LEADERSNET: Die neue, bereits siebente Ausgabe von aehre ist erschienen. Am Cover steht diesmal Anna Ressmann – und damit auch der Fußball im Mittelpunkt. Warum dieser Einstieg?
Annabel Köle-Loebell: Weil Fußball weit mehr ist als 90 Minuten, Tore und Emotionen. Er ist ein Spielfeld gesellschaftlicher Fragen – und damit auch ein Spielfeld wirtschaftlicher Fragen: Sichtbarkeit, Geld, Macht, Fairness, Nachwuchs, Sponsoring, Identifikation und Verantwortung. Genau deshalb passt Anna Ressmann sehr gut auf das Cover von aehre. Wir schauen nicht nur auf den Ball, sondern auf das System dahinter – und genau das tun wir bei aehre grundsätzlich: Wir gehen dorthin, wo andere Medien oft nicht genauer hinschauen. Uns interessieren die Themen hinter den Themen und die neuen Spielregeln, die gerade entstehen. Beim Fußball genauso wie in der Wirtschaft.
LEADERSNET: Im Editorial sprechen Sie von einer Zeit, in der der Wind rauer geworden ist. Was bedeutet das für ein Magazin wie aehre?
Grazia Nordberg Constantini: Man kann derzeit schwer so tun, als wäre alles leicht. Trump, Kriege, wirtschaftliche Unsicherheit, gesellschaftliche Polarisierung, ein gewisser ESG-Backlash – all das verändert die Stimmung. Aber der Gegenwind macht die Themen nicht weniger relevant – er zwingt nur zu mehr Klarheit. Gerade jetzt zeigt sich, ob Transformation nur Kampagnensprache war oder tatsächlich Teil der Unternehmenslogik ist.
Annabel Köle-Loebell: aehre war von Anfang an ein Magazin des konstruktiven Journalismus: Wir suchen nicht den moralischen Zeigefinger, sondern die Best Cases, die Lösungen und die Menschen dahinter. Uns interessiert nicht das bessere Gewissen, sondern das bessere Denken. Wir wollen zeigen, wo Transformation passiert, wo Innovation ernst gemeint ist, wo Unternehmen Verantwortung übernehmen, aber auch wo es Reibung gibt. Zuversicht heißt für uns nicht, die Realität weichzuzeichnen. Zuversicht heißt, trotzdem handlungsfähig zu bleiben.
LEADERSNET: aehre ist ursprünglich als Nachhaltigkeits-Businessmagazin gestartet. Jetzt sprechen Sie stärker von einem neuen Businessmagazin. Was hat sich verändert?
Annabel Köle-Loebell: Wir haben uns mit dem Markt mitentwickelt – und vielleicht auch ein Stück weit gegen ihn. Am Anfang war Nachhaltigkeit als Begriff sehr stark mit ESG, Regulierung, Klimafragen und Reporting verbunden. Das war richtig und wichtig. Aber inzwischen merken wir: Wenn man Nachhaltigkeit zu eng versteht, wird sie kleiner, als sie eigentlich ist.
Grazia Nordberg Constantini: Deshalb bewegen wir uns weiter: von einem Nachhaltigkeits-Businessmagazin zu einem nachhaltigen Businessmagazin – und jetzt zu einem Businessmagazin, das für nachhaltige Werte steht. Für Innovation, Transformation, Regeneration, Verantwortung, neue Geschäftsmodelle und neue Führungslogiken. Es geht nicht mehr nur um die Frage, wie Unternehmen weniger Schaden anrichten. Es geht darum, wie Wirtschaft wieder mehr Zukunft erzeugen kann.
LEADERSNET: Heißt das, der Begriff Nachhaltigkeit ist für Sie schwieriger geworden?
Grazia Nordberg Constantini: Er ist nicht schwieriger geworden, aber er wurde manchmal zu eng, zu technisch oder zu mühsam erzählt. Nachhaltigkeit ist kein Ressort mehr, sie ist eine Haltung in der Unternehmensführung. Sie betrifft Strategie, Personal, Kapital, Produktion, Kommunikation, Nachfolge, Innovation und Kultur.
Annabel Köle-Loebell: Genau. Wir wollen den Begriff wieder aufmachen. Nachhaltig heißt für uns: vorausschauend, werthaltig, regenerativ, verantwortungsvoll. Nicht nur im ökologischen Sinn, sondern auch im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen. Ein Unternehmen, das nur kurzfristig performt, aber keine Resilienz, keine Innovationskraft und keine Glaubwürdigkeit aufbaut, ist aus unserer Sicht nicht nachhaltig.
LEADERSNET: aehre ist seit dem Start 2023 von Anfang an mehr als ein Printmagazin. Wie sieht das Medienuniversum heute aus?
Annabel Köle-Loebell: Wir denken aehre konsequent in 360 Grad. Print bleibt wichtig, weil es Tiefe, Wertigkeit und Ruhe schafft. Das E-Magazine macht Inhalte digital zugänglich und teilbar. Der Podcast vertieft Gespräche und bringt Stimmen näher an die Community. Social Media sorgt dafür, dass Themen nicht erst mit der nächsten Ausgabe stattfinden, sondern laufend weiterleben.
Grazia Nordberg Constantini: Und der nächste Schritt sind die aehre talks, die wir für Sommer oder Herbst planen. Das wird kein klassisches Panel mit Stehtisch und Pflichtmoderation, sondern ein neues, kuratiertes Talkformat. Persönlicher, inhaltlicher, überraschender. Wir wollen Menschen zusammenbringen, die einander wirklich etwas zu sagen haben – und daraus wieder Content machen, der analog beginnt und digital weiterwirkt.
LEADERSNET: Sie haben diesmal auch wieder renommierte Partner an Bord – erstmals Mercedes-Benz, erneut die Stadt Wien. Was bedeutet das für aehre?
Grazia Nordberg Constantini: Für uns ist das ein wichtiges Signal. Partner:innen sind bei aehre keine reine Anzeigenfläche, sondern Teil eines größeren Themenumfelds. Wenn eine Marke wie Mercedes-Benz erstmals dabei ist und die Stadt Wien erneut mit uns arbeitet, zeigt das, dass aehre als Plattform ernst genommen wird – von Unternehmen, Institutionen und Kommunikationsentscheider:innen.
Annabel Köle-Loebell: Es geht um Vertrauen. Ein Magazin wie aehre braucht Partner:innen, die verstehen, dass gute Kommunikation nicht nur aus Sichtbarkeit besteht. Sie besteht aus Kontext, Glaubwürdigkeit und Relevanz. Wir sind stolz auf diese Partnerschaften, weil sie zeigen: Es gibt weiterhin Unternehmen und Institutionen, die nicht nur kurzfristig kommunizieren wollen, sondern langfristig Haltung zeigen.
LEADERSNET: aehre ist das Flagship-Produkt von AGM. Gleichzeitig entwickeln Sie mit Ihrer Boutique-Publishing-Firma auch Magazine und Reports für Unternehmen – etwa im Bereich Nachhaltigkeit. Was steckt hinter diesem Ansatz?
Annabel Köle-Loebell: aehre ist für uns das Flagship-Produkt von AGM – und sicher auch das beste Beispiel dafür, wie wir Publishing heute verstehen: journalistisch gedacht, hochwertig gestaltet, kanalübergreifend erzählt und digital weitergedacht. Gleichzeitig freuen wir uns sehr, dass wir dieses Know-how inzwischen auch für renommierte österreichische Unternehmen aus der Mineralwasser- und Logistikbranche einsetzen dürfen – etwa bei Nachhaltigkeitsreports in Print und digital.
Grazia Nordberg Constantini: Für uns ist das ein sehr logischer Schritt. Viele Unternehmen haben starke Inhalte, aber sie liegen oft in sehr klassischen Formaten: als PDF, als Bericht, als Präsentation.
Wir übersetzen diese Inhalte in publizierbare Medienprodukte – mit Storytelling, Struktur, Design, digitaler Nutzbarkeit und klarer Zielgruppenlogik. Boutique Publishing heißt für uns: aus Unternehmensinhalten echte Medienprodukte zu entwickeln – mit journalistischem Blick, guter Gestaltung und digitaler Wirkung.
LEADERSNET: Sie sprechen dabei auch über SEO- und GEO-optimierte Magazine und Reports. Was kann ein digitales Magazin besser als ein klassisches PDF?
Grazia Nordberg Constantini: Ein PDF kann informieren, aber es arbeitet selten für die Marke. Es wird hochgeladen, verschickt, vielleicht heruntergeladen – und dann verschwindet es oft in einem Ordner. Ein gutes digitales Magazin ist anders: Es ist mobil lesbar, verlinkbar, messbar, teilbar, suchmaschinenoptimiert und kann laufend weiterverwertet werden.
Annabel Köle-Loebell: Dazu kommt jetzt GEO, also die Optimierung für generative Suchsysteme wie ChatGPT, Perplexity oder Google AI Overviews. Unternehmen müssen sich fragen: Werden unsere Inhalte in Zukunft gefunden, verstanden und korrekt wiedergegeben? Oder finden KI-Systeme nur die Inhalte anderer? Genau hier liegt eine große Chance. Ein SEO- und GEO-optimiertes Magazin oder ein digitaler Nachhaltigkeitsbericht können aus einem statischen Dokument ein echtes Content-Asset machen. Kurz gesagt: Ein PDF liegt. Ein gutes digitales Magazin arbeitet.
LEADERSNET: Vielen Dank!
www.aehre.media
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