„Silicon Valley kocht auch nur mit Wasser“

Stefan Ponsold kennt die Herausforderungen für Jungunternehmer in Österreich und den USA.

Vor welchen Herausforderungen stehen die Jungunternehmer in Österreich?

Ponsold: Als ich 2010 mein Einzelunternehmen gegründet habe, war ich gut vorbereitet. Ich habe Innovationsmanagement am Campus 02 in Graz studiert und hatte die Idee, Mobiltelefone solar aufzuladen. Ich wusste, es ist nicht so leicht – von zehn Ideen gehen nur zwei auf. Ich habe gebootstrappt, es also aus eigener Kraft versucht und geschaut, wie lange das gutgeht. 2012 habe ich gemerkt, wir brauchen einen Investor, der einsteigt. In Bezug auf fehlendes Venture Capital wurden in den vergangenen zwei Jahren von der Regierung sehr gute Maßnahmen gesetzt, auch die AWS bietet mit dem Gründerfonds gute Unterstützung in der Startphase. Bei mir war das damals noch etwas schwieriger als heute. Doch durch die Steirische WirtschaftsförderungsgesmbH und mit einem Co-Investor haben wir damals auch eine gute Starthilfe bekommen.

Sie haben jüngst für Schlagzeilen gesorgt, weil Sie den Kärntner Energieversorger KELAG als Investor gewonnen haben. Wie ist Ihnen das gelungen und was bedeutet diese Finanzspritze für Sunnybag?

SunnyBAG versorgte die KELAG AG in den vergangenen Jahren regelmäßig mit innovativen Solarladesystemen und konnte durch eine professionelle Zusammenarbeit überzeugen. Der Synergieeffekt der beiden Unternehmen spannt einen weiten Bogen – angefangen von der Entwicklung über das Sourcing und die Produktion, bis hin zum Vertrieb von Energieprodukten. SunnyBAG war zwar schon vor dem Investment profitabel, trotzdem freut uns diese zusätzliche Investition für das weitere Wachstum.

SunnyBAG hat bereits eine Auslandsniederlassung in Silicon Valley. Wie weit ist Österreich entfernt von Silicon Valley?

Was ich nach einigen Monaten Aufenthalt beurteilen kann, kochen sie zwar auch nur mit Wasser, aber deutlich schneller als wir. Vieles läuft effizienter und effektiver ab, und Entscheidungen fallen besonders rasch. In den 50ern des 20. Jahrhunderts waren die Ingenieure der Raumfahrt dort, heute sind es deren Kindeskinder, die Firmen in die Welt rufen. Amerikaner neigen aber auch oft zur Übertreibung und zu Geschichten, die nie passieren werden. Da zählt in Österreich oder Deutschland deutlich mehr das Vertrauen und die „Handschlagqualität“. Ein weiterer großer Unterschied ist, dass es in Amerika wesentlich weniger Förderungen gibt. Auf der anderen Seite haben wir ein deutlich teureres Sozialsystem im Hintergrund mitzufinanzieren. Verdient jemand dort USD 50.000 pro Jahr, muss er sich davon selber versichern und Rücklagen für die Pension bilden. Bei uns fällt das zum Teil zwar weg, dafür liegen die Gesamtabgaben bei fast 50 %. Auch das Anstellen von neuen Mitarbeitern muss gut überlegt sein. Zum Glück gibt es durch das neue Start-up-Paket der Regierung bessere Unterstützung für die ersten Mitarbeiter.

Sehen Sie Handlungsbedarf in Bezug auf das Gründen in Österreich?

Was mich freuen würde, wäre, wenn man hierzulande vom Notariatsgesetz bei Gründungen und Umgründungen absieht. In Amerika geht man zum Anwalt und gründet seine Corporation. Die Umgründung vom e.U. auf eine GmbH in Österreich hat bei uns EUR 7.000 gekostet. Ich habe bis heute nicht verstanden, wo hier die Leistung lag, die diesen hohen Betrag rechtfertigt. Wenn ich es mit dem Silicon Valley vergleiche, hätten wir uns hier etwa EUR 6.500 erspart. Gerade am Anfang ein großer Vorteil, wenn man jeden Euro oder Dollar zweimal umdrehen muss. 

Viele Selbstständige jammern über hohe Steuern und die Belastung durch die SVA. Wie sehen Sie das?

Jeder, der eine Nachbemessung der SVA erhalten hat, schreckt vor den hohen zusätzlichen Kosten zurück, aber ich verstehe, dass unser schönes Land auch finanziert werden muss. Entweder ist das Produkt oder Businessmodell so gut, dass es sich ausgeht, oder eben nicht. Da kann man nicht der Steuer die Schuld geben. Wenn es nach dem dritten Jahr nicht läuft, braucht man eine neue Strategie, neue Dienstleistung oder ein neues Produkt. Wir haben am Anfang hart gekämpft und den ersten Berg geschafft, jetzt geht es weiter zu neuen Bergspitzen bei strahlendem Sonnenschein.

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Advertorial

KSV1870 Geschäftsführer Ricardo-José Vybiral:

„Stefan Ponsold hat auf seinem Weg nach oben viel richtig gemacht. Hilfreiche Partner zu finden, gehört dazu. Der KSV1870 hat ihn in der Startphase mit einer 3-Jahre-Gratismitgliedschaft unterstützt. Als KSV1870 Mitglied werden Gründer Teil einer starken Gläubigergemeinschaft und profitiert von vergünstigten Bonitätsauskünften, Inkasso, dem gratis Rechtsanwaltsservice und vieles mehr."

Alle Details zur Gratis-Mitgliedschaft unter www.ksv.at

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