Unerwarteter Auftragseinbruch
Millionenpleite eines Wiener Ingenieur- und Beratungsbüros

| Tobias Seifried 
| 06.07.2026

Von der Insolvenz des vor mehr als 20 Jahren gegründeten Unternehmens sind knapp 30 Dienstnehmer:innen sowie rund 50 Gläubiger:innen betroffen.

Ein bekanntes Wiener Beratungs- und Ingenieurbüro muss sich finanziell neu aufstellen: Über das Vermögen der Risk Experts Risiko Engineering GmbH wurde am Montag, dem 6. Juli 2026, am Handelsgericht Wien ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet. Wie die Gläubigerschutzverbände AKV und KSV1870 mitteilten, resultiere der Insolvenzantrag aus einem plötzlichen Liquiditätsengpass.

Von der Restrukturierung des 2005 gegründeten Unternehmens sind 29 Dienstnehmer:innen sowie rund 50 Gläubiger:innen betroffen. Die Gehälter der Belegschaft wurden den Angaben zufolge bis April 2026 vollständig und für den Mai 2026 bislang teilweise ausbezahlt.

Unerwarteter Auftragseinbruch im Kernsegment

Das operative Portfolio des Unternehmens teilt sich zu gleichen Teilen auf die Bereiche Unternehmensberatung und die Tätigkeiten eines Ingenieurbüros (Schwerpunkt Maschinenbau) auf, ergänzt durch ein angeschlossenes Handelsagentengewerbe. Als wesentliche Ursache für das finanzielle Abgleiten nennt die Gesellschaft einen unvorhergesehenen und massiven Einbruch der Auftragslage. Zudem sei die wirtschaftliche Entwicklung eng mit einem prominenten Großkunden verknüpft gewesen.

Hinsichtlich der Vermögenslage stehen den vorhandenen Außenständen aus laufenden Geschäftsbeziehungen, immateriellen Werten sowie dem Betriebsvermögen erhebliche Verbindlichkeiten gegenüber. Die Gesamtforderungen belaufen sich laut den dem Gericht vorliegenden Unterlagen auf rund 3,5 Millionen Euro.

Rettung über gesetzliche Mindestquote angestrebt

Trotz der prekären finanziellen Lage strebt das Wiener Ingenieur- und Beratungsbüro im Zuge des Eigenantrags eine Sanierung und den Fortbestand des Betriebs an. Den Gläubiger:innen wird ein Sanierungsplan mit einer Quote von 20 Prozent angeboten, zahlbar innerhalb von zwei Jahren nach der gerichtlichen Annahme des Plans. Finanziert werden soll diese Entschuldung direkt aus der operativen Fortführung der Geschäfte. Die Geschäftsführung blickt dabei vorsichtig optimistisch nach vorne und rechnet für das restliche Jahr 2026 sowie die Folgejahre mit einer Erholung und einem wieder verbesserten Auftragsvolumen.

Die Gläubigerschützer:innen des AKV kündigten an, die Realisierbarkeit dieses Sanierungsplans im Detail zu prüfen und zu untersuchen, ob und in welcher Form dieser Vorschlag, der exakt den gesetzlichen Mindesterfordernissen entspricht, zum Vorteil der Gläubigerschaft nachgebessert werden kann.

Vom Handelsgericht Wien wurde die Wiener Rechtsanwältin Beate Holper zur Insolvenzverwalterin bestellt. Die Frist für die Anmeldung von Gläubigerforderungen wurde mit dem 18. August 2026 festgesetzt.

www.ksv.at

www.akv.at

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV