Insolvenz von Nothegger Transporte
Logistik-Riese kämpft bei Sanierung mit Millionenschulden und prekärer Cashlage

| Tobias Seifried 
| 11.05.2026

Bei der ersten Tagsatzung wurden Forderungen von mehr als 36 Millionen Euro angemeldet. Trotz einer Millionenspritze aus dem Eigentümerumfeld bleibt die Zukunft für die über 190 Mitarbeiter:innen in Österreich ungewiss.

Nach der Insolvenzeröffnung im März 2026 (LEADERSNET berichtete) lieferte am Montag (11. Mai) die Berichts- und Prüfungstagsatzung am Landesgericht Innsbruck ein erstes klares Bild über die prekäre finanzielle Lage bei der Nothegger Transport Logistik GmbH. Während die Insolvenzverwaltung händeringend um Liquidität kämpft, steigen die Forderungen der Gläubiger:innen.

Insgesamt wurden bisher 388 Forderungen über eine Gesamtsumme von mehr als 36,4 Millionen Euro zur Prüfung angemeldet. Davon wurden vom Insolvenzverwalter (HRR Rechtsanwälte) vorerst rund 15,4 Millionen Euro als zu Recht bestehend anerkannt. Da nach Ablauf der Frist laufend weitere Forderungen eingehen, rechnet der KSV1870 damit, dass die endgültige Summe noch deutlich nach oben korrigiert werden muss.

Prekäre Liquiditätssituation

Der operative Fortbetrieb des Logistik-Unternehmens, das laut AKV allein in Österreich rund 191 Mitarbeiter:innen beschäftigt (weitere 270 Fahrer:innen sind über verbundene Unternehmen involviert), gleiche Expert:innen zufolge einem Drahtseilakt. Das Hauptproblem: Da Kundenforderungen bereits vor der Insolvenz im Rahmen einer Factoring-Vereinbarung an Banken abgetreten waren, flossen lange Zeit keine Einnahmen in die Insolvenzmasse. Gleichzeitig fordern Lieferant:innen angesichts der Schieflage vermehrt Vorauskasse.

Um den Betrieb dennoch aufrechtzuerhalten, musste die Familie Nothegger kurzfristig eine Fortführungskaution in Höhe von 1,4 Millionen Euro beibringen. Weitere Mittel wurden durch den Verkauf einer Beteiligung (eine Million Euro) sowie den Ausgleich von Verrechnungskonten aus dem Eigentümer-Nahbereich generiert. Dennoch bleibt der tägliche Cash-Bedarf für den Fuhrpark von über 300 geleasten Fahrzeugen enorm.

Sanierungsplan unter Vorbehalt

Obwohl die Geschäftsführung einen Sanierungsplan anstrebt, ist die Umsetzung ungewiss. Das gesetzliche Mindestangebot von 20 Prozent innerhalb von zwei Jahren scheint aus dem rein operativen Geschäft derzeit nicht finanzierbar zu sein. Klaus Schaller, Leiter des KSV1870, betont die historische Dimension: "Dies ist die größte Unternehmensinsolvenz in Tirol seit 15 Jahren." Die Kreditschützer fordern nun belastbare Unterlagen und einen signifikanten Sanierungsbeitrag aus der Sphäre der Eigentümer.

Steigende Treibstoffkosten 

Zusätzlich erschwert wurde die Fortführung durch die zeitgleich mit der Insolvenz massiv gestiegenen Treibstoffpreise. Da bestehende Verträge nicht ad hoc angepasst werden konnten, arbeitete das Unternehmen phasenweise unter extremem Kostendruck. Erst bei Neuabschlüssen konnten mittlerweile marktübliche Konditionen durchgesetzt werden.

Ob diese Maßnahmen ausreichen, um die fast 200 Arbeitsplätze langfristig zu sichern, wird sich in den Verhandlungen der kommenden Wochen zeigen.

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