Tektonische Verschiebungen im globalen Gefüge
Beim Ranking der innovativsten Autobauer gibt es eine große Überraschung

| Tobias Seifried 
| 29.04.2026

Historische Zäsur am globalen Automobilsektor: Erstmals wurde ein chinesischer Hersteller zum innovationsstärksten Autobauer gekürt. Während deutsche Branchengrößen auf die Plätze verwiesen werden, gerät Tesla ins Hintertreffen.

Die technologische Vorreiterschaft in der globalen Automobilindustrie hat sich fundamental verschoben. Laut der aktuellen AutomotiveInnovations Studie des Center of Automotive Management (CAM) fungiert erstmals ein chinesischer Hersteller als innovationsstärkster Automobilkonzern der Welt. Mit 157 Indexpunkten führt BYD das Ranking 2026 klar an und verweist den Vorjahressieger Volkswagen Group (143 Punkte) sowie die Mercedes-Benz Group (134 Punkte) auf die weiteren Podestplätze.

Tektonische Verschiebungen im globalen Gefüge

Die Dominanz chinesischer Akteure wird durch die Platzierungen von Xiaopeng (Xpeng) und der Geely unterstrichen, die sich ebenfalls in der Spitzengruppe etablieren konnten. CAM-Direktor und Studienleiter Stefan Bratzel sieht darin eine neue Qualität des Branchenumbruchs: "Mit BYD wurde nicht nur erstmals ein chinesischer Automobilkonzern Innovationsführer. Zusammen mit Xpeng und der Geely Group rangieren drei chinesische Konzerne unter den Top-6 der innovationsstärksten Automobilhersteller des Jahres und heben die tektonische Verschiebung in der Automobilindustrie auf ein neues Niveau."

AutomotiveINNOVATIONS Studie/Award 2026© CAM

Die Innovationskraft von BYD stütze sich dabei auf ein breites Portfolio an Weltneuheiten, insbesondere in den Bereichen autonomes Fahren und Ladeinfrastruktur. So installiere der Konzern aktuell ein Netz von Hyperchargern, die in fünf Minuten Energie für 400 Kilometer Reichweite nachladen könnten (LEADERSNET berichtete).

Deutsche Hersteller im Aufholprozess

Trotz des Verlusts der Spitzenposition zeigt die Volkswagen Group Resilienz. Der Konzern profitiere vor allem von der Markenstärke von Audi und Porsche. Audi setze Maßstäbe bei Assistenzsystemen, etwa durch einen Nothalteassistenten, der selbstständig Fahrspuren wechseln könne. Mercedes-Benz verteidige indes seine Position als innovationsstärkste Premiummarke. Insbesondere das Modell CLA, das heuer zum "Car of the Year" gewählt wurde (LEADERSNET berichtete) überzeuge durch Bestwerte bei Reichweite und Stromverbrauch in der Mittelklasse.

Laut Bratzel hätten die deutschen Hersteller die Talsohle von 2023 hinter sich gelassen, auch wenn der Abstand zu den chinesischen Wettbewerbern weiterhin fast 20 Prozentpunkte betrage. Er betont, dass das Überleben in der Branche künftig von einem "magischen Innovationsdreieck" abhänge: "Die Erfolgsformel basiert wesentlich auf der Kombination von breiten Kompetenzen in Zukunftstechnologien, hoher Innovationsgeschwindigkeit und niedrigen Entwicklungs- und Herstellungskosten."

Volumenmarken und technologische Diversität

Im Segment der Volumenmarken belegt BYD ebenfalls den ersten Rang, gefolgt von Renault und Toyota. Während Renault mit "Vehicle-to-Grid"-Funktionen im Minicar-Segment punkte, halte Toyota am Brennstoffzellenantrieb fest und steigere die Reichweite des Modells Mirai um rund 20 Prozent.

AutomotiveINNOVATIONS Studie/Award 2026© CAM

Auffallend sei die Schwäche anderer etablierter Akteure. Tesla enttäusche im aktuellen Ranking und fällt auf Rang 24 zurück – das schlechteste Ergebnis seit Beginn der Bewertung im Jahr 2013. Auch deutsche Volumenmarken suchen man in den Top-10 vergeblich; die Kernmarke Volkswagen belegt derzeit lediglich Rang elf, wobei für die kommenden Jahre durch neue Serienmodelle Besserung erwartet werde.

www.auto-institut.de

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