Fotos & Video vom Austrian Family Business Summit
Familienunternehmen diskutierten über Standortfrust und Zukunftspläne

| Larissa Bilovits 
| 30.06.2026

Beim ersten "Austrian Family Business Summit" wurden Betriebe aus dem ganzen Land um ihre Einschätzung zur heimischen Wirtschaftspolitik gebeten. Das Ergebnis fiel eher bescheiden aus. LEADERSNET.tv war dabei und fragte bei Initiator:innen, Speaker:innen und Teilnehmer:innen nach, wo aus ihrer Sicht der Schuh drückt und welche Rahmenbedingungen es braucht, damit Familienbetriebe auch künftig erfolgreich wirtschaften können.

Am 25. Juni kamen im Linzer Design Center zahlreiche Eigentümer:innen und Führungskräfte aus heimischen Familienbetrieben zusammen, um im Rahmen des ersten "Austrian Family Business Summit" ihre Einschätzung zur heimischen Wirtschaftspolitik abzugeben. Das Ergebnis der digitalen Saal-Abstimmung zeigte, dass die Zufriedenheit der Unternehmer:innen sich wohl eher im bescheidenen Bereich bewegt. Wie sich dieser Zustand ändern ließe, war anschließend Gegenstand eines dicht gepackten Programms aus Keynotes, Vorträgen und Diskussionsrunden.

Eine neue Stimme für Österreichs Familienbetriebe

Zum Summit eingeladen hatten Richard Mauerlechner und Thomas Perdolt, die beiden Initiatoren und geschäftsführenden Gesellschafter der Initiative Österreich 2040. Diese verstehe sich als "neue Interessenvertretung für die eigentümergeführten Unternehmen in Österreich", wie Mauerlechner im Interview mit LEADERSNET.tv erklärte. "Eigentümergeführte Unternehmen leisten rund 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, stellen 65 Prozent der Beschäftigten in Österreich brauchen deswegen auch eine starke Interessenvertretung für sich – und das sind wir."

"Die Familienbetriebe selbst haben keinen Zugang zur Bundespolitik. Und das ist es, was wir ihnen mit unserer Initiative ermöglichen wollen – ihre Sorgen, ihre Ängste, ihre Herausforderungen loszuwerden", ergänzte Perdolt gegenüber LEADERSNET.tv.

Wettbewerbsfähigkeit als zentrale Standortfrage

Durch den Tag führte ORF-Moderatorin Claudia Reiterer. Im Mittelpunkt des Programms stand eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion über die Frage, was Österreichs Familienbetriebe brauchen, um 2040 erfolgreich zu sein. Neben Wolfgang Hattmannsdorfer (Bundesminister für Wirtschaft, Energie und Tourismus) disktutierten dort Manuela Lindlbauer (Eigentümerin, Lindlpower Personalmanagement GmbH), Albert Schmidbauer (Eigentümer, Biogena GmbH & Co KG) und Christian Lengauer (Herausgeber & Eigentümer, Weekend Mediengruppe).

"Familienunternehmen sind das Rückgrat unserer Wirtschaft. Sie sind vor allem verlässlicher Partner, weil sie immer ein Interesse am Standort, an den Mitarbeiter:innen haben", betonte Hattmannsdorfer im Gespräch mit LEADERSNET.tv und erklärte weiters: "Die match-entscheidende Frage ist unsere Wettbewerbsfähigkeit. Nur das schafft Arbeitsplätze, nur das schafft Sozialstaat. Und deswegen bin ich dankbar, dass es Initiativen gibt, die ganz oft auch den Finger in den Wunden legen. Wir haben, was die Wettbewerbsfähigkeit betrifft, massiv Aufholbedarf und es ist immer wichtig, wenn Praktiker:innen und Unternehmer:innen ganz klar sagen, was braucht es, um auch in Zukunft Arbeitsplätze schaffen zu können."

Vom Täterprofil bis zur Zukunftsforschung

Darüber hinaus spannte das Programm einen inhaltlich weiten Bogen. So übernahm etwa Fallanalytiker Thomas Müller die Eröffnungskeynote, in der er über die unsichtbaren Kräfte Macht, Angst und Verantwortung in Familienunternehmen sprach. Anschließend widmete sich Family-Governance-Expertin Anita Zehrer der Frage, warum so viele Unternehmensnachfolgen scheitern und wie sie gelingen können.

Marktforscher Dieter Scharitzer präsentierte überdies mit dem eigens für die Initiative entwickelten "Zukunftsindex Familienunternehmen 2040" eine datenbasierte Standortbestimmung und ordnete Österreichs Familienbetriebe im europäischen Vergleich ein. Die vom Marktforschungsinstitut TQS Research & Consulting durchgeführte Befragung von 103 Familienunternehmen zeichnet ein zwiespältiges Bild. Intern sehen sich die Betriebe solide aufgestellt, etwa bei Krisenfestigkeit und langfristigem Denken, und bewerten ihre eigene Zukunftsfähigkeit im Schnitt mit 86 von 100 Punkten. Deutlich kritischer fällt der Blick auf die Standortbedingungen aus, allen voran auf die Kostenbelastung aus Steuern, Löhnen und Energie. "Das eigene Haus ist in Ordnung – die Politik und die Rahmenbedingungen für den Wettbewerbsstandort Österreich sind es nicht", brachte es Scharitzer auf den Punkt.

Am Nachmittag zeigte KI-Experte Patrick Ratheiser, wie Familienbetriebe Künstliche Intelligenz vom Schlagwort zum produktiven Werttreiber machen können. Unter der Leitung von Thomas Bieber diskutierten dann Clemens Nowotny und Thomas Kiesenhofer von LeitnerLeitner die steuerpolitischen Weichenstellungen für den Standort. In weiterer Folge beleuchtete Florian Zapkau von der WU Wien, warum manche Familienunternehmen internationale Märkte erobern und andere bewusst regional bleiben, während Michel Reimon, ehemaliger EU-Abgeordneter, die Folgen der neuen Entgelttransparenz-Richtlinie analysierte. Die Closing-Keynote bestritt schließlich das Zukunftsforscher-Paar Oona Horx-Strathern und Matthias Horx mit einem Plädoyer für Future Literacy.

Award für mehr wirtschaftliche Bildung

Erstmals verliehen wurde zudem im Rahmen des Summits der Austrian Family Business Award. Ausgezeichnet wird dabei jene Forderung, die in der Abstimmung unter den teilnehmenden Familienbetrieben die größte Zustimmung erhält. Den Zuschlag bekam Johann Scheuringer (CEO & Mehrheitseigentümer, Josko Fenster und Türen GmbH) für seine Forderung nach mehr wirtschaftlicher und finanzieller Bildung.

Worum es ihm dabei konkret geht, erklärte Scheuringer im LEADERSNET.tv-Interview so: "Es geht um mehr wirtschaftliche Bildung in der Schule. Einfache Sachen wie Verzinsung, Bankwissen, Wirtschaftswissen, auch für mich persönlich. Also nicht nur im Sinne eines Unternehmers, sondern auch im Sinne einer Privatperson."

Unsere Interviewpartner:innen

Neben Wolfgang Hattmannsdorfer (Bundesminister für Wirtschaft, Energie und Tourismus), Richard Mauerlechner (Initiator & geschäftsführender Gesellschafter, Initiative Österreich 2040), Thomas Perdolt (Initiator & geschäftsführender Gesellschafter, Initiative Österreich 2040) und Johann Scheuringer (CEO & Mehrheitseigentümer, Josko Fenster und Türen GmbH) holte LEADERSNET.tv auch noch Gerhard Schlögel (Initiator, "Hermes" Wirtschaftspreises), Monica Rintersbacher (GF, Leitbetriebe Austria), Albert Schmidbauer (Eigentümer, Biogena GmbH & Co KG), Dieter Scharitzer (GF, TQS Research & Consulting KG), Hannes Böhm (Vertriebsleiter Ost, café+co Österreich), Manuela Lindlbauer (Eigentümerin, Lindlpower Personalmanagement GmbH), Patrick Ratheiser (Director & Head of AI, EY Österreich), Alfred Koblinger (Gründer & GF, Iqonic Solutions GmbH), Peter Affenzeller (GF, Peter Affenzeller Whiskydestillerie Erlebnis- & Genusswelt), Bernd Taucher (CEO, Bernd Taucher Corporate Advisory), Claudia Reiterer (Journalistin & Moderatorin), Michael Gerster (GF, Paneelpartner GmbH), Jürgen Brettschneider (GF, Mautner Markhof Feinkost), Christian Lengauer (Herausgeber & Eigentümer, Weekend Mediengruppe), Harald Mayrhofer (Operative Leitung Westen, easystaff), Clemens Nowotny (Partner International & Corporate Tax Law, LeitnerLeitner Austria), Oona Horx-Strathern (Managing Director, Speaker & Writer, Horx Future GmbH), Matthias Horx (Zukunftsredner & GF, Horx Future GmbH) und Michaela Keplinger-Mitterlehner (CMO, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich) vor die Kamera.

Eindrücke sehen Sie zudem in unserer Galerie.

www.familybusiness-summit.at

www.initiativeoesterreich2040.at

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