im Dezember 2012 gegründet und übernahm im Jänner 2013 den Teilbetrieb Bad Fischau-Brunn von EVVA. Heute zählen wir zu den führenden Unternehmen in Österreich im Bereich elektronischer Zutrittskontrolle. Durch die konsequente Vermarktung digitaler Sicherheitslösungen – von Zutritt über Video und Alarm bis hin zu Intercom und Sicherheitsmanagement-Software – konnten wir unseren Umsatz in den letzten 13 Jahren von zehn auf 30 Millionen Euro verdreifachen. Unser Erfolg basiert auf der Strategie, nicht einfach den Markttrends zu folgen, sondern stets einen Schritt vorauszudenken. Wir setzen auf Innovation und gestalten den Markt aktiv mit. Das hat uns eine breite Marktstellung gesichert und selbst in herausfordernden Zeiten Wachstum ermöglicht. Entscheidend dafür ist unser Team, das mit Know-how und Leidenschaft Lösungen entwickelt, die unseren Kund:innen durch Digitalisierung und Prozessoptimierung echten Mehrwert bieten.
Wichtig ist aus meiner Sicht der Weitblick, ich plane immer fünf Jahre im Voraus, so kann ich mögliche Änderungen zeitgerecht berücksichtigen. Bei der Planung ist die technische Entwicklung im Planungszeitraum zu berücksichtigen, und es sollten Maßnahmen gesetzt werden, um das Lösungsangebot laufend an die technische Entwicklung anzupassen. Damit ist es möglich, den Markt zu gestalten und den Kund:innen neue innovative Lösungen, zeitlich vor den Marktbegleitern anzubieten und daraus Vorteile zu generieren.
LEADERSNET: Zum Abschluss eine persönliche Frage: Mit Jahresende treten Sie in den Ruhestand. Können Sie schon etwas über Ihren Nachfolger verraten und was nehmen Sie persönlich aus dieser Zeit als Unternehmer mit – und worauf freuen Sie sich im neuen Lebensabschnitt?
Hirmann: Ich habe vor drei Jahren entschieden, mich mit Ende des Jahres 2025 aus der Unternehmensführung zurückzuziehen und, wie ich es nenne, meinen "Dauerurlaub" anzutreten. Ich sehe die Nachfolgeplanung als wesentliche Aufgabe jeder Führungskraft. Wenn es um die Nachfolge in der Geschäftsführung geht, ist die Herausforderung noch ein stückweit größer. Umso mehr bin ich froh darüber, dass ich rechtzeitig begonnen habe, mich damit zu befassen und auch das gesamte Unternehmen darauf vorzubereiten. Mit Michael Reiner und Alexander Blümel übernehmen zwei langjährige Mitarbeiter mit umfangreicher Führungs- und Branchenerfahrung das Ruder. Ich bin mehr als überzeugt davon, dass sie das Unternehmen erfolgreich in die Zukunft führen werden.
Nach mehr als 40 Jahren beruflicher Tätigkeit, davon einen Großteil in Führungspositionen, möchte ich die freiwerdende Zeit für die Umsetzung von persönlichen und familiären Vorhaben und Zielen verwenden. Aus meiner Zeit als Unternehmensleiter nehme ich mit, dass man sich langfristige Ziele setzen und seinen Weg konsequent gehen soll, schließlich hat man es selbst in der Hand, was man aus seinem Leben macht.
www.essecca.at
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