Bündeln Kräfte für "Tiefenkraft"
Energie Steiermark und OMV bringen Fernwärme-Großprojekt auf Schiene

| Redaktion 
| 05.07.2026

Tiefengeothermie soll künftig bis zu 50 Prozent der Grazer Fernwärme liefern. Für den steirischen Energiekonzern ist das Vorhaben das größte Einzelinvestment der Unternehmensgeschichte.

Energie Steiermark und OMV arbeiten im Projekt "Tiefenkraft" zusammen, um das Potenzial der Tiefengeothermie in der Steiermark zu erschließen. Langfristig soll die Nutzung von Erdwärme einen Beitrag zur Wärmewende leisten. Nach Angaben der Projektpartner könnten bis 2037 jährlich bis zu 670 Gigawattstunden geothermische Energie bereitgestellt werden. Das entspräche rund der Hälfte der Fernwärmeversorgung im Großraum Graz.

Grundlage für die nächsten Projektschritte

Zwischen Februar und April 2026 wurden entlang einer rund 900 Kilometer langen Messstrecke seismische Untersuchungen durchgeführt. Die dabei gewonnenen Daten werden derzeit ausgewertet und sollen die Grundlage für ein detailliertes Untergrundmodell sowie die weiteren Projektschritte bilden.

"Die Nutzung von Erdwärme ist ein zentraler Baustein für eine unabhängige und klimaneutrale Wärmeversorgung in Österreich. Mit unserer Expertise in Geologie, Bohrtechnik und Projektentwicklung leisten wir einen zentralen Beitrag, um gemeinsam mit Energie Steiermark das geothermische Potenzial in der Region fundiert zu bewerten und damit die Basis für eine nachhaltige Wärmeversorgung zu schaffen", sagt Berislav Gašo, OMV Executive Vice President Energy.

Erkundungsbohrung für Ende 2026 geplant

Mit dem Abschluss der seismischen Messkampagne geht das Projekt planmäßig in die nächste Phase. Als nächster Schritt ist die Erkundungsbohrung "Petersdorf 2" in St. Marein bei Graz vorgesehen. Die Vorbereitungsarbeiten sollen im September 2026 beginnen, der Bohrstart ist derzeit für Ende des Jahres geplant. Voraussetzung dafür sind die erforderlichen Genehmigungen sowie die Fertigstellung des Bohrplatzes.

Bohrung und anschließende Testphase sollen voraussichtlich drei bis vier Monate dauern und Erkenntnisse über das geothermische Potenzial sowie die geologischen Rahmenbedingungen liefern.

Weitere Ausbauschritte bei positiven Ergebnissen

Sollten die Untersuchungen erfolgreich verlaufen, soll in einem nächsten Schritt über die Errichtung einer ersten Geothermiedublette mit einer Produktions- und einer Injektionsbohrung einschließlich umfassender Tests entschieden werden. Zusätzlich sind zwei weitere Bohrungen geplant, um die Umsetzbarkeit eines Aquifer Thermal Energy Storage (ATES) zu prüfen. Dabei soll überschüssige Wärme im Untergrund gespeichert und saisonal verfügbar gemacht werden.

Parallel dazu sollen die Planung und Terrassierung der rund 20 Kilometer langen Fernwärme-Transportleitung nach Graz vorangetrieben werden. Über die Umsetzung des Gesamtprojekts, einschließlich der Produktions- und Injektionsbohrungen, der Pipeline zur Anbindung an das Fernwärmenetz sowie der erforderlichen Oberflächenanlagen, soll nach Abschluss der Tests entschieden werden. Von den ersten Messungen bis zur Inbetriebnahme werden mehrere Jahre vergehen. Eine erste Wärmelieferung könnte im Jahr 2030 erfolgen, so die beiden Unternehmen. 

Partner bringen unterschiedliche Kompetenzen ein

Martin Graf und Werner Ressi, Vorstands-Team der Energie Steiermark, erklären: "Mit 'Tiefenkraft' setzen wir gemeinsam mit OMV einen entscheidenden und zukunftsweisenden Schritt für die Wärmeversorgung in der Steiermark. Dieses Projekt steht für das größte Einzelinvestment in der Geschichte der Energie Steiermark und vereint die Kompetenzen zweier starker Partner entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die Nutzung von Tiefengeothermie ist ein zentraler Baustein für die Wärmewende und ermöglicht es, einen wesentlichen Teil der Grazer Fernwärme künftig klimafreundlich und regional bereitzustellen."

Das Projekt wird über eine gemeinsame Entwicklungsgesellschaft umgesetzt, an der OMV mit 75 Prozent und Energie Steiermark mit 25 Prozent beteiligt sind. Während OMV ihre Expertise in den Bereichen Geologie, Bohrtechnik sowie der Entwicklung von Untergrund- und Oberflächenprojekten einbringen soll, soll Energie Steiermark insbesondere Aufgaben in der regionalen Energieinfrastruktur und Systemintegration übernehmen. Darüber hinaus verantwortet der steirische Energieversorger den Bau und Betrieb der rund 20 Kilometer langen Fernwärme-Transportleitung nach Graz mit einem Investitionsvolumen von rund 150 Millionen Euro. 

www.e-steiermark.com

www.omv.at

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