Die Zeiten werden fragiler, egal wohin man blickt. Das betrifft nicht nur aktuelle Krisen wie den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine oder die Energiekrise, sondern auch gewachsene – und damit für manche scheinbar unveränderbare – geopolitische Traditionen, die in ihrer gewohnten Form nicht mehr gültig sind. Wir alle erleben derzeit die geballte Kombination aus politischer, gesellschaftlicher und klimatischer Veränderung, die einerseits enorme Unsicherheit erzeugt und andererseits zum Umdenken zwingt. Dabei scheint es, als sei es mit dem Drehen an einzelnen Schrauben nicht mehr getan. Die Zeit ist reif für eine globale Transformation, das proaktive Herangehen an die Herausforderungen unserer Zeit braucht den grundlegenden Wandel in allen unseren Lebensbereichen – für ein "weiter wie bisher" ist es zu spät.
In politischer Hinsicht zeigt sich der Transformationsbedarf in dramatischer Weise mit Blick auf den Krieg in der Ukraine. Die gebetsmühlenartige Erzählung eines kriegs- und konfliktfreien Europas wurde nah an unseren Grenzen schonungslos widerlegt. Die entsprechende "Zurücklehn-Haltung" Europas hat sehr rasch zur kompletten politischen Überforderung geführt und auch gezeigt, dass wir uns nicht mehr auf den Schutzschild USA verlassen können, sondern dringend eigene Strategien und Committments benötigen, um in Sicherheitsfragen unabhängig und stringent agieren zu können. Neben den dafür notwendigen finanziellen Anstrengungen wird es dabei auch eine Transformation in den Köpfen benötigen – hin zu einer klaren Ansage, dass wir uns selbst verteidigen können UND möchten und dafür auch bereit sein, die entsprechenden Ressourcen bereitzustellen sowie auch das Mindset der Bevölkerung dahingehend nachhaltig zu verändern.
Mit kleinen Schritten kommen wir nicht mehr weiter
Noch einschneidender mögen für viele die Umwälzungen und Unabwägbarkeiten in Sachen Energieerzeugung, -verteilung und -nutzung sein. Auch hier gilt es, sich von den bestehenden Prozessen zu verabschieden und den Weg der Transformation zu bestreiten. Dies gilt nicht für die Abkehr von den fossilen Energieträgern, sondern in besonderem Maße auch für die Stärkung der Unabhängigkeit, die Stabilisierung der Netzinfrastruktur und das Bewusstsein jedes und jeder Einzelnen für einen möglichst effizienten Verbrauch. In finanzieller Hinsicht sprengt der dafür notwendige Aufwand jegliche Vorstellungskraft. Denn was heute in vergleichsweise kleinen Schritten geschieht, wie etwa beim Ausbau von Photovoltaik, wird bei weitem nicht ausreichen, um den Weg hin zur Klimawende erfolgreich und rechtzeitig beschreiten zu können. Der Druck zur Reduktion des CO2-Ausstosses trifft dabei jedoch nicht nur auf einen immensen finanziellen Aufwand, sondern zugleich auch auf eine ohnedies belastete Bevölkerung, die man jedoch auf dem Weg zur Transformation jetzt mitnehmen muss. Eine Herausforderung für Politik und Bürokratie, die ebenfalls ihre Transformationsbereitschaft unter Beweis stellen muss, denn auch für diesen Bereich gilt: Mit kleinen Schritten kommen wir nicht mehr weiter, können den Entwicklungen nicht mehr standhalten und schon gar nicht mehr in die von uns gewünschten Bahnen lenken.
Auch in technologischer Sicht steigt der Druck, sich als Gesellschaft nicht nur an die Entwicklungen anzupassen, sondern viel entschiedener an dem damit verbundenen Prozessen – gesellschaftlich, wirtschaftlich und politisch – mitzuwirken. Besonders augenscheinlich wird dies bei den Innovationen im Bereich der künstlichen Intelligenz. Programme wie Chat GPT führen uns vor Augen, wie exponentiell schnell und tiefgreifend der technologische Fortschritt unserer heutigen Zeit ist. In früheren Phasen der Digitalisierung hat es für viele Menschen abseits der Digital Natives noch ausgereicht, den Umgang mit neuen Technologien zu erlernen und damit im Alltag umzugehen. Für viele wird es jedoch in Zukunft immer schwieriger, Schritt zu halten und damit nicht nur privat, sondern auch beruflich up to date zu bleiben – denn in Sachen Tempo, Verständlichkeit und Anwendbarkeit sind die Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz mit jenen des digitalen Zeitalters nicht vergleichbar. Umso dringlicher ist auch hier der Bedarf an Transformation, um möglichst viele Menschen möglichst rasch ins Boot zu holen und damit zu verhindern, dass dieser grundlegende Wandel an uns vorübergeht. Denn letztlich wird uns künstliche Intelligenz nur dann sinnstiftend in neue Zeiten begleiten, wenn wir als Menschen in der Lage sind, diese auch intelligent zu nützen. Der dahingehende Transformationsbedarf ist enorm – die Zeit drängt und erhöht den Druck auf die Verantwortlichen, schnelle und weitblickende Entscheidungen treffen zu müssen.
Aus unserer 239-jährigen Firmengeschichte lässt sich ableiten, dass nur jene, die sich der Transformation stellen und diese mittragen auch weiterkommen. In diesem Sinne packen wir es gemeinsam an und stellen wir uns der Zukunft.
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