Es beginnt immer gleich. Der Karton wird aufgerissen, die Teile breiten sich über den ganzen Boden aus, und für einen kurzen Moment glaubt man noch, das hier in einer halben Stunde hinter sich zu bringen. Dann kommt Schraube C in Loch F, das es laut Anleitung gar nicht geben dürfte, der Inbusschlüssel schmerzt in den Fingern, und irgendwer sagt "Lass mich mal machen". Ab da geht es nicht mehr ums Regal, sondern ums Prinzip. Wie Europa den Möbelaufbau erlebt, zeigt nun eine Studie, für die das Marktforschungsinstitut YouGov im Auftrag des Onlinehändler Galaxus insgesamt 5.226 Personen in fünf Ländern befragt hat, 1.051 davon in Österreich (siehe Infobox). Mit einem Ergebnis, das hierzulande besonders deutlich ausfällt.
Streit ums Regal
Zunächst geben hierzulande 21 Prozent der Befragten an, beim Möbelaufbau schon einmal mit der Partnerin oder dem Partner gestritten zu haben. Fünf Prozent berichten von einem größeren Streit, 16 Prozent von einem kleineren. Ganz reibungslos läuft es aber auch sonst nicht immer. Weitere 25 Prozent kennen zumindest die angespannte Stimmung, die sich zwischen Schraube und Dübel aufbauen kann, ohne dass es zum offenen Streit kommt. Bei 28 Prozent verläuft der gemeinsame Aufbau dagegen völlig problemlos.
Im europäischen Vergleich liegt Österreich damit im Mittelfeld. Am häufigsten wird in Italien gestritten, wo insgesamt 34 Prozent von kleinen oder großen Konflikten berichten. Am friedlichsten geht es in der Schweiz zu, wo nur 14 Prozent jemals beim Aufbau aneinandergeraten sind. Allerdings dürfte dort einiges hinuntergeschluckt werden: 30 Prozent der Schweizer:innen berichten von angespannter Stimmung ohne offenen Streit, in Italien sind es lediglich neun Prozent.
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Zwischen Freude und Frust
Trotz des offenbar großen Streitpotenzials bauen viele Menschen ihre Möbel prinzipiell gerne auf. In Österreich sagen etwa 47 Prozent, dass sie gerne zum Werkzeug greifen. 23 Prozent erledigen die Aufgabe ohne große Begeisterung, elf Prozent stresst sie, vier Prozent frustriert sie. 14 Prozent der Österreicher:innen bauen ihre Möbel gar nicht erst selbst auf. Auch hier liegt Österreich im Mittelfeld: Spitzenreiter ist Italien mit 58 Prozent, die sich an der Aufgabe erfreuen, das Schlusslicht bildet Deutschland mit 41 Prozent.
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Über alle Länder hinweg zeigt sich zudem ein Geschlechtergraben. Männer schrauben mit 52 Prozent etwas lieber als Frauen mit 48 Prozent. Vor allem aber überlassen Frauen die Aufgabe häufiger ganz: 19 Prozent von ihnen bauen nie selbst auf, bei den Männern sind es nur sieben Prozent. Und die Lust am Schrauben sinkt wohl auch mit dem Alter. Bei den über 60-Jährigen machen es demnach noch 43 Prozent gerne, während 22 Prozent gar nicht mehr selbst Hand anlegen.
Wenn der Aufbau scheitert
Dass beim Zusammenbauen etwas danebengeht, ist eher die Regel als die Ausnahme. Rund die Hälfte aller Befragten hat schon einmal Teile falsch montiert (51 %). Bei 23 Prozent stand das Möbelstück danach wacklig da, bei 19 Prozent gingen Teile zu Bruch. 15 Prozent haben beim Werken etwas anderes beschädigt, etwa den Boden oder die Wand. 13 Prozent haben die Anleitung ignoriert und es anschließend bereut, zwölf Prozent haben sich beim Aufbau sogar verletzt.
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Wer nicht weiterkommt, ruft am häufigsten den:die Partner:in zu Hilfe (37 %). Dahinter folgen Video-Tutorials mit 31 Prozent sowie Freund:innen oder Nachbar:innen mit 30 Prozent. Professionelle Hilfe holen sich nur neun Prozent, sobald die Pakete erst einmal offen sind. Zudem fragen inzwischen sieben Prozent eine Künstliche Intelligenz um Rat, während sich knapp ein Viertel grundsätzlich von niemandem helfen lässt.
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Sechs von zehn holen den Profi
Apropos Hilfe: Nirgendwo in Europa wird so bereitwillig für den Möbelaufbau bezahlt wie in Österreich. So haben laut Umfrage sechs von zehn Befragten hierzulande schon mindestens einmal einen Montageservice in Anspruch genommen. 14 Prozent tun das immer oder meistens, 24 Prozent gelegentlich und 21 Prozent zumindest selten. Nur 40 Prozent der Österreicher:innen haben noch nie dafür bezahlt, dass jemand anderes zum Schraubenzieher greift.
Im restlichen Europa sieht das anders aus. Am eigenständigsten schraubt Frankreich, wo drei Viertel der Befragten noch nie für eine Montage bezahlt haben. Das dürfte auch kulturelle Gründe haben: Das Heimwerken, die "Bricolage", gilt dort als Volkssport und für drei Viertel der Befragten sogar als "Quelle von Vergnügen". In Deutschland und der Schweiz hat jeweils die Hälfte noch nie einen Montageservice genutzt, in Italien sind es 45 Prozent. Am Ende steht in ganz Europa meist ein fertiges Regal. In Österreich nur etwas häufiger eines, das jemand anderer zusammengebaut hat.
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