Zwischen Weltlage und Reformen
Heimischer Tourismus setzt auf Digitalisierung und Optimismus

| Janet Teplik 
| 13.04.2026

Trotz der angespannten Weltlage blickt Österreichs Tourismusbranche optimistisch auf die kommende Sommersaison. Im Tourismusausschuss betonten Elisabeth Zehetner und Josef Schellhorn, dass die Hotellerie stabil bleibe und gleichzeitig wichtige Schritte in Richtung Entbürokratisierung und technologischer Modernisierung gesetzt werden.

Beim Tourismusausschuss des Nationalrats mit Staatssekretärin Elisabeth Zehetner und Staatssekretär Josef Schellhorn standen die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten auf den heimischen Tourismus sowie die geplanten Maßnahmen zur Entbürokratisierung im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Ein positiver Blick nach vorn 

Entgegen den Befürchtungen gaben die beiden Staatssekretär:innen Entwarnung und betonten, dass trotz aktuell schwieriger Weltlage die heimische Tourismusbranche mit einer guten Sommersaison rechne. Zwar könne man derzeit die Auswirkungen der Eskalationen im Nahen Osten auf den österreichischen Tourismus nicht genau bestimmen, die Hotellerie sei jedoch für die kommende Saison "vorsichtig optimistisch", denn es seien "keine Einbrüche zu erwarten". 

Zudem sind Entbürokratisierungsmaßnahmen geplant – darunter die geplante Einführung eines "digitalen Gästeblatts", Erleichterungen bei Betriebsübergaben und Vereinfachungen bei Preisauszeichnungen. 

Höhere Flugpreise im Visier 

Zehetner führte weiter aus, dass es zu Ostern einen "Riesenboom" an ausländischen Gästen in Wien gegeben habe. Die Hauptherkunftsmärkte im heimischen Tourismus, Deutschland und die Niederlande, seien nicht von den Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten betroffen. Arabische Besucher:innen würden zudem ihre Reise nach Österreich "teilweise nicht stornieren", sondern lediglich verschieben. Dennoch würden Reisebüros aufgrund der aktuellen Unsicherheiten negative Folgen spüren. 

Mit Blick auf den Flugverkehr betonte die Staatssekretärin, dass es keinen Kerosinmangel gebe und man derzeit auch "keinen kommen sehen" würde. Die Austrian Airlines (AUA) profitiere außerdem von ihren Direktverbindungen nach Asien. In höheren Flugpreisen sieht Zehetner jedoch auch eine Chance für den heimischen Tourismus, um sich für inländische Gäste sowie Gäste aus den Nachbarländern als "Naherholungsregion" zu positionieren.

Wiens Chance

Wolfgang Kocevar (SPÖ) stellte bezüglich des Flugverkehrs die Frage, ob man plane, Wien als alternatives Drehkreuz zu Dubai zu etablieren, denn Österreich könne davon profitieren, würden mehr Flugreisende in Wien umsteigen. Dies sei eine Chance, die man nützen müsse, meinte auch Zehetner. Derzeit würde die AUA versuchen "Kapazitäten umzusteuern" und sich bemühen, verstärkt als "Brücke zu Frankfurt und Zürich" zu wirken. 

ÖVP-Vertreterin Tanja Graf wollte zudem angesichts der steigenden Energiepreise wissen, ob Unterstützungsmaßnahmen für die Hotellerie und Gastronomie vorgesehen seien. Die Staatssekretärin verwies diesbezüglich auf bereits erfolgte Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise – wie etwa das Günstiger-Strom-Gesetz. Obendrein sprach sich Zehetner für Schritte hin zu mehr Energieeffizienz aus, denn so könnten die Tourismusregionen als nachhaltige Destinationen punkten und auch Geld sparen, ist sie sich sicher. Chancen sieht sie hierbei vor allem durch die Digitalisierung und smarte Steuerung.

Danach gefragt, ob eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel in der Gastronomie gelten werde, verwies Zehetner auf die Zuständigkeit des Finanzministeriums. 

"Vision T"

Das vergangene Jahr sei für den heimischen Tourismus besonders gut verlaufen, denn es habe sich als "Allzeithoch in der österreichischen Tourismusgeschichte" gezeigt. Bei den Arbeiten am Masterplan für den Tourismus, sprich der "Vision T", würden ebenfalls "sehr gute Fortschritte" erzielt werden. Angesichts der Klimaveränderungen sagte die Staatssekretärin, dass eine Verbreiterung des Programmangebots für Gäste nötig sei. Doch auch der alpine Skitourismus müsse gestärkt werden. Maßnahmen dafür seien Schulskikurse und unterschiedliche Programmoptionen im Winterfamilienurlaub. 

Gertraud Auinger-Oberzaucher (NEOS) erkundigte sich, inwieweit Kulturtourismus bei der Entwicklung mitbedacht werde. Zehetner betonte, dass Vertreter:innen aus der Kultur im Prozess eingebunden seien, da Tourismus und Kultur breit gedacht werden müssten und zusammengehörten. Wahre Wertschöpfung entstehe zudem dort, wo kulturelle Veranstaltungen dazu beitragen, auch außerhalb der Saison Beherbergung- und Gastronomiebetriebe zu füllen. 

Eine Frage der Datenlage

Als Best-Practice-Beispiel nannte Schellhorn Tirol. Das Bundesland sei nicht nur Nummer eins bei den Nächtigungen, sondern habe auch ein "enorm gutes Markenprofil" entwickelt. Tirol habe es außerdem verstanden, landwirtschaftliche Produktion heimischer Lebensmittel in der Marken- und Destinationsentwicklung mitzuberücksichtigen.

Und auch das Thema Kurzzeitvermietungen wurde ins Feld geführt – inklusive der Forderung nach klaren Regeln. Zehetner sagte, man müsse abwarten, was von der EU hinsichtlich der Verordnung zum Datenaustausch bei Kurzzeitvermietungen kommen werde. Eine bessere Datenlage sei eine Chance für klarere Beherbergungsstatistik. Weitere Themen der Aussprache mit Staatssekretärin Zehetner waren unter anderem der Tourismusbeschäftigtenfonds und Saisonkontingente.

Maßnahmen zur Entbürokratisierung

Über das Entbürokratisierungspaket sprach Josef Schellhorn. Dieses wurde Anfang Dezember 2025 vorgelegt und umfasst 113 Maßnahmen. An einem weiteren Paket werde bereits gearbeitet, so Schellhorn. Dieses werde rund 100 Maßnahmen enthalten, die vor allem der "Harmonisierung föderaler Gesetze" dienen sollen. 

Zu den Maßnahmen des ersten Entbürokratisierungspakets, die den Bereich Tourismus betreffen, zählen laut dem Staatssekretär unter anderem die geplante Einführung eines "digitalen Gästeblatts", Erleichterungen bei Betriebsübergaben und Vereinfachungen bei Preisauszeichnungen. Weiter informierte er darüber, dass sich derzeit zwei Arbeitsgruppen mit Vereinfachungen bei der Arbeitnehmerveranlagung und Lohnsteuerverrechnung sowie mit Vereinfachungen von Betriebspflichten befassen. 

Kritik gab es seitens der ÖVP. Laut Gabriel Obernosterer seien die bestehenden Regelungen "im guten Glauben" gemacht worden, vieles sei in der Praxis jedoch nicht "immer behilflich" und müsse daher wieder abgebaut werden. Barbara Neßler von den Grünen erinnerte zudem daran, dass das Paket innerhalb von drei Monaten "spürbare Veränderungen" bringen sollte. Nun würde jedoch alles länger dauern. Schellhorn verwies auf den parlamentarischen Prozess, der einige Zeit in Anspruch nehme. Die Bundesregierung habe zudem aufgrund der budgetären Lage "einen enormen Rucksack zu stemmen" und verhandle jetzt das Doppelbudget. Melanie Erasim (SPÖ) fügte hinzu, dass es im Zuge der Maßnahmen zur Deregulierung keine Verschlechterungen der Arbeitsrechte und des Arbeitsschutzes geben dürfe. Dies sei besonders wichtig, wenn es um Maßnahmen zum Schutz vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz gehe, denn die Tourismusbranche müsse für Frauen noch attraktiver werden, so die Politikerin. 

www.parlament.gv.at

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV