Gratis-Reinigung für Robotertraining
KI-Firma putzt Wohnungen für Daten statt für Geld

| Larissa Bilovits 
| 25.06.2026

In New York können Bewohner:innen derzeit per App kostenlos Putzkräfte in ihre Wohnung schicken. Ganz ohne Gegenleistung bleibt das Angebot aber nicht.

Eine blitzsaubere Wohnung, ohne selbst einen Finger zu rühren und ohne dafür einen Cent zu bezahlen. Was nach einem zu schönen Werbeversprechen klingt, gibt es tatsächlich, allerdings mit einem Haken, der auf der Kappe der Putzkraft sitzt. Hinter dem Angebot steht die KI-Firma Micro AGI, deren App "Shift" in New York gratis Reinigungstrupps verschickt und im Gegenzug intime Einblicke in fremde Wohnungen mitfilmt.

Kamera filmt intime Einblicke

Die Reinigungskräfte selbst arbeiten nicht aus Nächstenliebe, sondern für rund 17 Euro pro Stunde. Das eigentlich Ungewöhnliche tragen sie am Kopf, nämlich eine kleine, mit dem Handy gekoppelte Kamera, die beim Putzen ununterbrochen mitläuft. Ein BBC-Journalist, der den Dienst selbst getestet hat, beschreibt die Truppe als beinahe gewöhnliches Reinigungspersonal, dem einzig dieses technische Detail anhaftet.

Auffällig sei dabei, worauf sich die Helfer:innen konzentrieren. Statt einfach schnell durchzuwischen, widmen sie sich besonders jenen Handgriffen, die Fingerspitzengefühl verlangen. Geschirr spülen, Wäsche zusammenlegen, Schuhe ordnen, Betten machen. Genau diese feinmotorischen Tätigkeiten sind das Material, mit dem künftige Roboter lernen sollen, ihre Hände im echten Leben einzusetzen. Die saubere Wohnung ist damit fast ein Nebenprodukt, der eigentliche Wert steckt in den Aufnahmen.

Daten statt Bargeld und ein altbekanntes Risiko

Warum diese Videos für ein KI-Unternehmen so kostbar sind, hat einen einfachen Grund. Im Labor lassen sich Küchen und Spülbecken zwar nachstellen, doch keine Simulation liefert das, was echte Wohnungen mitbringen. Anderes Licht, andere Oberflächen, andere kleine Unordnung in jedem Haushalt. Diese Vielfalt des Alltags macht die Mitschnitte für Micro AGI so wertvoll, dass sich die kostenlose Putzaktion am Ende rechnet, nur eben nicht für die Bewohner:innen.

Dass dabei sehr persönliche Momente auf fremden Festplatten landen, ist kein theoretisches Problem. Schon in der Vergangenheit gelangten Aufnahmen aus dem Inneren von Wohnungen ins Netz, etwa als Bilder einer Frau auf der Toilette aus einem ähnlichen Projekt auftauchten, nachdem menschliche Trainer:innen sie auf Facebook gepostet hatten. Auch bei Shift werten Menschen die Videos aus. Micro AGI verspricht zwar Anonymisierung und betont, das Material werde niemals öffentlich geteilt, doch die Nachfrage bleibt selbst Wochen nach dem Start hoch. Geplant sind bereits weitere Gratis-Dienste, vom Installateur über das Kochen bis hin zu Bauarbeiten. 

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV