Insolvenzstatistik 1. Halbjahr 2026
Bisher größte Firmenpleite des Jahres kostete mehr als 360 Jobs

| Tobias Seifried 
| 08.07.2026

Die Zahl der eröffneten Insolvenzen ist im ersten Halbjahr zwar leicht gesunken, dennoch liegt die Gesamtzahl über dem Vorjahr. Während ein Autozulieferer die "Top-Pleite" nach Arbeitsplätzen anführt, liegt bei den Passiva die Laura Privatstiftung vorne.

Zwar ist die Zahl der eröffneten Firmeninsolvenzen in den ersten sechs Monaten 2026 leicht zurückgegangen, gleichzeitig wurden jedoch deutlich mehr Insolvenzanträge mangels Vermögens abgewiesen. Insgesamt lag die Zahl der Unternehmenspleiten damit sogar über dem Vorjahresniveau. Das geht aus der am Mittwoch veröffentlichten Halbjahresstatistik des Alpenländischen Kreditorenverbands (AKV) hervor.

Nach drei Rekordjahren in Folge verzeichnete Österreich im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 2.005 eröffnete Firmeninsolvenzen. Das entspricht einem Rückgang von 7,69 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Gleichzeitig stieg jedoch die Zahl der mangels kostendeckenden Vermögens abgewiesenen Insolvenzanträge um 15,42 Prozent auf 1.654 Fälle. Dadurch erhöhte sich die Gesamtzahl der Firmeninsolvenzen auf 3.659 Verfahren – ein Plus von 1,5 Prozent. Im Durchschnitt mussten damit jede Woche 77 Unternehmen Insolvenz anmelden.

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Immer mehr Verfahren scheitern bereits vor der Eröffnung

Besonders kritisch bewertet der AKV den starken Anstieg der Verfahrensabweisungen mangels Masse. In diesen Fällen verfügen Unternehmen nicht einmal über die erforderlichen rund 4.000 Euro, um ein Insolvenzverfahren finanzieren zu können. Gleichzeitig sinkt die Zahl erfolgreicher Sanierungen: Nur noch 20,95 Prozent der abgeschlossenen Firmeninsolvenzen endeten mit einem Sanierungsplan – im Vorjahr waren es noch knapp 26 Prozent. Der Anteil der Verfahren ohne jegliche Quote für Gläubiger:innen stieg hingegen von 27,49 auf 33,02 Prozent.

Unterschiedliche Entwicklung in den Bundesländern

Regional zeigte sich ein uneinheitliches Bild. Rückgänge bei den eröffneten Firmeninsolvenzen verzeichneten unter anderem Wien, Niederösterreich, Salzburg und Tirol. Demgegenüber entwickelten sich Vorarlberg, die Steiermark, Kärnten und das Burgenland gegen den Bundestrend und wiesen steigende Insolvenzzahlen auf. Wien blieb trotz des Rückgangs das Bundesland mit den meisten Firmeninsolvenzen.

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Bau, Handel und Gastronomie besonders betroffen

Die meisten Unternehmensinsolvenzen verzeichnete erneut das Baugewerbe mit 471 Fällen, gefolgt vom Handel (460) sowie der Gastronomie (368). Die höchsten Verbindlichkeiten entfielen hingegen auf die Finanzdienstleistungsbranche mit 1,92 Milliarden Euro sowie auf das Grundstücks- und Wohnungswesen mit rund 838 Millionen Euro.

Die Gesamtpassiva der eröffneten Firmeninsolvenzen beliefen sich im ersten Halbjahr auf rund 4,65 Milliarden Euro und lagen damit zwar deutlich unter dem Vorjahreswert. Laut AKV ist dies vor allem darauf zurückzuführen, dass nach den spektakulären Immobilienpleiten der vergangenen Jahre weniger große Projektentwickler insolvent wurden.

Laura Privatstiftung führt Passiva-Insolvenzranking an

Die größte Insolvenz des ersten Halbjahres entfiel auf die Laura Privatstiftung mit Passiva von rund 1,7 Milliarden Euro (LEADERSNET berichtete). Dahinter folgen die Georg-Coch-Platz Immobilien GmbH & GmbH OG (320 Millionen Euro) sowie die LL-resources GmbH (130,8 Millionen Euro).

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Autozulieferer führt Arbeitsplatz-Insolvenzranking an

Die Zahl der durch Firmeninsolvenzen gefährdeten Arbeitsplätze stieg im ersten Halbjahr auf 7.951 und lag damit um 5,09 Prozent über dem Vorjahreswert. Besonders viele Beschäftigte waren von den Insolvenzen der Wollsdorf Leder Schmidt & Co. Ges.m.b.H. (LEADERSNET berichtete), der Eitek GmbH sowie der Nothegger Transport Logistik GmbH betroffen.

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AKV erwartet mehr als 7.300 Firmeninsolvenzen

Für das Gesamtjahr rechnet der AKV trotz der leichten Entspannung bei den eröffneten Firmeninsolvenzen mit keiner nachhaltigen Trendwende. Aufgrund der anhaltend schwachen Konjunktur und der steigenden Zahl an Insolvenzabweisungen erwartet der Gläubigerschutzverband mehr als 7.300 Firmeninsolvenzen. Bei den Privatinsolvenzen dürfte die Zahl der eröffneten Verfahren wieder auf über 9.000 steigen und damit das Vor-Corona-Niveau erreichen.

www.akv.at

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