Editorial des Herausgebers
Eine Insel zahlt die Rechnung

| Wolfgang Zechner 
| 22.06.2026

Vor zehn Jahren stimmte Großbritannien für den Brexit. Es ist ein Jubiläum, das niemand so recht feiern mag. Denn die wirtschaftliche Bilanz fällt ernüchternd aus. Gerade für Handel und Lebensmittelwirtschaft liefert die Entwicklung eine Lektion, die weit über die Insel hinausreicht.

Vor zehn Jahren versprach man den Brit:innen mehr Freiheit, mehr Wachstum und mehr Kontrolle. Heute, zehn Jahre nach dem Brexit-Referendum, ist vor allem eines gewachsen: die Ernüchterung.

Ökonom:innen streiten bekanntlich über vieles. Beim Brexit herrscht hingegen bemerkenswerte Einigkeit. Die britische Wirtschaft ist heute kleiner, als sie ohne den Austritt aus der Europäischen Union wäre. Schätzungen gehen von vier bis sechs Prozent aus. Das klingt abstrakt, bedeutet aber weniger Wohlstand, geringere Steuereinnahmen und weniger Investitionen.

Besonders deutlich zeigen sich die Folgen dort, wo auch KEYaccount zu Hause ist: im Handel und in der Lebensmittelwirtschaft.

Zusätzliche Grenzkontrollen, neue Formulare, mehr Bürokratie und höhere Kosten haben den Warenverkehr erschwert. Die britischen Agrar- und Lebensmittelexporte in die Europäische Union sind massiv zurückgegangen. Viele kleinere Unternehmen haben den Export auf den Kontinent mittlerweile ganz aufgegeben. Nicht weil ihre Produkte schlechter geworden wären, sondern weil der Aufwand zu groß geworden ist.

Die eigentliche Pointe liegt jedoch woanders.

Europa ist trotz Brexit weiterhin mit Abstand der wichtigste Handelspartner Großbritanniens. Zehn Jahre politischer Debatten konnten eine einfache geografische Tatsache nicht verändern: Märkte funktionieren nicht nach Ideologien, sondern nach Entfernungen, Lieferketten und wirtschaftlicher Vernunft.

Auch deshalb sollte die Entwicklung auf der Insel für Österreich interessant sein. Gerade in Zeiten, in denen auch hierzulande wieder einfache Antworten auf komplexe Fragen Konjunktur haben. Die Vorstellung, man könne wirtschaftliche Verflechtungen mit einem Federstrich auflösen und danach automatisch erfolgreicher werden, hat sich jedenfalls als Illusion erwiesen.

Das bedeutet nicht, dass die Europäische Union perfekt ist. Das ist sie nicht. Aber die vergangenen zehn Jahre zeigen eindrucksvoll, was passiert, wenn politische Symbolik auf wirtschaftliche Realität trifft.

Die Realität gewinnt.

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