Das Auto nimmt für die Mehrheit der Österreicher:innen weiterhin eine zentrale Rolle im Alltag ein. Gleichzeitig deutet eine aktuelle Kfz-Studie der Wiener Städtischen Versicherung auf einen schrittweisen Wandel in Richtung alternativer Antriebe und neuer Mobilitätsformen hin. Präsentiert wurden die Ergebnisse der Umfrage am Donnerstag von Doris Wendler, Vorstandsdirektorin der Wiener Städtischen Versicherung, und Gabriele Reithner vom Gallup Institut.
Alternative Antriebe gewinnen an Bedeutung
Bei der aktuellen Antriebswahl dominieren der Umfrage zufolge nach wie vor klassische Verbrennungsmotoren. 58 Prozent der Befragten fahren einen Benziner, 37 Prozent einen Diesel. Hybrid- und Elektrofahrzeuge kommen zusammen lediglich auf 14 Prozent. Auffällig sind geschlechtsspezifische Unterschiede. So greifen Frauen häufiger zu Benzinmotoren, während Männer überdurchschnittlich oft Diesel fahren.
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Auch beim geplanten Autokauf liegen Verbrennungsmotoren demnach weiterhin vorn. Rund ein Drittel der Befragten würde sich für einen Benziner entscheiden, 28 Prozent für einen Diesel. Gleichzeitig holen alternative Antriebe auf. Bereits ein Viertel zieht ein Hybridfahrzeug in Betracht, während reine Elektroautos mit 14 Prozent das Schlusslicht bilden. Doris Wendler erklärt dazu: "Die Transformation der Mobilität ist in vollem Gange", betont jedoch, dass der Verbrennungsmotor "vorerst ein zentraler Bestandteil des Autokaufs" bleibe.
Was bei E-Autos wichtig ist
Im Bereich der Elektromobilität haben die Österreicher:innen klare Vorstellungen in Bezug auf Preis und Reichweite. Knapp drei Viertel der Österreicher:innen wären grundsätzlich bereit, maximal 30.000 Euro für ein Elektroauto auszugeben, während höhere Preiskategorien nur von einer kleinen Minderheit akzeptiert werden. Gleichzeitig bestehen klare Erwartungen an die Leistungsfähigkeit: Rund 60 Prozent wünschen sich eine Mindestreichweite von zumindest 400 Kilometern, wobei 41 Prozent sogar mehr als 500 Kilometer als erforderlich ansehen.
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Viele aktuelle Stromer haben mittlerweile WLTP-Reichweiten, die teils deutlich über 500 km liegen und daher auch in der Praxis solche Werte durchaus schaffen. Da zuletzt auch einige günstige E-Modelle mit Preisen um die 25.000 Euro auf den Markt gekommen sind und in den nächsten Monaten weitere folgen werden, stehen die Chancen gut, dass die Akzeptanz von Elektroautos weiter steigt. Im Vorjahr erreichten sie bei den Neuzulassungen einen Marktanteil von rund 20 Prozent (LEADERSNET berichtete).
Pkw für viele unverzichtbar
Weiters geht aus den Ergebnissen hervor, dass für rund zwei Drittel der Österreicher:innen das Auto aus dem Alltag nicht wegzudenken ist. Besonders im ländlichen Raum ist seine Bedeutung mit 74 Prozent hoch. Für 30 Prozent hat der Stellenwert zuletzt sogar zugenommen, während er für mehr als die Hälfte unverändert blieb. Wendler hält fest, das Auto stehe "nach wie vor für Unabhängigkeit und persönliche Freiheit" und sei insbesondere außerhalb urbaner Zentren vielfach alternativlos.
In der Selbsteinschätzung zeigen sich die Österreicher:innen durchaus selbstbewusst. Acht von zehn halten sich für (sehr) gute Autofahrer:innen. Jüngere Befragte zeigen sich dabei etwas zurückhaltender, während Männer ihre Fahrkompetenz häufiger höher bewerten als Frauen.
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Beim Fahrverhalten auf Autobahnen gibt die Mehrheit an, sich an die Tempolimits zu halten. Dennoch fährt rund ein Fünftel nach eigenen Angaben schneller als erlaubt. Besonders die Generation Y fällt hier auf: 26 Prozent dieser Altersgruppe geben an, durchschnittlich über 130 km/h unterwegs zu sein.
Vignette, Pickerl, autonomes Fahren & Alkolocks
Kontrovers wird die Einführung der digitalen Vignette gesehen, die ab Dezember 2026 die klassische Klebevignette ersetzt (LEADERSNET berichtete). 49 Prozent bewerten die Umstellung als Verbesserung, während 51 Prozent sie als Zwangsdigitalisierung empfinden. Deutlich höhere Zustimmung erfährt hingegen die geplante Anpassung der §57a-Pickerl-Intervalle: Mehr als 70 Prozent der Befragten bewerten die künftig zweijährige Überprüfung positiv.
Beim autonomen Fahren zeigt sich ein ambivalentes Bild. Rund 60 Prozent der Österreicher:innen können sich grundsätzlich vorstellen, ein selbstfahrendes Auto zu erwerben, sobald diese marktreif sind. Gleichzeitig äußert etwa die Hälfte Sicherheitsbedenken. Frauen beurteilen die Technologie dabei deutlich kritischer als Männer.
Breite Zustimmung findet hingegen der Einsatz von Alkohol-Wegfahrsperren (Alkolocks): Rund zwei Drittel sprechen sich für entsprechende Systeme aus, wobei Frauen diese Maßnahme deutlich häufiger befürworten.
Mehr Vollkaskoversicherungen
Auch im Versicherungsbereich zeigt sich eine leichte Verschiebung. 42 Prozent der Autobesitzer:innen verfügen laut Studie über eine Vollkaskoversicherung, Tendenz steigend. Gleichzeitig beschränkt sich rund ein Drittel weiterhin auf die gesetzlich vorgeschriebene Haftpflicht. Laut Doris Wendler nehme das Bewusstsein für umfassenden Schutz zu, gleichzeitig bestehe "noch deutliches Potenzial" – insbesondere angesichts steigender Reparaturkosten.
LEADERSNET war bei der Präsentation. Eindrücke gibt es in der Galerie.
www.wienerstaedtische.at
www.gallup.at
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