Millionenpleite in Leoben
Drei Gesellschaften der TDE-Gruppe sind insolvent

| Tobias Seifried 
| 04.05.2026

Der internationale Player im Erdöltechnologie-Bereich ist in finanzielle Schieflage geraten. Während für zwei Sparten eine Sanierung geplant ist, steht der Energiezweig vor dem Aus.

Die globale Krise und Verzögerungen bei der Markteinführung neuer Technologien fordern ihren Tribut am Wirtschaftsstandort Leoben: Drei zentrale Gesellschaften der TDE-Gruppe haben beim Landesgericht Leoben Insolvenzanträge gestellt. Betroffen sind insgesamt 54 Dienstnehmer:innen und Passiva in der Höhe von knapp zehn Millionen Euro (exklusive konzerninterner Verbindlichkeiten).

Die unter der Führung von DI Bouchra Lamik-Thonhauser stehende Unternehmensgruppe ist eng mit Muttergesellschaften in Abu Dhabi verflochten und agiert weltweit als Spezialist für Datenauswertung und Bohrtechnik in der Energieindustrie. Nun hat das Konsortium ein Bündel an Sanierungs- und Konkursanträgen eingebracht, um auf eine akute Liquiditätskrise zu reagieren.

Zwei Sanierungen, ein Konkurs

Die Strategie der Gruppe teilt sich in drei Verfahrensbereiche auf:

  • TDE Digital GmbH: Die ehemalige Holding, die zuletzt auch operativ tätig war, strebt ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung an. Mit Verbindlichkeiten von rund 4,8 Millionen Euro plant das Unternehmen einen Rückzug auf die reine Holdingfunktion. Der operative Bereich soll eingestellt oder ausgelagert werden.
  • TDE Thonhauser Data Engineering GmbH: Das Herzstück der Gruppe (softwarebasierte Bohrdatenanalyse) soll ebenfalls über ein Sanierungsverfahren gerettet werden. Hier belaufen sich die Passiva auf rund 4,2 Millionen Euro. Die 31 Dienstnehmer:innen sollen durch eine Konzentration auf den Kernbereich "TDE pronova" abgesichert werden.
  • TDE Energy GmbH: Für das Forschungsunternehmen, das an Lösungen für die Energiewende (z. B. Wasserstoff) arbeitete, wurde ein Konkursverfahren beantragt. Die Gesellschaft hat ihre Tätigkeit faktisch eingestellt und soll geschlossen werden.

Investorenstopp und Auftragsflaute 

Laut Angaben des KSV1870 und des AKV führten hohe Entwicklungsaufwendungen und verzögerte Markteinführungen zu einem massiven Liquiditätsengpass. Ein geplanter Investoreneinstieg konnte trotz vorliegender Zusicherungen bisher nicht finalisiert werden. Erschwerend sei bei der operativen Tochtergesellschaft die überraschende Aufkündigung eines Rahmenvertrages durch einen Geschäftspartner Ende 2025 hinzugekommen, wodurch lukrative Großaufträge wegfielen.

Sanierungsplan und Patente

Den Gläubiger:innen der beiden Sanierungsfälle wird eine Quote von 20 Prozent innerhalb von zwei Jahren angeboten. Die Fortführung soll durch Kautionen von dritter Seite gesichert werden. Ein wesentlicher Wertfaktor im Verfahren werden den Kreditschützer:innen zufolge die zahlreichen Patente der Gruppe sein, deren Bewertung über die Befriedigung der insgesamt über 70 Gläubiger:innen mitentscheiden wird.

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