Die KIM-VO (Kreditinstitute-Immobilienfinanzierungsmaßnahmen-Verordnung), die strengen Regeln für die Vergabe von Wohnkrediten vorgegeben hatte, wurde im August 2022 erlassen und war zum Schutz vor Überlastung und (Privat-)Insolvenz gedacht. 20 Prozent Eigenkapital waren Pflicht, und der Prozentsatz des Familieneinkommens, der für eine Kredittilgung aufgewendet werden durfte, war ebenfalls reglementiert. Das sorgte nicht nur für weniger Vertragsabschlüsse in der Kreditwirtschaft, sondern machte sich auch in vielen anderen Branchen bemerkbar. Das Finanzmarktstabilitätsgremium (FMSG) beschloss daher im Dezember 2024, die Verordnung mit 30. Juni 2025 auslaufen zu lassen (LEADERSNET berichtete u.a. hier und hier). Auch wenn die gesetzlichen Vorgaben mittlerweile ausgelaufen sind, orientieren sich die Banken weiterhin an bewährten Standards bei der Bonitäts- und Leistbarkeitsprüfung.
Wahrnehmung kaum verändert
Ein Jahr nach dem Ende der KIM-Verordnung hat sich die Wahrnehmung der Österreicher:innen hinsichtlich der Finanzierung von Wohneigentum allerdings kaum verändert. Das geht aus einer aktuellen Gallup-Umfrage (siehe Infobox) im Auftrag von Raiffeisen Immobilien Österreich hervor. Demnach glauben lediglich 18 Prozent der Befragten, dass Wohnkredite heute leichter erhältlich sind als noch während der Geltung der Verordnung. 34 Prozent erkennen keine Erleichterung, während sich 48 Prozent dazu keine Einschätzung zutrauen.
Unverändert hoch bleibt auch die Bedeutung der Finanzierung beim Immobilienkauf. Für 49 Prozent der Befragten stellt sie die größte Herausforderung auf dem Weg ins Eigenheim dar.
Banken verfügen wieder über mehr Möglichkeiten
Peter Weinberger und Peter Mayr, Sprecher von Raiffeisen Immobilien Österreich, sehen dennoch eine Diskrepanz zwischen der öffentlichen Wahrnehmung und den tatsächlichen Möglichkeiten. "Die Ergebnisse zeigen, dass viele Menschen nach wie vor davon ausgehen, dass die Finanzierung von Wohneigentum besonders schwierig ist. Tatsächlich haben Banken in den vergangenen Jahren jedoch viel Erfahrung gesammelt und gute Wege gefunden, Kund:innen auch unter anspruchsvollen Rahmenbedingungen beim Eigentumserwerb zu begleiten", so Weinberger und Mayr.
Wer den Kauf einer Immobilie plane, sollte deshalb möglichst früh das Gespräch mit seiner Bank suchen und die individuellen Finanzierungsmöglichkeiten ausloten, betonen die beiden Sprecher.
Günstige Kredite und Förderungen als wichtigste Unterstützung
Die Gallup-Studie zeigt außerdem, welche Maßnahmen aus Sicht der Bevölkerung den Eigentumserwerb erleichtern könnten. Für 48 Prozent der Befragten zählen günstige Hypothekarkredite der Banken zu den wichtigsten Hebeln. Weitere 42 Prozent sehen in den geförderten Darlehen der Bundesländer eine wesentliche Unterstützung.
Weinberger verweist darauf, dass sich viele Interessierte vorschnell gegen Wohneigentum entscheiden. Förderungen, unterschiedliche Finanzierungsmodelle oder individuelle Lösungen könnten oftmals mehr Spielraum eröffnen als zunächst angenommen. Voraussetzung sei jedoch, dass Interessierte aktiv das Gespräch mit Finanzierungsexpert:innen suchten. Wer nicht nachfrage, erfahre häufig gar nicht, welche Möglichkeiten tatsächlich bestünden.
Informationsbedarf bleibt hoch
Dass Fragen rund um die Immobilienfinanzierung weiterhin viele Menschen beschäftigen, habe Anfang Juni auch das 3. Salzburger Immobilienforum von Raiffeisen Immobilien Salzburg gezeigt. Wohnkredite, Leistbarkeit und die Folgen des Auslaufens der KIM-Verordnung hätten dort zu den meistdiskutierten Themen des Abends gezählt.
Wohneigentum gewinn als Altersvorsorge an Bedeutung
Nach Einschätzung von Peter Mayr zeigt das große Interesse an der Veranstaltung, dass viele Menschen weiterhin Orientierung bei der Finanzierung von Wohneigentume suchen würden. Gleichzeitig bleibe das Eigenheim für viele Österreicher:innen ein wichtiges Lebensziel und gewinne zunehmend als Baustein der privaten Altersvorsorge an Bedeutung.
Die Ergebnisse der Gallup-Umfrage würden dies ebenfalls unterstreichen. Demnach betrachten bereits 42 Prozent der Kaufinteressierten eine Immobilie ausdrücklich als Vorsorge für das Alter.
"Umso wichtiger ist es, alle Finanzierungsmöglichkeiten offen und individuell zu prüfen. Gute Lösungen entstehen meist im persönlichen Dialog zwischen Kund:innen und Bankberater:innen. Profiberatung mit viel Erfahrung zahlt sich aus und das hatte in der Zeit der KIM-Verordnung sowie auch aktuell seine Gültigkeit", so Mayr abschließend.
www.raiffeisen-immobilien.at
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