Horváth Digital Value Studie 2026
KI frisst 30 Prozent der Digitalbudgets und enttäuscht trotzdem viele Firmen

| Larissa Bilovits 
| 07.05.2026

Laut einer aktuellen Horváth-Studie steigt die Investitionsbereitschaft für Digitalisierung nach einem Jahr der Zurückhaltung heuer wieder deutlich. Gleichzeitig zeigt sich, dass gerade bei KI viele Anwendungen hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Nach einem Jahr der Zurückhaltung ziehen viele Unternehmen ihre Digitalisierungsinvestitionen wieder an. Laut der aktuellen "Digital Value Studie" der Managementberatung Horváth (siehe Infobox) planen rund zwei Drittel der befragten Firmen (67 %), ihre Budgets in diesem Bereich zu erhöhen. Ein immer größerer Teil davon fließt in Künstliche Intelligenz und deren Implementierung, wofür derzeit rund 30 Prozent der Digitalisierungsbudgets draufgehen. Demnach ist die Bereitschaft des Topmanagements, Geld für KI-basierte Lösungen freizugeben, bei 68 Prozent der Befragten deutlich höher als bei anderen Technologien.

Gleichzeitig zeigt die Studie, für die unter anderem mehr als 30 Führungskräfte aus Österreich befragt wurden, aber auch eine Kehrseite: 66 Prozent geben an, dass viele am Markt angebotene KI-Anwendungen bei Reifegrad und Funktionsumfang hinter den Erwartungen zurückbleiben. Als Grund für die gestiegenen Ausgaben nennen die Befragten daher nicht nur tatsächlichen Bedarf, sondern auch den "aggressiven" Vertrieb vieler Anbieter.

Digitalisierung bleibt oft IT-getrieben

"Die Investitionsbereitschaft ist nach einem Jahr der Verunsicherung und des Zögerns deutlich gestiegen – und KI ist längst kein Add-on mehr, sondern integraler Bestandteil der Digitalbudgets", kommentiert Björn Pichler, Principal und Digitalisierungsexperte bei Horváth in Wien, die Studienergebnisse. Entscheidend sei nun, den Wertbeitrag systematisch zu steuern, statt einzelne Projekte ohne Einbettung in End-to-End-Prozesse zu ergänzen. Unternehmen, die das bereits beherrschen, hätten laut Pichler einen strategischen Vorteil, der sich auch operativ rechne.

Die Studie macht zudem deutliche Unterschiede zwischen Europa und den USA sichtbar. Während in den USA mehr als jedes zweite Unternehmen die Verantwortung für die KI-Implementierung bei den CEOs verortet, liegt sie in Österreich und Deutschland vor allem bei den Chief Information Officers (CIO) beziehungsweise der IT-Leitung, wie 70 Prozent angeben. Damit werde Digitalisierung im DACH-Raum weiterhin stark aus einer technischen Perspektive gesteuert, während sie in anderen Märkten häufiger direkt auf Executive-Ebene angesiedelt und damit enger mit strategischen Unternehmenszielen verknüpft sei.

Messung bleibt die große Schwachstelle

Die wichtigsten Hebel für tatsächlich erzielten "Digital Value" sind laut den Befragten bekannt: Digitalisierungseffekte müssten in das Business Performance Management integriert, digitale Wertbeiträge in persönliche Performance-Ziele aufgenommen und Verantwortlichkeiten klar geregelt werden. In der Praxis scheitert es jedoch häufig an der Umsetzung. Als größte Hürden nennen die Studienteilnehmer:innen Silodenken und fehlende bereichsübergreifende Zusammenarbeit (67 %), unzureichendes Ende-zu-Ende-Prozessmanagement (66 %), fehlende KPI-Zielwerte (65 %), Schwächen bei der Implementierung mit (64 %) sowie mangelndes Management-Commitment mit (63 %).

"Die österreichischen Unternehmen wissen, was wirkt. In der Umsetzung mangelt es dann jedoch oft an Disziplin und Konsequenz", so Pichler. Gerade bei Trendthemen bestehe die Gefahr, am konkreten Nutzen vorbeizudigitalisieren. Angesichts hoher Investitionen und starken Kostendrucks brauche es ganzheitliche Strategien, funktionierende Bewertungssysteme mit regelmäßigen Abgleichen sowie klare Verantwortlichkeiten.

Genau bei der Messung zeigt sich laut Studie weiterhin eine Lücke. Weniger als die Hälfte der befragten Unternehmen ermittelt den Wertbeitrag ihrer Digitalisierungsinitiativen regelmäßig im Rahmen eines etablierten Prozesses. Der Anteil liegt bei 44 Prozent. Ein Viertel misst nur bei Bedarf, rund 20 Prozent erfassen den Wertbeitrag lediglich einmalig, elf Prozent gar nicht. Positiv sticht der DACH-Raum heraus: Dort geben 73 Prozent der Unternehmen an, den Wertbeitrag regelmäßig zu messen.

www.horvath-partners.at

Über die Studie

Für die Studie "Digital Value 2026" befragte die Managementberatung Horváth mehr als 200 Unternehmen und Organisationen im DACH-Raum, den USA und Skandinavien, davon 100 Unternehmen aus Deutschland und 30 aus Österreich.

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Über die Studie

Für die Studie "Digital Value 2026" befragte die Managementberatung Horváth mehr als 200 Unternehmen und Organisationen im DACH-Raum, den USA und Skandinavien, davon 100 Unternehmen aus Deutschland und 30 aus Österreich.

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